Wintersport und Klimawandel

5. März 2019, 12 Kommentare
Themen: Klima

Wie wird sich das Klima des Alpenraums und seiner Vorländer in Zukunft ändern? Und welche Folgen erwarten wir für Schneesport und Wintertourismus? Unter Leitung der Stiftung Sicherheit im Skisport (SIS) hat nun erstmalig ein Team von mehr als 20 Fachwissenschaftlern aus insgesamt 14 Klima- und Sportforschungseinrichtungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz den aktuellen Forschungsstand zu diesen Fragen aufgearbeitet. MeteoSchweiz und das WSL Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) sind auf Schweizer Seite Teil dieses Konsortiums. Wir stellen hier die wichtigsten Kernaussagen vor.

Vielerorts gute Bedingungen für den Wintersport. Hier: Wintersportregion Ischgl/Samnaun. Foto: S. Kotlarski
Vielerorts gute Bedingungen für den Wintersport. Hier: Wintersportregion Ischgl/Samnaun. Foto: S. Kotlarski

Erstens: Der Klimawandel setzt sich fort

Die Experten sind sich einig, dass die Jahresmitteltemperatur im Alpenraum und den Mittelgebirgen bis zum Ende des Jahrhunderts um mindestens weitere zwei Grad Celsius steigen wird. Die Zunahme der Temperatur betrifft alle Jahreszeiten. Nur durch Umsetzung von tiefgreifenden Massnahmen zur Emissionsreduktion, wie im Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 vorgesehen, kann dieser Wert unterschritten werden. Für die Schweiz wurden im November letzten Jahres entsprechende Untersuchungen im Rahmen der neuen Klimaszenarien CH2018 vorgestellt. Abbildung 1 zeigt beispielhaft die erwartete Entwicklung der Jahresmitteltemperatur in der Schweiz für zwei unterschiedliche Szenarien zum zukünftigen Ausstoss von Treibhausgasen. Ohne Klimaschutz (rot) wird sich  die Temperatur in der Schweiz bis Ende des Jahrhunderts um bis zu fünfeinhalb Grad Celsius erhöhen. Das optimistische Klimaschutz-Szenario (blau), das ungefähr dem Pariser Abkommen entspricht, zeigt hingegen eine weitere Erwärmung von weniger als zwei Grad. Aussagen zur nahen Zukunft (bis 2050) sind demgegenüber schwieriger zu treffen, denn die zum Teil hohe natürliche Klimavariabilität überlagert den langfristigen Trend. Vor allem beim Niederschlag können diese starken Schwankungen den langfristigen Trend markant überprägen.

Zweitens: Natürliche Schneedecke und Wintersport sind betroffen

Als Folge der Erwärmung wird die für den Schneesport geeignete natürliche Schneedecke langfristig (bis 2100) bis in mittleren Lagen im Alpenraum und in den Mittelgebirgen weiter zurückgehen (siehe Abbildung 2, ebenfalls mit einem Beispiel aus den Schweizer Klimaszenarien CH2018 ). Dabei verkürzt sich die Dauer der Schneebedeckung im Spätwinter um Wochen, etwas weniger stark auch im Frühwinter. Die eigentlichen wintertouristischen Kernmonate Januar und Februar sind weniger betroffen. In diesem Zusammenhang ändern sich ebenfalls die klimatologischen Rahmenbedingungen für die technische Schnee-Erzeugung. Anzahl und Dauer der potentiellen Schneizeiten (also die Zeiträume, in denen Kunstschnee überhaupt erzeugt werden kann) werden sich verringern.

Drittens: Der Wintertourismus wird sich wandeln

Das System Wintersport, auf das der Klimawandel einwirkt, entwickelt sich mit seinen Produkten und Angeboten fortlaufend weiter. Eine regionale Anpassung des Wintersports an den Klimawandel vollzieht sich nicht in einem Vakuum, sondern ist eingebettet in dynamische Vorgänge auf den verschiedensten Ebenen der regionalen Sektoren und Märkte. Wintersportverbänden, Wintersportorten, Bergdörfern und Seilbahnbetreibern bietet sich auf dieser Basis die Chance, sich aktiv an der gesamtgesellschaftlichen Herausforderung „Klimawandel“ mit entsprechenden Massnahmen zur Anpassung an die Folgewirkungen und Minderung der Treibhausgas-Emissionen zu beteiligen. Zur Sicherung und Weiterentwicklung des Wintersports werden technologische, organisatorische Innovationen und eine Diversifikation der Angebote nötig sein. Die Nutzung erneuerbarer Energien muss gestärkt und die Energie- und Ressourceneffizienz in allen Sektoren des Wintersports gesteigert werden. Für eine nachhaltige Entwicklung wird es nötig sein, noch mehr als bisher, Partnerschaften, Netzwerke und Systeme zum Informationsaustausch auf allen Ebenen zu etablieren. Schließlich werden sich die Akteure zur Zukunftssicherung des Wintersports Strategien zur Verbesserung der Widerstands- und Anpassungsfähigkeit überlegen und die Innovationsfähigkeit des Wintersports verbessern müssen.

Viertens: Wissensaustausch und weitere Forschung sind zentral

Die hier vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass Klima und Klimawandel keinen Halt vor nationalen Grenzen machen und der Wintersport infolge vernetzter Wirtschafts- und Touristenströme im gesamten Alpenraum und den Mittelgebirgen betroffen sein wird. Umso wichtiger ist der Fachaustausch über Landes- und Sektorengrenzen hinweg. Zudem ist unser Wissen über den vergangenen und zukünftigen Klimawandel gross, aber noch lange nicht komplett, und es besteht noch eine Vielzahl offener Forschungsfragen. Die MeteoSchweiz plant, sich hierbei auch in Zukunft bedeutend zu engagieren und dadurch Grundlagen für die Abschätzung der Schneesicherheit in einem zukünftigen Klima bereitzustellen.

Weiterführende Informationen

Das ausführliche Positionspapier des Experten-Teams steht unter www.stiftung.ski zum Download bereit.

Die neuen Schweizer CH2018 Klimaszenarien werden auf www.klimaszenarien.ch vorgestellt, inklusive einer Vielzahl an Abbildungen und Datensätzen zum zukünftigen Klimawandel in der Schweiz.

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Kommentare (12)

  1. emilio stecher, 17.03.2019, 21:26

    Wir müssen in der Schweiz per Notverordnung auf Elekromobilität setzen, zum Beispiel ab 2024 nur noch emissionsfreie Fahrzeuge zulassen! Alle Dächer der Schweiz betragen zusammen 400km2! Wenn man davon, welche die ideal liegen, nur 100km2 mit Solarzellen ausrüsten und die entsprechenden Gebäude mit Tesla-Speicherbatterien ausrüsten würden, wären sämtliche Energie- und CO2- Probleme der CH gelöst. Der Kostenpunkt dafür würde gut 20 Miiliarden Franken betragen. Der neue Gotthardtunnel der SBB kostete 17 Milliarden....
    Wann erfolgt endlich der Startschuss für eine echte Innovation?

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  2. Gähwiler B, 17.03.2019, 18:11

    Klimawandel/Erwärmung im Voralpen und Alpenraum mit Auswirkungen auf die WinterPortdestinationen.
    Finde ich persönlich ein schwieriges Thema.
    Was die Wintersportorte daraus machen ist ihnen überlassen, auf jedenfall finden die schon eine Strategie, auch ohne Schnee den Plunder zu vermarkten.
    Was mir eher Sorgen bereitet ist die Tatsache dass es im gesamten Alpenraum zusehends und immer schneller wärmer wird... Auch trockener (das Wallis) ist eh schon trocken, es letztes Jahr jedoch prekär wurde es auszutrocknen scheint.
    Weisst du Skigebiete wie Zermatt, SaasFee, Berner Oberland... Skigebiete die hoch liegen, ab 2500müm bis 3000müm werden überleben und dort noch Jahre den Betrieb aufrecht erhalten.
    Skigebiete die weniger hoch gelegen sind können sich teilweise noch mit Kunstschnee etc... (Idiotischer technischer Höllenaufwand) über Wasser halten... Denen geht sicher zwangsläufig die Luft aus...da nützen dir die besten Schneekannonen nichts mehr, weil: zu warm ist zu warm, um Schnee kreieren zu können!

    Die sollen selber schauen wie sie über die Runden kommen... Seien wir ehrlich. Es gibt genug Skigebiete in der Schweiz.
    Auf ein gesundes Knie. 😂

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  3. Künzle Hans, 07.03.2019, 05:48

    Ich hoffe dass es zu einem Umdenken in den Winter Destinationen kommt. Tausende von Tonnen Diesel werden jeden Winter mit Pisten Fahrzeugen verheizt! Grössere Destinationen, vor allem in Graubünden, leisten sich Shuttle, Ski Busse um Touristen in das Skigebiet und an die Lifte zu befördern. Grundsätzlich eine gute Idee Busse einzusetzen. Leider handelt es sich dabei aber in der Regel um alte Dreckschleudern die bei anderen Transportunternehmen ausgemustert wurden. Es muss ja billig wie möglich sein! Darüber könnte man auch einmal Nachdenken!

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    1. Lukas Humbel, 16.03.2019, 22:07

      Die Busse sind zwar nicht ideal, aber der grösste Treibhausgasaustoss findet wohl bei der Anreise der Wintersportler statt. Da müssten imho die Skigebiete ansetzen. Beispiel Flumserberg: Wieso ist es erlaubt zum Tannboden mit dem PW zu fahren? Viel effizienter wäre es die Autos im Tal zu parkieren und die Gondel zu nehmen. (Noch besser, direkt mit dem ÖV anreisen, aber diese Massnahme könnte das Skigebiet selbst umsetzen)

  4. U.Döpper, 05.03.2019, 22:37

    Ich finde den Titel „Wintersport und Klimawandel“ paradox, denn Klimawandel kann auch kälter bedeuten. Das Klima ist immer im Wandel, mal wird es kälter mal wird es wärmer. Ein stetes, gleichbleibendes Klima gab es noch nie und wird es auch nie geben.
    Vor rund 30 Jahren geisterte überall in den Medien das Schreckgespenst der drohenden nächsten Eiszeit herum, welche uns die schon damals hochdotierten Meteorologen prognostizierten. Auch das wäre ein Klimawandel.

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    1. Bruno Meier, 06.03.2019, 08:21

      Die Instrumente um Klimaforschung zu betreiben haben sich in den letzten 30 Jahren weiter entwickelt. Heute stehen leistungsstarke Supercomputer zu Verfügung, die Klimamodelle in nie dagewesener Präzision berechnen können. Aus diesem Grund darf man davon ausgehen, dass die Prognosezuverlässigkeit ebenfalls dazu gewonnen hat. Ausserdem hat der Temperaturanstieg in den letzten 30 Jahren massiv zu genommen. Und nicht zu vergessen, die Beobachtungen und Dokumentation der Klimaentwicklung wurde ebenfalls stark ausgeweitet. Da wurden jede Menge neue Erkenntnisse über den Klimawandel gewonnen. Ein Vergleich mit den Methoden von vor 30 Jahren hinkt und kann keinem Vergleich standhalten.

    2. Reto, 07.03.2019, 09:32

      Der durch den Menschen verursachte Klimawandel passiert extrem schnell, schauen Sie sich doch nur an wie sich in die Winter in den letzen 30 Jahren erwärmt und verändert haben. Die massive Erwärmung wird unverändert weitergehen und sich sogar noch verstärken. Einerseits wird gar nichts gegen die Erderwärmung unternommen, die Emissionen steigen unverändert, es ist kein Umdenken in Sicht. Andererseits taut z.B. in der Arktis der Permafrost immer schneller auf und setzt noch mehr Co2 und Methan frei was die Erwärmung noch einmal beschleunigt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die menschengemachte Erwärmung mindestens für die nächsten 50'000 Jahre anhalten wird. Es wird also bei weitem nicht "mal wärmer", "mal kälter"....schön wärs!

    3. Hans Wiesendanger, 13.03.2019, 09:48

      Es würde mich noch interessieren, woher Sie denn die Daten von vor 30 Jahren haben, in denen eine Eiszeit prognostiziert wurde. Seit ca. 1974 herum wurden die ersten Prognosen veröffentlicht, welche eine rapide Erwärmung voraussagten. Ich habe die ganze Entwicklung mit Interesse mitverfolgt. Es ist leider ziemlich genau das eingetreten, was vorausgesagt wurde, das Gegenteil wäre mir lieber gewesen. Die Ursachen sind bekannt.

  5. Martin Meyer Jutzi, 05.03.2019, 13:35

    Zu berücksichtigen wäre meiner Meinung nach auch noch das Thema der Art und Schwere von Wintersportunfällen. Ich prognostiziere mehr und schwerere Unfälle mit komplizierten Knieverletzungen, da die höheren Temperaturen zu schwererem Schnee führen.

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    1. Wolfgang, 07.03.2019, 12:22

      Man kann sich auch beim Fußball schwere Knieverletzungen zuziehen.

    2. Friedrich Pottenratz, 13.03.2019, 07:26

      Die Welt geht den Bach ab und Sie machen sich Sorgen wegen komplizierter Knieverletzungen??
      Ich glaube wir haben weitaus grössere Probleme als etwas schwererer Schnee und Knieverletzungen! Wenn der Ausstoss an "Abgasen" so weiter geht, taut es nicht nur, sondern es reichert sich auch immer mehr Stickstoff in unserer Atmosphäre an, was zu schlechter Luftqualität und der Belastung von aquatischen und terrestrischen Ökosystemen führt. Ausserdem trägt es zur Schwächung der ohnehin schon belasteten Ozonschicht bei. Nichts, aber auch rein gar nichts wir dagegen unternommen! Ich bin nicht mehr der jüngste, zum Glück, und muss darum mit den richtig üblen Konsequenzen unseres verantwortungslosen Handelns nicht mehr leben!
      Aber Hauptsache wir haben keine komplizierten Knieverletzungen!

    3. Rolf Hefti, 17.03.2019, 07:28

      Vermisse den ewig abwesenden Winter im Flachland auch. Glaube sogar an die menschgemachte Klimaerwärmung. Deshalb bin ich auch