Auf der Suche nach der Sonne

12. Januar 2019, 6 Kommentare
Themen: Wetter

Die Sonne machte sich heute in vielen Teilen der Schweiz rar, wo sie trotzdem zu finden war erfahren Sie im Blog. Zudem wagen wir einen Ausblick auf die kommenden Tage, welche nicht nur schneereich sondern auch stürmisch werden, zumindest in den Bergen.

Abendstimmung beim Blick vom Schilthorn im Berner Oberland Richtung Nordosten. (Quelle: schilthorn.roundshot.com/birg/)
Abendstimmung beim Blick vom Schilthorn im Berner Oberland Richtung Nordosten. (Quelle: schilthorn.roundshot.com/birg/)

Wenig Neuschnee

In der Nacht auf heute hat uns eine zunehmend okkludierte Front überquert, welche abgesehen von der Alpensüdseite und dem Wallis verbreitet wenige Zentimeter Neuschnee brachte. Den grössten Schneezuwachs gab es einmal mehr im Prättigau. Mit rund 10 cm fiel dieser aber verglichen mit dem kommenden Neuschneeereignis eher bescheiden aus.

Zurück blieb auf der Alpennordseite recht kompakte Restbewölkung, zumindest unterhalb von rund 2500 Metern.

In der Höhe teilweise sonnig

Tagsüber war die nördliche Höhenströmung vorübergehend antizyklonal gekrümmt, machte also eine Rechtskurve. Dies sorgte für eine Subsidenz auf der Vorderseite dieses schwachen Höhenrückens. Damit konnte die Luft unterhalb von rund 2200 bis 2500 Metern gut abgetrocknet werden, gegen Osten hin war die Wolkenobergrenze etwas höher. So wurden all jene mit gutem Wintersportwetter belohnt, welche heute beispielsweise im Berner Oberland oder im Wallis höher gelegene Regionen aufsuchten.

Vergrösserte Ansicht: Webcambild Hohbiel auf der Belalp im Oberwallis.
Webcambild Hohbiel auf der Belalp im Oberwallis.
Quelle: belalp.roundshot.com

Im Laufe des Tages sank die Wolkenobergrenze weiter, und insbesondere im Zentralwallis aber auch im Berner Oberland und im Bündnerland konnte sich die Restbewölkung auflockern. Gegen Abend erreichte uns bereits wieder die Bewölkung des nächsten Frontensystems.

Jedoch war der Himmel auch über der tieferen Wolkenschicht nicht immer nur blau, vor allem am Vormittag zierten einige Schleierwolken den Himmel, welche die Sonne zeitweise auch ganz abzudecken vermochten. Mehr dazu aber weiter unten.

Ergiebige Schneefälle in den kommenden Tagen

Vergrösserte Ansicht: Übersicht zum heutigen Warnstatus zu den Schneewarnungen (links) und den Windwarnungen (rechts).
Übersicht zum heutigen Warnstatus zu den Schneewarnungen (links) und den Windwarnungen (rechts).
Aktueller Warnstatus: https://www.meteoschweiz.admin.ch/home.html?tab=alarm

Zunächst möchte ich noch darauf hinweisen, dass ab heute Abend das gute Wintersportwetter vorbei sein dürfte. Mit der starken Nordwestströmung werden wiederholt Fronten und anhaltend Feuchtigkeit zu den Alpen geführt.

Am Alpennordhang wird die Feuchtigkeit gestaut, und folglich sind insbesondere am zentralen und östlichen Alpennordhang die Schneefälle teils ergiebig. Am Alpennordhang erwarten wir von heute Abend bis am Dienstagvormittag recht viel Neuschnee, besonders im östlichen Berner Oberland, in den Urner und Glarner Alpen sowie im Prättigau kann sich wahrscheinlich über 1 Meter Neuschnee akkumulieren, weshalb wir eine Schneewarnung der Stufe 4 ausgegeben haben. Weitere, aktuelle Informationen finden Sie hier, oder auch im Naturgefahrenbulletin.

Vergrösserte Ansicht: Vom Europäischen Wettermodell berechnete Niederschlagsmengen in mm Wasseräquivalent zwischen Heute Abend und Dienstagmorgen (Akkumulation über 60h). Zur Umrechnung in cm Neuschnee kann ungefähr ein Faktor 1 genommen werden. Allerdings werden die Messwerte am nächsten Dienstag kaum genau diese Neuschneemengen anzeigen, spielt doch die Verfrachtung des Schnees durch den Wind ebenfalls eine grosse Rolle.
Vom Europäischen Wettermodell berechnete Niederschlagsmengen in mm Wasseräquivalent zwischen Heute Abend und Dienstagmorgen (Akkumulation über 60h). Zur Umrechnung in cm Neuschnee kann ungefähr ein Faktor 1 genommen werden. Allerdings werden die Messwerte am nächsten Dienstag kaum genau diese Neuschneemengen anzeigen, spielt doch die Verfrachtung des Schnees durch den Wind ebenfalls eine grosse Rolle.

Was auch für die Lawinensituation nicht gerade entspannend wirkt ist der starke Wind, welcher dieses Niederschlagsereignis begleitet. Insbesondere in höheren Lagen kann dieser den Neuschnee relativ weitreichend verfrachten. Aber auch in tieferen Lagen ist besonders in der Nacht zum Montag mit teils stürmischem Wind zu rechnen. Auch dazu finden Sie die aktuellsten Informationen auf unserer Warnseite.

Leewelle über den Alpen und der Alpensüdseite

Zum Schluss noch ein schönes Detail zum heutigen Tag:

Wie oben bereits beschrieben war die nördliche Höhenströmung vorübergehend antizyklonal gekrümmt, machte also eine Rechtskurve. Dies sorgte nicht nur für Subsidenz, sondern auch für stabiler geschichtete Luft.

Vergrösserte Ansicht: Satellitenbild der Alpen und von Norditalien im sichtbaren Kanal links, rechts das eingefärbte Wasserdampfbild der gleichen Region.
Satellitenbild der Alpen und von Norditalien im sichtbaren Kanal links, rechts das eingefärbte Wasserdampfbild der gleichen Region.

Mit der stabiler geschichteten Luft war also eine Voraussetzung für sogenannte Leewellen gegeben. Diese können entstehen, wenn eben solche stabile Luft über ein Hindernis wie beispielsweise die Alpen strömt. Oft ist diese vertikale Bewegung der Luft nur schlecht sicht- und auch messbar. Wenn aber genügend Feuchtigkeit vorhanden ist, wird die vertikale Bewegung anhand der Wolkenstrukturen sichtbar, so wie das heute der Fall war. Auf dem Satellitenbild von heute 10 UTC ist beim Vergleich des Bildes im sichtbaren Kanals mit dem eingefärbten Wasserdampfbild gut der Höhenunterschied der Wolkenstrukturen auszumachen. Die im Wasserdampfbild violett bis türkis eingefärbten Regionen sind kalte und damit hohe Wolken, in helleren Regionen ist die Bewölkung tiefer.

Vergrösserte Ansicht: Satellitenbild der Alpen und von Norditalien im sichtbaren Kanal, weitere Erklärungen dazu im Text.
Satellitenbild der Alpen und von Norditalien im sichtbaren Kanal, weitere Erklärungen dazu im Text.

Im sichtbaren Kanal des Satellitenbildes ist eine Wellenbewegung in der tieferen Wolkenschicht besonders über den östlichen Schweizer Alpen und im westlichen Teil von Österreich zu sehen (roter Pfeil), aber auch in der höheren Wolkenschicht sind Wellenbewegungen auszumachen (blauer Pfeil). Zudem wirft die höhere Bewölkung einen Schatten auf die tiefer liegende (grüner Pfeil).

Die Folge davon war, dass im Süden der Vormittag nicht sonnig war, wie das die Anströmungsrichtung vermuten liesse. Unter der dichteren Leewellenbewölkung wurde in der ersten Tageshälfte kaum Sonnenschein registriert.

Kommentare (6)

  1. K. Köppel, 13.01.2019, 15:57

    Die schönen Bilder in der Vorschau animieren zum anschauen des Beitrags, doch seit Monaten sind im Beitrag dann keine sichtbar. Auch mit älteren Android Versionen (4.4) sollte man die noch anschauen können. Da sollten sich die "IT Spezialisten" mal am Gürtel reissen, sonst schicken wir ihnen eine Kaltfront mit eingelagerten Hagel und Gewitterzellen. :-(

  2. Heinz F., 13.01.2019, 10:12

    Die vom europäischen Wettermodell berechneten Niederschlagsmengen zeigen mit grosser Deutlichkeit, dass Basel klimatisch zur oberrheinischen Tiefebene gehört (siehe die von Norden herabreichende, tiefblaue Fläche). Diese ist bekannt für ihr mildes und trockenes Klima, wo Edelkastanien und Reben bestens gedeihen. Die gestern vorausgesagten geringen Niederschläge und Temperaturen über Null Grad erwiesen sich als korrekt. Deshalb ist es mir unverständlich, dass das Programm für die Nacht von gestern Samstag auf heute Sonntag für Basel eine Schneewarnung Stufe 2 berechnete. Das ist eigentlich fast schon ein schlechter Witz.

    1. MeteoSchweiz, 15.01.2019, 11:32

      Die Schneewarnung der Stufe 2 für wenige Zentimeter Neuschnee im Baselbiet wurde für die Gebiete oberhalb von 600 Meter gemacht. Und zwar manuell vom Meteorologen, nicht von einem "Programm". Es fielen 1 bis 3 cm Schnee, für die Erfüllung der Warnkriterien hätte es deren fünf benötigt. Freundliche Grüsse.

    2. Heinz F, 15.01.2019, 17:06

      An Meteo Schweiz: Ich möchte mich entschuldigen. Da ich viel zu fest Stadt-zentriert bin, vergesse ich manchmal, dass zur Warnregion Basel auch Berge bis zu 1200 m.ü.m. gehören. Dort ist die Situation selbstverständlich anders.
      Auch freundliche Grüsse
      Heinz F.

  3. Martina Gersbach, 13.01.2019, 09:44

    Vielen Dank für den spannenden Blog! Da kommt ja eine weisse Masse auf uns zu...

  4. Urs Imhof, 12.01.2019, 18:26

    Wir im Bezirk Zurzach müssen leider einmal mehr im Regen absaufen anstatt endlich mal richtig Winter zuhaben.
    Schmuddelwetter sondergleichen und das bei herbstlich anmutenden Temperaturen die definitv nicht zum Januar gehören.