Einsatz auf dem Jungfraujoch

19. Februar 2019, 2 Kommentare

Die hochalpine Forschungsstation Jungfraujoch befindet sich aus klimatischer Sicht an ganz besonderer Lage. Auf 3'622 m ü. M. ist sie rauen Witterungsbedingungen ausgesetzt. Wir starten vom Regionalzentrum Payerne aus und sind in gut drei Stunden vor Ort. Den letzten Streckenabschnitt bewältigen wir von der Kleinen Scheidegg aus mit einer Zahnradbahn – der Jungfraubahn. Unsere Endstation: der höchstgelegene Bahnhof Europas. Der Tag verspricht sonnige Aussichten.

Unsere jährlichen Wartungs- und Kontrollarbeiten der Messgeräte, die zur Forschungsstation Jungfraujoch gehören, finden vorzugsweise im Herbst statt. Sie müssen noch vor Winter- und Kälteeinbruch abgeschlossen sein.

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 Solartracker zur Messung der Sonneneinstrahlung. Die Messstation gehört zum SACRaM-Netz. Foto: G. Durieux / S. Gerum
Solartracker zur Messung der Sonneneinstrahlung. Die Messstation gehört zum SACRaM-Netz. Foto: G. Durieux / S. Gerum

Zunächst führt der zuständige Techniker Wartungsarbeiten durch und wechselt gegebenenfalls auch Messsensoren aus, die auf dem Solartracker angebracht sind. Diese Sensoren erfassen die in der Atmosphäre gelösten Gase und Aerosole. Bei dieser Gelegenheit wird auch deren Einstellung überprüft und abgeglichen.

Vergrösserte Ansicht: Messbrücke von SwissMetNet / SACRaM. Foto: G. Durieux / S. Gerum
Messbrücke von SwissMetNet / SACRaM. Foto: G. Durieux / S. Gerum

Die Messbrücke ist mit zahlreichen Sensoren ausgestattet: Sie dienen zur Messung der UV-Einstrahlung (UVA- und UVB-Spektrum), zur Erfassung der Niederschlagsmengen, der IR- und der globalen Einstrahlung. Die Messinstrumente werden nach dem Rotationsprinzip an verschiedenen Standorten eingesetzt und regelmässig geeicht. Instrumente desselben Typs werden jedoch niemals alle gleichzeitig ausgetauscht, denn nur so ist eine konsistente Datenerfassung sichergestellt. An diesem Tag finden unsere Wartungs- und Kontrollarbeiten bei strahlend blauem Himmel und angenehmen Temperaturen statt – ideale Bedingungen!

Vergrösserte Ansicht:  Austausch der Messsonde zur Erfassung der Radioaktivität. Foto: G. Durieux / S. Gerum
Austausch der Messsonde zur Erfassung der Radioaktivität. Foto: G. Durieux / S. Gerum

Das Messgerät auf dem Foto wurde von der Firma Technidata entwickelt. Es misst die radioaktive Strahlung in der Luft und muss einmal jährlich überprüft werden. Dieser Test wird mittels radioaktivem Material durchgeführt. Dabei wird die gesamte Alarmkette überprüft: vom Messgerät bis zur Nationalen Alarmzentrale (NAZ).

Vergrösserte Ansicht: Messgerät Thygan (links) zur Erfassung der Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Foto: G. Durieux / S. Gerum
Messgerät Thygan (links) zur Erfassung der Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Foto: G. Durieux / S. Gerum

Starke Schneefälle führen des Öfteren zu Störungen der Messgeräte. Die Geräte müssen an geeigneten Standorten platziert und gegebenenfalls auch physisch geschützt werden. Schutzmassnahmen wirken sich jedoch auf die Messqualität aus; es gilt hier, die bestmögliche Kompromisslösung zu finden.

Anlässlich unserer Wartungsarbeiten haben wir auch ein Thygan auf der Messbrücke installiert, um Temperatur-Vergleichsmessungen durchzuführen. Sollten die Tests – nach dreijährigen Parallelmessungen – die gewünschten Resultate liefern, könnte dieser neue Standort die neuen offiziellen Messdaten liefern. Diese dreijährige Übergangsphase ist erforderlich, um die Kontinuität unserer Messreihen zu gewährleisten und verlässliche Daten zur Klimaentwicklung zu generieren.

Vergrösserte Ansicht: Blick vom Jungfraujoch auf den Aletschgletscher. Foto: G. Durieux / S. Gerum
Blick vom Jungfraujoch auf den Aletschgletscher. Foto: G. Durieux / S. Gerum

Unser Tageswerk ist beendet, wir können uns samt Material auf den Heimweg machen. Doch bevor wir aufbrechen, bewundern wir ein letztes Mal das atemberaubende Panorama. Unser Techniker hat verlauten lassen, dass er schon bald wieder neue Wartungsarbeiten hier oben durchführen müsse ...

Historische Stätte der Physik und Chemie

Der sorgfältige Umgang an diesem aussergewöhnlichen Messstandort bringt seit bald 90 Jahren immer wieder hervorragende, international ausgerichtete Forschungsergebnisse hervor. Seit dem 8. Februar ist die hochalpine Forschungsstation Jungfraujoch nun auch mit der offiziellen Ernennung als historische Stätte der Physik und Chemie ausgezeichnet. Mehr dazu hier: https://naturwissenschaften.ch/service/events/109599-jungfraujoch-awards-the-eps-historic-site-2019

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Kommentare (2)

  1. Robert Güntert, 20.02.2019, 13:48

    Für die nächsten Revisionsarbeiten auf dem Jungfraujoch können sie, allerdings nur bei Traumwetter wie gestern, gerne auch mich aufbieten. Das Bahnticket müssten sie nur einfach lösen. Die Rückkehr würde ich dann, ohne für sie weiter anfallenden Kosten, über den Aletschgletscher und die Lötschenlücke nach Blatten unter die Skier nehmen.
    Danke für die interessanten und sehr oft auch mit wunderbarem Billdmaterial versehenen Artikel.

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    1. W.affolter 3297 Leuzigen, 21.02.2019, 11:08

      Das wäre sicher traumhaft schön!😎👍habe die Lötschenlücck ‚ einmal mit den Ski gemacht ; jetzt bin ich leider zu alt. Grüsse von willy