Hartnäckige Luftmassengrenze

12. Juni 2019, 15 Kommentare
Themen: Wetter

In diesem Blog beleuchten wir die kräftigen Niederschläge der zurückliegenden Nacht im Süden. Während tagsüber im Norden rasch kühlere Atlantikluft das Ruder übernahm, blieb in den Alpen und im Süden das Feuchteangebot grösser.

Ende Nachmittag an unserem Beobachtungsposten in Oberglatt. In der kühlen Atlantikluft bilden sich bei guter Fernsicht nur wenige harmlose Quellwolken. Bild: V. Hochuli
Ende Nachmittag an unserem Beobachtungsposten in Oberglatt. In der kühlen Atlantikluft bilden sich bei guter Fernsicht nur wenige harmlose Quellwolken. Bild: V. Hochuli

Kräftige gewittrige Niederschläge im Süden

Massgeblichen Anteil am heutigen Wettergeschehen hatte eine Luftmassengrenze, welche kühle Atlantikluft von feuchtwarmer und labiler Subtropikluft über dem östlichen Mitteleuropa trennte.

Bereits gestern Abend bzw. in der vergangenen Nacht bildeten sich südlich der Alpen in der labilen Subtropikluft wiederholt Schauer- und Gewitterzellen, die anschliessend mit der vorherrschenden südlichen Höhenströmung zur Alpenüberquerung ansetzten.

Als synoptischer Hauptakteur fungierte wie schon am Vortag ein Höhentief über Frankreich. Die Niederschlagsaktivierung erfolgte während der zurückliegenden Nacht durch einen an der Ostflanke des Höhentiefs nach Norden schwenkenden Teiltrog.

Die Hauptniederschlagsphase erstreckte sich über einen 12-stündigen Zeitraum bis um 9 UTC = 11 MESZ. Um den Splügenpass sowie im Bergell und stellenweise im Misox fielen 80 bis knapp 100 Liter Regen, welche gemäss Kantonspolizei Graubünden zu zahlreichen Behinderungen führten.

Vergrösserte Ansicht: Aus Radardaten und Bodenmessungen abgeleitete 12-stündige Niederschlagsmenge bis 9 UTC (11 MESZ).
Aus Radardaten und Bodenmessungen abgeleitete 12-stündige Niederschlagsmenge bis 9 UTC (11 MESZ).
MeteoSchweiz

An der unteren Moesa in Lumino donnerten am frühen Morgen vorübergehend knapp über 600 Kubikmeter Wasser pro Sekunde talwärts. Ein Blick in die Auswertung des BAFU zeigt, dass es sich hierbei um ein 100-jährliches Ereignis handelt.

Von West nach Ost zunehmend sonnig

Die eingangs erwähnte Luftmassengrenze zeigte sich heute Vormittag über dem äussersten Osten hartnäckiger als noch gestern vorhergesagt. Es wurde früher Nachmittag, bis die schauerartigen Niederschläge sich ins Engadin zurückzogen.

Mit der frischen Atlantikluft lockerte im Norden von West nach Ost die Bewölkung rasch auf. Bei guter Fernsicht zeigten sich in der Folge nur wenige harmlose Quellwolken am Himmel.

In den Alpen und im Süden war die Atmosphäre weiterhin feuchter und labiler, was sich vor allem über den Bergen mit teils dichten Quellwolken manifestierte. Im Verlauf des Nachmittages bildeten sich lokale Schauer, die kurzzeitig auch von Blitz und Donner begleitet waren.

Ein Blick auf die Tageshöchsttemperaturen illustriert eindrücklich die im Norden eingeflossene kühlere Atlantikluft: Während im Norden nur rund 20 Grad erreicht wurden, gab es im Süden mit rund 26 Grad einen Sommertag.

Vergrösserte Ansicht: Bis 15:30 UTC (17:30 MESZ) an ausgewählten SwissMetNet-Stationen erreichte Tageshöchsttemperatur.
Bis 15:30 UTC (17:30 MESZ) an ausgewählten SwissMetNet-Stationen erreichte Tageshöchsttemperatur.
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Kommentare (15)

  1. Stefan L., 13.06.2019, 16:24

    Sehr beachtliche Regenmengen! Müsste für die Region Nufenen/Berge des Nordwesttessins heissen ab einer Höhe von ca. 3000m: 3 Meter Neuschnee!! Kann man nur hoffen, dass in diesem Jahr die Gletscherschmelze tatsächlich mal gebremst wird - wohl aber auch nur, wenn es bis Ende August nicht erneute längere Hitzewellen mit einer Nullgradgrenze von +/- 4000m geben wird...

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  2. Henry, 13.06.2019, 05:52

    Letztes Jahr jammerten viele über das warme und trockene Wetter, jetzt über das kühle und nasse. Die Wetter spielt nicht verrückt, es gibt immer wieder grosse Schwankungen. Das ist seit Jahrhunderten so. Alles verläuft in einem sehr normalen Bereich, am besten ist es, wenn mans nimmt, wies kommt.

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  3. Thomas Breunig, 13.06.2019, 00:39

    Bei der Formulierung "Auswertung des BAFU zeigt, dass es sich hierbei um ein 100-jähriges Ereignis handelt" sollte das 100-jährige (dauert hundert Jahre lang) durch "100-jährliche" (im Mittel alle hundert Jahre) ersetzt werden.

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    1. MeteoSchweiz, 13.06.2019, 07:28

      Besten Dank für Ihren Hinweis. Wir haben den Artikel korrigiert.

  4. Mike, Basel, 12.06.2019, 22:50

    Seit dieses Tief über Westeuropa seine Runden dreht sind die Vorhersagen sehr ungenau. In der NW-Schweiz war es über Pfingsten deutlich kühler als es prognostiziert wurde. Alle paar Stunden waren die Niederschlagsprognosen völlig andere und es regnete dann wann es laut COSMO gar nicht regnen "sollte". Heute war es dafür deutlich sonniger und wärmer als es gestern noch angekündigt wurde, aber dieser Niederschlagsstreifen der im Moment über der Schweiz liegt, war gestern auch nicht zu sehen?! Die Temperaturprognose wollte für Basel heute als Tmax 15 °C. Geworden sind es 20°C. Am Wochenende sollte es eigentlich sehr warm werden. Die Prognosen für Basel sind aber nun in der Übersicht.

    Do
    sonnig 11° | 22°
    Fr
    teilweise sonnig 15° | 23°
    Sa
    Aufhellungen und gewitterhaft 16° | 21°
    So
    leicht bewölkt, einzelne Regenschauer 16° | 21°
    Mo
    wechselnd bewölkt 13° | 22°
    Das stimmt doch vorne und hinten nicht mehr. Wo sind denn auf einmal die 28 °C für Freitag hin?

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    1. Paul Sosef, 13.06.2019, 07:38

      In die Niederlanden ist es auch kuhl und nass.

    2. Meister, 13.06.2019, 18:21

      Ich habe in den letzten Monaten Ähnliches für die Region Schaffhausen vorgebracht. Besonders die Niederschlagsprognose trifft oftmals nicht zu. Merkwürdig auch, dass die zu erwartenden Regenmengen sehr oft von grossen Mengen stufenweise heruntergerechnet werden, je näher der Eintretenszeitpunkt kommt.
      Schade, dass die Prognoseverantwortlichen nicht auf Sie und mich eingehen und uns sagen, wo das Problem/die Herausforderung liegt. Ich denke, man dürfte das schon erwarten.

    3. Urs Imhof, 13.06.2019, 22:40

      Am Hochrhein entlang ist das selbe Phänomen zuerst viel Niederschlag anzeigen und immer weniger.
      Vor allem besteht in diversen Regionen am Rhein entlang das Phänomen

    4. Meister, 14.06.2019, 10:29

      Guten Tag
      Nun sind wir schon zu dritt und erwarten gerne eine Antwort.
      Besten Dank.

    5. MeteoSchweiz, 14.06.2019, 11:30

      Bei Schauern/Gewittern gibt es auf kleinem Raum oft grosse Unterschiede bezüglich Regenmengen. Es ist unmöglich Tage oder auch Stunden im Voraus vorherzusagen, wo die Niederschlagszellen exakt durchziehen werden. Hochaufgelöste Wettermodelle, die u.a. den Lokalprognosen der MeteoSchweiz zugrunde liegen, lassen Niederschläge mal da durchziehen, bei der nächsten Berechnung einige (oder viele...) km daneben. Schaut man also nur die Berechnungen für einen bestimmten Punkt an (Lokalprognose), wird die Prognose bei jeder neuen Berechnung sprunghaft ändern. Empfehlung: Neben der Lokalprognose jeweils auch den Wetterbericht konsultieren, bzw. auch flächige Niederschlagsprognosen beiziehen.

  5. Thomas, 12.06.2019, 22:39

    Mir würde gefallen, wenn die Einheiten klar beschrieben werden. "600 Kubikmeter kamen gedonnert" oder "300 Liter" sagt noch nichts aus. Es ist wohl pro Sekunde und pro Quadratmeter gemeint. Wäre es nicht sinnvoll, dies korrekt im Text zu schreiben?

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    1. MeteoSchweiz, 13.06.2019, 07:38

      Besten Dank für Ihren Hinweis, wir haben beim Abfluss die Einheit korrigiert.
      Zwecks besserer Lesbarkeit werden in unseren Blogs die Einheiten teils verkürzt bzw. in der umgangssprachlichen Variante angegeben. Wissenschaftlich korrekt ist natürlich Kubikmeter pro Sekunde bzw. Liter pro Quadratmeter.

  6. Martin Werder, 12.06.2019, 18:32

    Eine solche mehrtägige Gewitterphase habe ich in 7110 Peiden GR noch nie in mehr als 35 Jahren erlebt. Auch die dazugehörige Grosswetterlage passt so nicht ins Schema. Bisher dachte ich, dass wir hier bei einer "5B-Lage" Starkniederschläge haben. War die jetzt vergangene Grosswetterlage sehr verschieden von der 5B-Situation?

    Danke für die interessanten Erklärungen. Aber für mich als meteorologischen Laien sind solche Wettersituation schwer nachzuvollziehen.

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    1. Wolfgang, 12.06.2019, 23:21

      Geht mir auch so.
      Die Folge von Trögen und Höhentiefs scheint 2019 kein Ende zu nehmen.
      Und von sommerlichen Temperaturen ist bisher auch nicht viel zu spüren.
      Schließlich werden die Tage schon bald wieder kürzer...

    2. MeteoSchweiz, 13.06.2019, 13:13

      Massgeblich verantwortlich für die Grosswetterlage war das über längere Zeit nahezu ortsfeste Höhentief über Frankreich. Die Schweiz verblieb folglich über einen längeren Zeitraum auf dessen Vorderseite (oder Ostflanke) unter einer südlichen bis südwestlichen Höhenströmung. Entsprechend wurde über eine längere Zeitspanne labile und sehr feuchte Luft zur Schweiz geführt.
      Bei einer 5b-Wetterlage würde während der Verlagerung des Tiefs von der Poebene nordostwärts Richtung Tschechien/Slowakei auf der Alpennordseite vorübergehend eine nördliche Strömung aufkommen. Dies war während der zurückliegenden Tage nicht der Fall.