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Regional extrem warmer September

28. September 2018, 6 Kommentare
Themen: Klima

In einzelnen Regionen der Schweiz ist der zweit- bis viertwärmste, lokal auch der wärmste September seit Messbeginn zu erwarten. Im landesweiten Mittel gehört der September zu den zehn wärmsten in der über 150-jährigen Messperiode. Neben der Wärme zeichnet sich der September auch durch seine regional erhebliche Niederschlagsarmut aus.

Prächtige Steinböcke geniessen die milde Septembersonne im schönen Alpsteingebiet. Foto: Urs Graf.
Prächtige Steinböcke geniessen die milde Septembersonne im schönen Alpsteingebiet. Foto: Urs Graf.

Septembertemperatur lokal im Rekordbereich

Am Messstandort Genf zeichnet sich mit einer Monatstemperatur von 18.0 Grad ein Wert nahe am Septemberrekord ab. Der bisherige Höchstwert vom September 1949 lag bei 18.1 Grad. Gleich warm zeigten sich in Genf auch die September 2006 und 2016 mit 18.0 Grad. In Sion überschiesst der September 2018 mit 18.8 Grad den bisherigen Rekord von 18.4 Grad aus dem 2016. Die Messreihen von Genf und Sion reichen bis 1864 zurück.

Für die landesweite Septembertemperatur ergeben die Berechnungen bis zum Monatsende 12.4 Grad. Das liegt 2.2 Grad über der Norm 1981‒2010 und bedeutet Rang 8 in der seit 1864 verfügbaren Messreihe.

Hochdruckbestimmte erste Monatshälfte

Nach drei tiefdruckbestimmten Tagen mit unterdurchschnittlicher Tagesmitteltemperatur, geringer Sonnenscheindauer und regional etwas Regen, vor allem auf der Alpensüdseite und im Engadin, zeigte sich die Periode vom 4. bis zum 12. September überwiegend hochdruckbestimmt, sonnig und mild. Das schöne Spätsommerwetter wurde vom 6. nachmittags bis am 7. vormittags durch feuchtwarme Luft aus Südwesten und dem Durchzug einer Niederschlagszone unterbrochen.

Rekordtemperatur auf dem Jungfraujoch

Mit viel Sonnschein stieg die Tagesmaximumtemperatur am 11. und 12. September beidseits der Alpen verbreitet auf 26 bis 29 Grad. Vereinzelt gab es auch Werte über 30 Grad. Die Nullgradgrenze erreicht eine Höhe von 4600 m. Auf dem Jungfraujoch in 3580 m Höhe wurde am 11. September mit einem Tageshöchstwert von 10.8 Grad ein massiver neuer Septemberrekord gemessen. Der bisherige Septemberrekord aus dem Jahr 2000 lag bei 9.7 Grad. Sieben der zehn höchsten Septemberwerte auf dem Jungfraujoch stammen aus den Jahren 2000 und später. Diese Häufung von Extremwerten in den letzten zwei Jahrzehnten ist klassisch für die laufende Klimaentwicklung. Auf dem Jungfraujoch ist die homogene Messreihe der Tagesmaximumtemperatur seit 1961 verfügbar.

Nochmals sehr warm

Am 13. September lag die Schweiz in einer kräftigen Westströmung und eine Niederschlagszone aus Nordwesten brachte am Nachmittag und Abend kräftige Schauer.

Vom 12. auf den 13. September schrammte die Alpensüdseite knapp an einer Tropennacht vorbei. An den Messstandorten Lugano und Locarno-Monti sank das Nachtminimum auf 19.7 Grad, also knapp unter die Tropennacht-Schwelle von 20 Grad. Tropennächte im September sind selbst auf der milden Alpensüdseite sehr selten. In der Messreihe von Lugano ab 1864 sind bisher nur sechs, in der Messreihe von Locarno-Monti ab 1910 nur drei Tropennächte im September zu finden:

Vom 14. bis zum 18. September wanderte ein Hochdruckgebiet vom Atlantik über Mitteleuropa bis zum Schwarzen Meer. Am 19. und 20. verband es sich mit einem zweiten aus dem Atlantik vorstossenden Hoch. Die Hochdruckperiode brachte beidseits der Alpen sommerliche Tageshöchstwerte von 24 bis 29 Grad. Am 18. löste feuchte Luft aus Südwesten zum Teil recht kräftige Gewitter aus.

Stürmischer Westwind

Am 21. und 23. September lag die Schweiz in einer kräftigen West- bis Südwestströmung begleitet von Niederschlagszonen. Am 22. sorgte ein Zwischenhoch für recht sonnige Verhältnisse. Der 23. zeigte sich vor allem am Nachmittag recht sonnig und mit Tageshöchstwerten von 27 bis 29 Grad sommerlich warm, bevor am späteren Abend eine kräftige Kaltfront aus Norden mit Sturmböen einen massiven Wetterumschwung brachte.

Temperatursturz im Norden mit Schnee in den Bergen

In der aus Norden zugeflossenen Kaltluft schneite es in den Bergen bis auf 1800 m hinunter. Nördlich der Alpen stieg die Tagesmaximumtemperatur am 24. nur noch auf 13 bis 16 Grad. Die Tiefstwerte am Morgen lagen meist zwischen 5 und 7 Grad, am Genfersee zwischen 9 und 11 Grad. Die Alpensüdseite registrierte derweil in den Niederungen sommerliche Höchstwerte von 25 Grad. Dies mit Unterstützung von kräftigem Nordföhn mit Böen von 60 bis 80 km/h.

Am 25. und 26. September zog ein kräftiges Hochdruckgebiet von Deutschland nach Osteuropa. Es bescherte der Schweiz wieder sonnige und am Nachmittag zunehmend mildere Verhältnisse. Durch die kräftige nächtliche Abkühlung  erreichte die Temperatur am Morgen hingegen tiefe Werte. Die Niederungen der Alpennordseite registrierten recht verbreitet Bodenfrost.

Erhebliche Niederschlagsarmut im Süden und im Westen

Auf der Alpensüdseite und im Gebiet vom Neuenburgersee zum Genfersee lieferte der September verbreitet weniger als 20 Prozent der normalen Niederschlagsmengen (Stand 27.09.2018). Die übrigen Regionen erhielten meist zwischen 40 und 80 Prozent der Norm 1981–2010. Die ausgesprochene Niederschlagsarmut im September ist auf der Alpensüdseite, in Teilen der West- und Nordwestschweiz,  im Wallis sowie im Gotthardgebiet ein seit rund 20 Jahren anhaltendes Phänomen.

Sehr frühe Weinlese und Blattverfärbung

Die Weinlese begann in diesem Jahr sehr früh. An den Standorten des phänologischen Beobachtungsnetzes begann die Ernte der Trauben ab Ende August und im September rund 31 Tage früher als im Mittel der Periode 1981–2010.

Die extreme Trockenheit im Sommer führte bei vielen Bäumen zu einer frühzeitigen Blattverfärbung oder zu Blattverlusten. Im phänologischen Beobachtungsnetz gab es bis jetzt jedoch erst wenige Meldungen zur Blattverfärbung. Der Grund dafür ist, dass nicht alle Bäume gleich stark auf die Trockenheit reagierten und je nach Standort und Wasserverfügbarkeit grosse Unterschiede beobachtet werden konnten. An den Stationen, die die Blattverfärbung der Buche, der Sommer- und Winterlinde und der Rosskastanie bisher meldeten, trat die Blattverfärbung überall sehr früh auf. Der Vorsprung bei den Linden auf das Mittel seit Messbeginn 1996 betrug rund 30 Tage, bei der Buche und der Rosskastanie lag der Vorsprung auf das Mittel der Periode 1981–2010 bei 21–25 Tagen. Im Mittel der Vergleichsperiode 1981-2010 verfärben sich die Buchenblätter an den Stationen des phänologischen Beobachtungsnetzes in Höhenlagen bis 600 m am 13. Oktober, in Höhen von 600 – 1000 m am 9. Oktober und oberhalb von 1000 m am 6. Oktober.

Bei den Herbstzeitlosen gab es nur noch wenige Meldungen zur Blüte im September, die meisten Beobachtungen stammen aus dem August. Allgemein begannen die Herbstzeitlosen in diesem Jahr ab Mitte August zu blühen, rund 9 Tage früher als im Mittel.

Neue Klimaszenarien für die Schweiz

Mit dem September 2018 endet das wärmste oder zweitwärmste Sommerhalbjahr seit Messbeginn 1864, wie MeteoSchweiz in einem Blogbeitrag berichtete. Die massive Erwärmung des Sommerhalbjahrs in den vergangenen 20 bis 30 Jahren ist ein eindrückliches Signal des laufenden Klimawandels.

Als Alpenland ist die Schweiz dem Klimawandel und den damit verbundenen Naturgefahren besonders ausgesetzt. Die neuen Schweizer Klimaszenarien CH2018 beschreiben, wie sich das Schweizer Klima in diesem Jahrhundert verändern könnte. Sie übersetzen die komplexen wissenschaftlichen Ergebnisse der Klimamodelle in verständliche Aussagen.

Ab dem 13. November 2018 stehen diese unter www.klimaszenarien.ch zur Verfügung.

Weiterführende Informationen

Das extrem warme Sommerhalbjahr 2018 im MeteoSchweiz-Blogartikel "Das Klima der Rekorde".

Der definitive Bericht zum September 2018 ist ab dem 10. Oktober 2018 in der Rubrik Monats- und Jahresrückblick verfügbar.

Kommentare (6)

  1. Adrian, 06.10.2018, 00:14

    Eines ist schon jetzt ziemlich sicher; dieses Jahr schlägt einige Rekorde. So wird dieses Jahr wohl das trockenste und wärmste Jahr seit Messbeginn werden...
    Schade, glaubte ich doch noch, dass ich in den letzten 3 Monaten im Wetterbericht wenigstens einmal noch ‚Temperaturen UNTER dem für die Jahreszeit üblichen Mittel’ lesen könnte... Dass ich noch einmal den Bach hinterm Haus rauschen hören dürfte... Dass ich noch einmal 3 Tage hintereinander den Regenschirm brauchen müsste... Dass ich noch einmal die Aare im milchig-braunen Farbton sehen würde...
    Wobei, etwas Gutes hat diese Wärme ja schon; wir heizen weniger, was dem CO2-Gehalt früher oder später zu Gute kommen wird (falls wir das dadurch gesparte Geld nicht gleich wieder für die nächste Flugreise verwenden)...

  2. Dora, 04.10.2018, 13:03

    Ach hätten wir doch Wetter wie früher, nämlich: Frühling,Sommer,Herbst und Winter.......... Ohne diese Extremitäten

  3. Urs, 29.09.2018, 11:52

    In euren Beiträgen wird häufig auf Messwerte vor x-jahren oder seit Messbeginn verwiesen. Mich interessiert, wie verlässlich diese Werte sind und wie zuverlässig damals gemessen wurde.

    Ich möchte auch nicht unterlassen, mich für die (fast) immer sehr interessanten Beiträge zu bedanken. Weiter so :-)

  4. Cédric Sütterlin, 28.09.2018, 18:18

    "Vom 12. auf den 13. September schrammte die Alpensüdseite knapp an einer Tropennacht vorbei. An den Messstandorten Lugano und Locarno-Monti sank das Nachtminimum auf 19.7 Grad, also knapp unter die Tropennacht-Schwelle von 20 Grad."

    Man könnte nachfolgend erwähnen, dass es vom 23. auf den 24. September in Locarno-Monti mit einem Tmin von 20.2 Grad eine Tropennacht gab.

  5. Patrick Hächler, 28.09.2018, 09:25

    Eine Ergänzung: am Morgen des 25. September konnte an vielen Orten Reif beobachtet werden, z.B. in der Linthebene. Das scheint mir eher früh und steht in einem gewissen Kontrast zur ausgeprägten Septemberwärme.

    1. Wolfgang, 28.09.2018, 20:01

      Richtig. Von einem Extrem ins Andere.