Sand und Rauch über Europa

5. Juli 2018, 5 Kommentare

In der vergangenen Woche haben Laser-Messgeräte des von MeteoSchweiz koordinierten Netzwerks E-PROFILE Rauchpartikel sowie Saharastaub über weiten Teilen Europas erfasst. Saharastaub wurde auch in der Schweiz gemessen, die Rauchschwaden breiteten sich aber nur über das nördliche Europa aus und haben die Schweiz nicht erfasst.

Bild der Rauchwolke, aufgenommen aus einem Flugzeug. ©BBC
Bild der Rauchwolke, aufgenommen aus einem Flugzeug. ©BBC

Was wurde gemessen?

Rauchpartikel

Seit dem 8. Juni bringt ein mächtiges Torffeuer in England grosse Rauchmengen in die Atmosphäre. Letzte Woche wurden Rauchpartikel aus diesem Brand über weite Teile Europas verfrachtet und von unseren Messgeräten registriert.

Diese Partikel sind auf den Satellitenbildern sichtbar, können aber mit viel höherer Genauigkeit durch die Laser-Instrumente (sog. LIDARs) gemessen werden. Das Messnetzwerk E-PROFILE hat in mehreren europäischen Ländern Rauchpartikel in Höhen zwischen 2000 und 5000m detektiert.

Nachfolgende Abbildungen zeigen dies deutlich. Schichten, die grosse Mengen an Teilchen enthalten, sind in hellgrün dargestellt, während klare Luft blau erscheint. Die roten Bereiche entsprechen Wolken und die grauen Balken zeigen Zonen, die das Instrument nicht ausmessen konnte.

Die Daten in Echtzeit sind auf der E-PROFILE-Website zu finden.

Saharastaub

Am 1. Juli befanden sich ausserdem bedeutende Mengen an Staub aus der Sahara über der Schweiz, Italien und Frankreich. Die LIDARs in Payerne haben diese Schicht deutlich gesehen. Die Messstation auf dem Jungfraujoch befindet sich auf der Höhe der Sandschicht, Teilchen-Konzentrationen wurden auch dort registriert. Aufgrund des Saharastaubs hat sich dort die Menge an Feinstaub deutlich erhöht.

Auswirkungen auf die Luftqualität

Sowohl Rauchpartikel als auch Saharastaub beeinträchtigen die Luftqualität und können sich somit negativ auf unsere Gesundheit auswirken. Die Messungen helfen uns, die Prognosen der Luftqualität zu verbessern. Durch internationale Kooperationen werden sie bereits heute in verschiedenen Wettermodellen assimiliert.

Sicherheit für den Flugverkehr

Ob sich nun Rauch, Sand oder auch Vulkanasche in der Atmosphäre befinden – sie haben  eine Auswirkung auf den Flugverkehr. Dank unseren LIDAR-Messungen kann sichergestellt werden, dass die Flugzeuge keine Gebiete mit zu grossen Mengen an entsprechenden Partikeln durchqueren. Beim Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull im Jahr 2010 mussten noch diverse Flughäfen in Europa geschlossen werden. Genauere Messungen erlauben heute detailliertere Aussagen über Verteilung und genaue Lage der Partikel. Dadurch kann der europäische Flugverkehr besser geplant werden.

Das von MeteoSchweiz koordinierte LIDAR-Messnetz

MeteoSchweiz koordiniert das europäische Netzwerk E-PROFILE. Dieses besteht aus über 200 Laser-Instrumenten (LIDARs) in 17 Ländern. Ein LIDAR sendet Laserstrahlen in die Atmosphäre, wo sie mit Molekülen und Partikeln reagieren. Ein Teil der Strahlung wird auf die Erdoberfläche zurückgeworfen und kann gesammelt und analysiert werden. Auf diese Weise lassen sich die Konzentration und Streueigenschaften von Aerosolen aber auch Feuchtigkeit und Temperatur ableiten.
 

Maxime Hervo, Alexander Haefele, Rolf Rüfenacht, Giovanni Martucci

 

Weiterführende Informationen

Alc Network (auf Englisch)

LIDAR und Ceilometer

Saharastaub-Ereignisse

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Kommentare (5)

  1. Andreas Wiedler, 11.07.2018, 09:17

    "Die Messungen helfen uns, die Prognosen der Luftqualität zu verbessern"

    Ich bin einverstanden, wenn die Forschung den Anspruch erhebt, bei der Beobachtung und Verbesserung des Klimas mitzuwirken. Leider springt sie den Launen der Natur & Menschheit ständig hinterher und wird auch in Zukunft nicht in der Lage sein, das eigentliche Übel anzupacken. Es ist ein ständiges Erfassen & Korrigieren unserer Fehler.
    Auch wenn ihr jüngstes Beispiel, die Auswirkung eines Torfbrands, welcher wahrscheinlich nicht von Menschen verursacht wurde, ist ihr Satz: "Die Messungen helfen uns, die Prognosen der Luftqualität zu verbessern", nur ein Versprechen, unsere Unzulänglichkeit und Dummheit noch besser vorherzusagen. Verallgemeinert? Schauen sie sich die Resultate der Umweltgipfel an und das Verhalten der "zivilisierten" Gesellschaft!
    Trotz allem bin ich froh, dass es Wissenschaftler wie sie gibt, die uns immerhin wach halten und uns daran erinnern, wie es um uns steht und was eigentlich zu tun wäre. Vielen Dank!

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  2. s.zurfluh, 09.07.2018, 09:17

    "Sowohl Rauchpartikel als auch Saharastaub beeinträchtigen die Luftqualität und können sich somit negativ auf unsere Gesundheit auswirken..." .... und wie ist es mit Zigaretten und Kiff Rauch etc.? Die habe ich, obwohl Nichtraucher, 365 Tage im Jahr. Bei Windstille ist es besonders schlimm. Da hängt das Zeugs lokal ewig in der Luft.

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    1. G. Füglistaller, 09.07.2018, 11:35

      Und die ganzen Fahrzeugabgase erst!

  3. A. Siegenthaler, 05.07.2018, 12:27

    Es ist zweimal dasselbe LIDAR-Bild dargestellt...

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    1. MeteoSchweiz, 05.07.2018, 13:32

      Vielen Dank für den Hinweis. Wir haben das nun angepasst.