Höhenkaltluft und Neuschnee

5. November 2019, 5 Kommentare
Themen: Wetter

Für das Wetter in der Schweiz war heute wohl die Höhenkaltluft eines der wichtigsten Elemente. Da Sie als Blogleser aber nicht in der oberen Atmosphäre wohnen, gehen wir in diesem Blog natürlich auch auf die Geschehnisse in Bodennähe ein, wie beispielsweise den Neuschnee.

Ein Schauer über Untersiggenthal heute Nachmittag. Ganz in der Nähe blitzte es zur gleichen Zeit und es entwickelte sich ein kräftiges Gewitter, welches mit Graupel ostwärts zog. Quelle: http://www.fotowebcam.info/webcam/untersiggenthal
Ein Schauer über Untersiggenthal heute Nachmittag. Ganz in der Nähe blitzte es zur gleichen Zeit und es entwickelte sich ein kräftiges Gewitter, welches mit Graupel ostwärts zog. Quelle: http://www.fotowebcam.info/webcam/untersiggenthal

Das kräftige Tiefdruckgebiet mit Kern über dem Ärmelkanal hat heute sein Zentrum südwärts verlagert (siehe Animation weiter unten). Auch das dazugehörige Höhentief hat sich der Schweiz angenähert, wir lagen jedoch weiterhin auf dessen Vorderseite in einer südwestlichen Strömung. Die folgende Grafik zeigt die Temperatur und das Geopotential auf 500 hPa heute Nacht um 1 Uhr.

Vergrösserte Ansicht: Temperatur (braun = kalt, violett = etwas weniger kalt) und das Geopotential auf 500 hPa (entspricht rund 5500 m ü.M.) heute 00 UTC.
Temperatur (braun = kalt, violett = etwas weniger kalt) und das Geopotential auf 500 hPa (entspricht rund 5500 m ü.M.) heute 00 UTC.

Die Höhenkaltluft (bräunlich) lag zu diesem Zeitpunkt, wie auch das Höhentief, noch über dem Ärmelkanal. Im Tagesverlauf hat sich die Höhenkaltluft leicht in Richtung Schweiz verlagert, was für eine Labilisierung sorgte (die Differenz der Temperatur zwischen den unteren Schichten und der Höhe nahm zu, dadurch auch die Instabilität). Dies ist in der Radiosondierung von Payerne gut zu erkennen: Während die Temperatur in den untersten Schichten gestern und heute ähnlich war, nahm sie heute mit der Höhe schneller ab als gestern.

Vergrösserte Ansicht: Radiosondierung Payerne von gestern 12 UTC (grün) und heute 12 UTC (schwarz). Der Temperaturrückgang in der Höhe (blauer Pfeil) ist deutlich erkennbar. Die Temperatur wird auf den 45° geneigten Linien (Isothermen) abgelesen, welche am unteren Rand angeschrieben sind. Ausserdem hat von gestern auf heute auch der Wind (rechter Teil des Diagramms) nachgelassen und in der Höhe von West auf Südwest gedreht.
Radiosondierung Payerne von gestern 12 UTC (grün) und heute 12 UTC (schwarz). Der Temperaturrückgang in der Höhe (blauer Pfeil) ist deutlich erkennbar. Die Temperatur wird auf den 45° geneigten Linien (Isothermen) abgelesen, welche am unteren Rand angeschrieben sind. Ausserdem hat von gestern auf heute auch der Wind (rechter Teil des Diagramms) nachgelassen und in der Höhe von West auf Südwest gedreht.

An der Vorderseite des Höhentiefs, wo sich heute auch die Schweiz befand, sorgte die Hebung in Konstellation mit der labil geschichteten Luft für Schauer und vereinzelt auch Gewitter (beispielsweise am Flughafen Zürich, mit Graupel). Dies ist in folgender Animation zu sehen:

Am Vormittag gab es auf der Alpennordseite und im Wallis, sowie im Mittel- und Südtessin einige sonnige Abschnitte. Mit den aufkommenden Schauern, welche zuerst den Jura und dann die übrigen Regionen erfassten, wurden die Aufhellungen etwas spärlicher. Nichtsdestotrotz wurden beispielsweise an der Station Les Diablerets 7.4 Sonnenstunden registriert.

Vergrösserte Ansicht: Blick von Sils im Engadin über den Silsersee heute um 12.30 Uhr. Quelle: https://sils.roundshot.com
Blick von Sils im Engadin über den Silsersee heute um 12.30 Uhr. Quelle: https://sils.roundshot.com

Neuschnee

Vergrösserte Ansicht: Passhöhe Grosser Sankt Bernhard heute um 9.40 UTC. Die Neuschneehöhe betrug heute Vormittag 38 cm. Quelle: MeteoSchweiz
Passhöhe Grosser Sankt Bernhard heute um 9.40 UTC. Die Neuschneehöhe betrug heute Vormittag 38 cm. Quelle: MeteoSchweiz

Die Schneefallgrenze ist mit dem Durchgang der Kaltfront gestern Abend von 2000 auf rund 1500 m ü.M., im Unterengadin auch tiefer, abgesunken. Während der Nacht und heute früh waren besonders die östlichen Alpen noch von der Kaltfront betroffen (in der Satellitenanimation oben als Niederschlagsband sichtbar). Gestern lagen aber mit der südwestlichen Anströmung auch über dem Wallis, den Waadtländer Alpen und dem Jura Niederschlagsschwerpunkte. So sind heute Morgen folgende Neuschneemengen gemessen worden:

Vergrösserte Ansicht: 24-stündige Neuschneemengen und Gesamtschneehöhe (jeweils die rechte Zahl) gemessen heute um 6 UTC. Beispielsweise hat Arosa eine Gesamtschneemenge von 19 cm, wovon 16 cm Neuschnee sind. Quelle: SLF und MeteoSchweiz
24-stündige Neuschneemengen und Gesamtschneehöhe (jeweils die rechte Zahl) gemessen heute um 6 UTC. Beispielsweise hat Arosa eine Gesamtschneemenge von 19 cm, wovon 16 cm Neuschnee sind. Quelle: SLF und MeteoSchweiz

Mit zeitweise mässigem Südwestwind wurden heute Temperaturhöchstwerte von rund 12 Grad, im Tessin um 15 Grad erreicht. Da sich über Österreich ein leichtes Zwischenhoch bildete, wehte im östlichen Mittelland zeitweise eine schwache Bise.

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Kommentare (5)

  1. Udo Längle, 06.11.2019, 16:22

    Bis wann ist bitte im Rheintal (SG / V) mit den ersten Frösten zu rechnen? Meine Topfpflanzen müssten dann rechtzeitig hinein übersiedeln ...

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  2. Dion, 06.11.2019, 15:23

    Gestern um 15:45 hat es angefafange stark zu regnen und zu hageln und um 15:50 bis 15:55 war es am stärksten.
    Nachher lag sogar noch graupel und hagel auf dem Boden.
    Habt ihr eine kleine Prognose für diesen Winter?
    Denkt ihr es wird viel schnee im Flachland haben oder wird es diesen Winter sogar noch wärmer.

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  3. Jacques, 06.11.2019, 07:38

    Gestern Abend um ca. 17.30 hat es im Raum Dübendorf Blitz und Donner gegeben und zwar extrem stark. Ich war unterwegs und habe den "unheimlich" hell empfunden.
    Danke für die Info Jacques

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    1. MeteoSchweiz, 06.11.2019, 10:22

      Herzlichen Dank für Ihre interessante Beobachtung. Aus unseren Blitzdaten vom gestrigen Gewitter können wir leider keine Auffälligkeiten ableiten, die auf einen besonders hellen Blitz hinweisen (Amplitude, die Helligkeit wird nicht direkt gemessen). Möglicherweise schien der Blitz im Kontrast zum trüben und stark bewölkten Novemberabend einfach besonders hell.

  4. Stefan, 05.11.2019, 19:16

    Ich will nicht mehr gross über unseren Schönwettertag besser als im Norden und im Wallis philosophieren.
    Nein nur eine Frage: Ist die Sonnenzeit Messung in Sion defekt? Manchmal passt das derzeit nicht so ganz zur gemessenen Strahlung dort.

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