Ein Tag im operativen Betrieb bei MeteoSchweiz – Abteilung Messtechnik in Payerne

18. Oktober 2019
Themen: Über uns

In unserer Blogserie erhalten Sie Einblick in den spannenden Alltag von Mitarbeitenden im operativen Betrieb von MeteoSchweiz. Wir haben operativ tätige Abteilungen an allen Standorten besucht, ihnen bei der Arbeit über die Schulter geschaut und sie dazu befragt. Nachfolgend veröffentlichen wir den ersten Teil davon - zum Team Messtechnik in Payerne.

SwissMetNet-Station in Payerne
SwissMetNet-Station in Payerne

Was heisst operativer Betrieb? So bezeichnen wir bei MeteoSchweiz Abteilungen, welche meist rund um die Uhr Systeme überwachen und Dienstleistungen für interne oder externe Kunden erbringen. Dazu gehören zum Beispiel unsere Wetterdienste in Zürich, Locarno und Genf, unsere Informatikabteilung oder die Abteilung Messtechnik am Standort Payerne. Für unseren ersten Beitrag dieser Serie haben wir Yves-Alain Roulet und Alexandre Widmer in Payerne besucht und sie zu ihrer Arbeit mit der Messtechnik befragt. Diese Abteilung ist für die Datenlieferung des Bodenmessnetzes und aus den Radiosondierungen bis in die Datenbanken von MeteoSchweiz zuständig.

Durch den täglichen Einsatz der Mitarbeitenden der Abteilung Messtechnik ist ein reibungsloser Datenbezug aller 160 automatischen Bodenmessstationen in der Schweiz möglich. Diese liefern alle zehn Minuten eine Vielzahl an aktuellen Daten zum Wetter in der Schweiz.

Ein Team der Abteilung ist für den Betrieb aller automatischen Messstationen und die Radiosondierung zuständig. Mit ihrer Arbeit stellen sie sicher, dass die gemessenen Daten des Bodenmessnetzes und aus den Radiosondierungen laufend in die Datenbanken von MeteoSchweiz übermittelt werden. Wenn z.B. eine Station ausfällt, muss der Fehler gesucht und allenfalls auch vor Ort behoben werden. Um Ausfälle vorzubeugen, müssen Messstationen auch regelmässig gewartet werden.

Ein weiteres Team ist für die Forschung, Entwicklung und Qualitätssicherung zuständig. Dort werden unter anderem eigene Tools und Systeme entwickelt, die dem Betrieb dienen sollen. Das Schritthalten mit der technologischen Entwicklung ist dabei enorm wichtig.

„Wir möchten Daten liefern, die sowohl intern als auch extern genutzt werden.“ - Yves-Alain Roulet

 

Dienstleistungen für Mitarbeitende von MeteoSchweiz

Die Abteilung Messtechnik versorgt interne Kunden mit wichtigen Rohdaten. So zum Beispiel unsere Wetterdienste in Zürich, Genf und Locarno. Auch für die Abteilungen numerische Modelle und Klima sind die gemessenen Daten von Relevanz. Die numerischen Modelle berechnen anhand der Daten die mögliche Wetterentwicklung und bei der Klimaabteilung fliessen sie z.B. in die Berechnung der langfristigen Klimaentwicklung.

Dienstleistungen für die Bevölkerung
Für die Bevölkerung werden Messdaten quasi in Echtzeit – alle 10min – zur Verfügung gestellt. Dies  auf unserer Webseite oder in der MeteoSwiss-App.

Vergrösserte Ansicht: Vorbereitung der Radiosonde vor dem Start
Vorbereitung der Radiosonde vor dem Start

MeteoSchweiz führt zweimal täglich Radiosondierungen mit Wetterballonen durch. Damit werden wichtige meteorologische Werte der Atmosphäre bis in grosse Höhen gemessen. Die klassische Radiosondierung ist eine der Grundlagen für die Wettervorhersage und heute für die Klimaforschung von grosser Bedeutung.

Um eine gute Wettervorhersage machen zu können, müssen die aktuellen Wetterverhältnisse sowohl am Boden als auch in der Atmosphäre möglichst genau bekannt sein. Die Aerologie mittels Radiosonden erkundet die terrestrische Atmosphäre und liefert genaue Daten von Wind, Druck, Temperatur, Feuchtigkeit und Ozongehalt.

Ab dem Start der Sonde werden die Daten an die Zentrale übertragen und solange gemessen, bis der Ballon nach ungefähr zwei Stunden Flugzeit platzt.

Ich bin stolz und motiviert, dass wir diesen Beitrag leisten dürfen
und dass es uns gelingt, Produkte und Leistungen auf hohem Niveau anzubieten." 
- Yves-Alain Roulet

Welche Fähigkeiten benötigt man, um in einer solchen Abteilung zu arbeiten? Darüber und zu weiteren Punkten gibt uns der Chef der Abteilung, Yves-Alain Roulet, Auskunft.

 

Welche grösseren Projekte stehen derzeit an?

Einerseits soll ein Konzept für möglichst frühe Schneehöhenmessungen im Flachland anhand eines Lasermessgerätes erstellt werden. Dies ist vor allem für den Strassenverkehr von enormer Bedeutung. In einem weiteren Projekt wird evaluiert, wie man Niederschlagsmessungen anhand von Korrekturfaktoren und Windschutz verbessern kann. Denn die Niederschlagsmessung wird durch verschiedene Parameter (z.B. Wind) beeinflusst und dadurch signifikant unterschätzt, vor allem bei Schneefall. Zudem wird das Messnetz dauernd überprüft und bei Bedarf werden Anpassungen eingeleitet. So kann MeteoSchweiz sicherstellen, dass die Bedürfnisse der Kunden abgedeckt werden. Zudem legen wir als High-Tech Bundesamt grossen Wert auf technologische Weiterentwicklung: Ein Projekt wurde gerade gestartet, um die Datenkommunikation aus unserem Messnetz an die heutigen Technologien anzupassen (z.B. IoT, Cloud, usw.).

Welches Projekt/Aufgabe hat Ihnen besonders Freude bereitet?

Zum Beispiel der Ausbau des Bodenmessnetzes der MeteoSchweiz (SwissMetNet). Ein spannendes Projekt, das MeteoSchweiz über mehrere Jahre beschäftigt hat. Dabei hatte ich die Möglichkeit, diverse Standorte innerhalb der Schweiz zu besuchen. Zudem hatte ich in den letzten Jahren viele internationale Aufgaben. Ich durfte die Evaluation der Schneemessgeräte durchführen. Dabei fand ein Vergleich von verschiedenen Messgeräten auf 20 verschiedenen Messfeldern weltweit (Schweiz, Kanada, Skandinavien, Japan, etc.) statt. Dies ermöglichte mir einen spannenden Austausch mit Projektteams aus der ganzen Welt. Der gegenseitige Wissenstransfer ist enorm wichtig für die Weiterentwicklung unserer Arbeit.

Welche speziellen Fähigkeiten werden für Eure Berufe benötigt?

Für den operativen Betrieb, wie beispielsweise die Wartung der Messstationen, braucht es eine Ausbildung im technischen Bereich, wie zum Beispiel als Elektriker. Zudem benötigen die Personen in dieser Abteilung die Fähigkeit, auf unerwartete Probleme eingehen zu können. Denn manchmal ist die Situation bei der Station vor Ort ganz anders, als man vorher erwartet hat. In diesem Bereich hilft auch eine jahrelange Erfahrung, um Probleme schnell beheben und Lösungen gezielt anwenden zu können.

Im Team „Forschung und Entwicklung“ wird vor allem die Fähigkeit benötigt, breit zu denken und offen für Neues zu sein. Das heisst sich auch auf neue Technologien einlassen zu können. Viele interessieren sich zudem auch in der Freizeit stark für die Technologie-Entwicklung und verfolgen die neusten Trends.

Was gefällt Ihnen am besten an Ihrem Beruf?

Der Nutzen, den wir für die Bevölkerung erbringen. Ich bin stolz und motiviert, dass wir diesen Beitrag leisten dürfen und dass es uns gelingt, Produkte und Leistungen auf hohem Niveau anzubieten. Ich finde es auch schön, dass wir unsere Erfahrung und unser Wissen im Ausland einbringen können. Zum Beispiel mit der langjährigen Unterstützung der Ozonmessung und der Radiosondierung in Kenya, oder mit dem Projekt CATCOS (Capacity Building and Twinning for Climate Observing Systems). Im Rahmen dieses Projektes haben wir z.B. einen Workshop in Kirgistan durchgeführt. MeteoSchweiz hat dort unter anderem seine Expertise im Bereich der Wettermessung eingebracht.

Herzlichen Dank unseren Kollegen Yves-Alain Roulet und Alexandre Widmer für ihre Zeit und Auskunftsbereitschaft.

Weiterführende Informationen:

Bodenstationen allgemein

Datenmanagement allgemein

Projekt CATCOS

Projekte allgemein

Automatische Radiosondierungen (Blog)

 

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