Frühe Vegetationsentwicklung im Frühling 2019

6. Juni 2019, 6 Kommentare
Themen: Klima

Im Jahr 2019 entwickelte sich die Frühlingsvegetation früh, zum sechsten Mal in Folge. Die Entwicklung der Pflanzen im Frühling ist ein Abbild der Temperatur: in einem Frühling mit ho-hen Temperaturen blüht und entfaltet die Frühlingsvegetation ihre Blätter früh, bei tiefen Früh-lingstemperaturen spät.

Sehr frühe Blüte der Kirschbäume und des Löwenzahns

Im Tessin traten schon ab Mitte Januar 2019 blühende Haselsträucher auf, deutlich früher als im Mittel. Auf der Alpennordseite blieben die Haselkätzchen im Januar noch geschlossen, obwohl viele schon fast blühbereite Kätzchen aufwiesen. Die Temperatur war zu tief, so dass sie nicht definitiv aufblühen konnte. Auf der Alpennordseite blühten die Haselsträucher im Februar zu einem normalen Zeitpunkt. Mit den hohen Temperaturen im Februar entwickelten sie sich jedoch sehr schnell, so dass blühende Haselsträucher Ende Monat bereits auf 1000 m ü. M. beobachtet werden konnten. Als Gesamtes hatte die Haselblüte einen Vorsprung von 7 Tagen auf das Mittel der Periode 1981-2010. Denselben Vorsprung wiesen auch die Blüte von Huflattich und Buschwindröschen im März auf.

Den grössten Vorsprung erreichte die Frühlingsvegetation in der ersten Aprilhälfte. Die Kirschbäume und der Löwenzahn blühten beide unterhalb von 600 m ü. M im Durchschnitt am 7 April, 10 Tage früher als im Mittel. Der Grund dafür waren die hohen Temperaturen im Februar und März, die 3°C, bzw. 1.5° C über der Norm lagen. Erst bei der Blüte des Löwenzahns in den Bergen oberhalb von 1000 m ü. M. im Mai reduzierte sich der Vorsprung auf nur noch 3 Tage, aufgrund der tiefen Temperaturen im Mai. Die Kirschenblüte gehörte damit zu den 10 frühesten seit 1951. Im Vergleich dazu blühten die Kirschbäume im sehr frühen Frühling 2017 sogar mit einem Vorsprung von 15 Tage auf das Mittel.

Blattentfaltung der Bäume im April mit Vorsprung, erst im Mai leicht verspätet

Die Blattentfaltung der Bäume und der Nadelaustrieb der Lärche fanden im April mit einem Vorsprung von 2 – 6 Tagen auf das Mittel statt. Die Buche entfaltete ihre Blätter ab dem 19. April und konnte bis Ende April bereits auf 1000 m ü. M. beobachtet werden. Im April hatte die Blattentfaltung der Buche einen Vorsprung von 4 Tagen auf das Mittel, während die Blattentfaltung in den höheren Lagen durch die tiefen Temperaturen verzögert wurde und im Mittel mit 2 Tagen Verspätung auftrat. Selbst im Mai konnten aber immer noch 47% der Beobachtungen der Klasse „normal“ zugeordnet werden, während 41% in den Klassen „spät“ und „sehr spät“ auftraten. Die tiefen Temperaturen im Mai hatten deshalb nur noch wenig Einfluss auf die Frühlingsvegetation.

Langjährige Frühlingsentwicklung und Temperatur

Der Frühlingsindex fasst zehn phänologische Phasen, die von Januar bis Mai auftreten, zusammen (Abbildung 2). Damit wird die Entwicklung der Frühlingsvegetation als Ganzes beschrieben und die langjährige Entwicklung aufgezeigt. Deutlich sichtbar ist, dass seit dem Ende der 1980er-Jahre der Frühling mehrheitlich früh auftritt.

Der entscheidende Faktor für  die Entwicklung der Frühlingsvegetation ist die Temperatur der Monate Januar bis April (Abbildung 3). Sie verläuft seit den späten 1980er-Jahren nach einem raschen Anstieg konstant auf hohem Niveau. Der Frühlingsindex ist stark negativ korreliert mit der Temperatur dieser Monate: hohe Temperaturen deuten auf einen niedrigen Wert des Frühlingsindex und damit auf eine frühen Vegetationsentwicklung hin, und umgekehrt. In diesem  Jahr lag die Temperatur von Januar bis April 0.9° C über der Norm 1981-2010. Dementsprechend früh entwickelte sich die Vegetation. Der Frühling 2019 lässt sich auf Rang 14 der frühesten Frühlingsentwicklungen seit dem Beginn der phänologischen Beobachtungen im Jahr 1951 einordnen, früher als im Mittel der Jahre 1981-2010.

Weiterführende Links

Frühlingsindex

Eine detaillierte Zusammenstellung der Vegetationsentwicklung der einzelnen Monate findet sich in den Monatsrückblicken des Witterungs- und Klimaverlaufs

Kommentare (6)

  1. Franz, 18.06.2019, 11:29

    Ich habe in der Region wo ich zuhause bin ( schweizer jura) beobachtet dass der Winter länger als zuvor dauerte und die vegetation doch 2-3 Wochen später einsetzte als die letzten 5 jahre. Auch hatten wir 25 prozent mehr Schnee als die jahre zuvor. Die wi terlinge kamen erst in der 2. - 3. May woche. Wobei 2018 in der gleichen zeit bereits die kirschbäume blühten.

  2. Thomas, 12.06.2019, 11:52

    Vielen Dank für den interessanten Beitrag.
    Angesichts den Klimaaufzeichnungen stellt sich allerdings, zumindest bei mir, die Frage, was denn 1987/88 passiert ist?
    Bis dahin war ja alles wie immer und seit dem ist alles anders. Dieser Sprung lässt sich auch auf anderen ähnlichen Langzeitdiagrammen beobachtet.
    Solche sprunghafte Änderung lässt sich doch nicht einfach durch den eher stetigen langsamen CO2-Anstieg erklären, der bereits viel früher begonnen hat. Oder?

    1. MeteoSchweiz, 13.06.2019, 15:02

      Hallo Thomas

      Die sprunghafte Änderung am Übergang von den 1980-er zu den 1990-er Jahren wurde für die hochalpine Wintertemperatur von MeteoSchweiz untersucht. Die schnelle Erwärmung war die Folge der Zunahme von hochdruckbestimmten warmluftbringenden Wetterlagen.
      Warum es zu dieser grossräumigen winterlichen Umstellung im Wetterlagenmuster bzw. im winterlichen Strömungsregime über Europa kam, bleibt allerdings ungeklärt. Für die anderen Perioden im Jahr gibt es noch keine vergleichbaren Studien von MeteoSchweiz.

      https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/service-und-publikationen/publikationen.subpage.html/de/data/publications/2015/4/milde-und-kalte-bergwinter.html

      Freundliche Grüsse

      MeteoSchweiz

  3. Baumgrenze, 10.06.2019, 08:34

    Als Gleitschirmpilot fällt mir auf, dass nun in höheren Lagen markant viele Jungbäume gedeihen wo vorher nur grass wuchs.
    Es wäre interessant zu wissen ob die Temperaturzunahme Auswirkungen auf den Wald und die Baumgrenze in den Alpen hat. Gibt es dazu eine Studie?

    1. MeteoSchweiz, 11.06.2019, 10:10

      Die Temperaturzunahme führt in der Schweiz zu einem Ansteigen der Waldgrenze, wobei neben der Temperatur weitere Faktoren das Aufkommen der Bäume beeinflussen. Untersuchungen dazu werden von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL erstellt https://www.wsl.ch/de.html

      Freundliche Grüsse, MeteoSchweiz

  4. Heinz, 09.06.2019, 18:31

    Das mag ja für Thal und Hügelzone stimmen aber über 1000 m ist sie deutlich verzögert. Ich konnte mit meinen Rindern erst eine Woche Später als im Schnitt auf die Sömmerungsweiden im Jura auf 1200 m. In den Hochalpen werden es sicher 14 Tage sein.