Höhentief über der Schweiz

22. Juni 2019, 14 Kommentare
Themen: Wetter

Das heutige Wetter wurde durch ein Höhentief über der Schweiz bestimmt. Dabei gab es vielerorts wiederholt Schauer und teils auch Gewitter bei Temperaturen zwischen 19 und 24 Grad.

Trübes und zeitweise nasses Wetter am Flughafen Zürich. Foto: M. Kägi

Das bei uns heute wetterbestimmende Höhentief hat sich gestern von der allgemeinen Strömung abgespalten und zog in der Folge Richtung Schweiz. Im Tagesverlauf überquerte es langsam die Schweiz, wobei der Kern des Höhentiefs knapp südlich an der Schweiz vorbeizog. Morgen zieht weiter Richtung Osten. Unter dem Höhentief war die Strömung nur schwach, aber die Luft war weiterhin feucht und labil geschichtet.

Vergrösserte Ansicht: Sonnenscheindauer bis 16:30 UTC am 22.6.2019 an ausgewählten Stationen.
Sonnenscheindauer bis 16:30 UTC am 22.6.2019 an ausgewählten Stationen.
MeteoSchweiz

Dabei war es heute besonders in der Deutschschweiz und im Nordtessin meist stark bewölkt, einzig in der Region Bern und stellenweise auch in der Ostschweiz konnten ein paar Sonnenstrahlen registriert werden. Im Gegensatz dazu war es in der Westschweiz, im Wallis und im Mittel- und Südtessin bei veränderlicher Bewölkung zeitweise sonnig. Dabei regte in der Westschweiz wahrscheinlich vor allem die Sonneneinstrahlung die Konvektion an und so konnten sich in der Genferseeregion sowie über dem Jura einige Gewitter bilden.

Vergrösserte Ansicht: Radiosondierung von Payerne vom 22.6.2019 um 12 Uhr UTC. Die rote Linie zeigt die Temperatur in den verschiedenen Höhen und die blaue den Taupunkt. Die Atmosphäre war heute erneut labil geschichtet und auch in den unteren Schichten ziemlich feucht. Anhand der violetten Linie wird ein potentieller Aufstieg eines „Luftpakets“ beschrieben. Ausführliche Erklärung im Text.
Radiosondierung von Payerne vom 22.6.2019 um 12 Uhr UTC. Die rote Linie zeigt die Temperatur in den verschiedenen Höhen und die blaue den Taupunkt. Die Atmosphäre war heute erneut labil geschichtet und auch in den unteren Schichten ziemlich feucht. Anhand der violetten Linie wird ein potentieller Aufstieg eines „Luftpakets“ beschrieben. Ausführliche Erklärung im Text.
MeteoSchweiz

Diejenigen „Luftpakete“, die aufgrund eines sogenannten „Triggers“ (einem Auslösemechanismus z.B. Orografie im Jura) anfingen zu steigen und dabei das Hebungskondensationsniveau erreichten (lifting condensation level), waren ab diesem Punkt gesättigt (Taupunkt=Temperatur). Steigt das „Luftpaket“ in der Folge weiter, bildet sich eine Wolke und da die Luftmasse heute labil geschichtet war, konnte die Wolke immer weiter steigen und eine Gewitterwolke bilden, wie dies in der Westschweiz der Fall war. Erst, wenn die violette Linie die rote Temperaturlinie erreicht (in diesem Fall die Tropopause), kann die Wolke nicht mehr weitersteigen und breitet sich seitlich aus, d.h. es bildet sich ein Amboss, wie im Bild von E. Müller schön zu sehen ist.

Auf der Alpensüdseite bildeten sich bereits in den Morgenstunden teils kräftige Gewitter, die auf der Vorderseite des erwähnten Höhentiefs ausgelöst wurden. Dabei  gab es im Südtessin lokal rund 30 mm Niederschlag. Im Laufe des Vormittags schwächten sich die Niederschläge im Süden ab und zogen um das Höhentief herum Richtung Alpennordseite, wo sich die Schaueraktivität vor allem in der Zentral- und Ostschweiz gegen Mittag intensivierte. Vereinzelt gab es auch Gewitter, wie beispielsweise in Schaffhausen bei Hallau. Die Gewitteraktivität in der Zentral- und Ostschweiz war vermutlich aufgrund der fehlenden Sonneneinstrahlung und eines fehlenden Hebungsantriebs in der Höhe geringer.

Die Temperaturen waren heute mit 19 bis 21 Grad im zentralen und östlichen Flachland ziemlich verhalten. Im Rheintal wurden mit 1 bis 3, in der Westschweiz und im Tessin mit 2 bis 5 Sonnenstunden (bis 16:30 Uhr UTC) Temperaturen zwischen  21 und knapp 24 Grad registriert. Einzig  in Sion wurde heute mit 25.1 Grad ein Sommertag registriert.

Vergrösserte Ansicht: Temperaturhöchstwerte am 22.6.2019 an ausgewählten Stationen.
Temperaturhöchstwerte am 22.6.2019 an ausgewählten Stationen.
MeteoSchweiz

Woher kommt die Luft nächsten Mittwoch?

Morgen Sonntag werden die Temperaturen auf sommerliche und ab Montag dann auf hochsommerliche Werte  steigen. Ein Höhenrücken baut sich auf und sorgt nächste Woche für sonniges und sehr heisses Wetter. Bei einem Blick in die Modellwelt lässt sich anhand von Trajektorien ausrechnen, woher die Luft während der bevorstehenden Hitzewelle kommt. Am nächsten Mittwoch (26.6.2019) erreicht uns in der Höhe (700 hPa) voraussichtlich sehr warme Saharaluft aus Algerien bzw. in 500 hPa aus der Grenzregion zwischen Marokko und Algerien.

Vergrösserte Ansicht: Die Rückwärtstrajektorien zeigen den Weg der Luft, die am Mittwoch 26.6.2019 um 15 Uhr UTC in Leibstadt (d.h. im Mittelland der Alpennordseite) in verschiedenen Höhen ankommen wird. Dargestellt ist der Weg über die vergangenen 72 Stunden. Die Trajektorien wurden mit dem IFS-Modell des ECMWFs berechnet.
Die Rückwärtstrajektorien zeigen den Weg der Luft, die am Mittwoch 26.6.2019 um 15 Uhr UTC in Leibstadt (d.h. im Mittelland der Alpennordseite) in verschiedenen Höhen ankommen wird. Dargestellt ist der Weg über die vergangenen 72 Stunden. Die Trajektorien wurden mit dem IFS-Modell des ECMWFs berechnet.

In Bodennähe dagegen erwarten die Modellunterlagen eine schwache Bisenströmung. Mit der südwestlichen Höhenströmung dürfte nächste Woche auch Saharastaub nach Mitteleuropa transportiert werden.

Vergrösserte Ansicht: Grafik des Skiron Modells der Universität von Athen. Je rotbrauner der Farbton, desto mehr Staub ist in der Luft enthalten. Der Bildausschnitt zeigt die Situation am Mittwoch, 26.6.2019, um 12 Uhr UTC.
Grafik des Skiron Modells der Universität von Athen. Je rotbrauner der Farbton, desto mehr Staub ist in der Luft enthalten. Der Bildausschnitt zeigt die Situation am Mittwoch, 26.6.2019, um 12 Uhr UTC.
Universität von Athen, Griechenland

Kommentare (14)

  1. MeteoSchweiz, 23.06.2019, 23:09

    Das Nationale Beobachtungsnetz für Luftfremdstoffe (NABEL) https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/luft/zustand/daten/luftbelastung--aktuelle-daten/ozonkarte.html sowie kantonale und städtische Messnetze geben Auskunft über die aktuelle Belastung durch Ozon. Innerschweiz: https://in-luft.ch/
    Ostschweiz: https://www.ostluft.ch/index.php?id=aktuelle-luftqualitaet#messgroesse=0e9b81d7-e20d-483a-adb1-21ab4cbd0e75
    AG/BE/BL/BS/SO/JU: https://www.luft-bs-so.ch/

  2. Andreas Günther, 23.06.2019, 17:41

    Guten Tag

    In den nächsten Tagen würden mich sehr die Ozonwerte interessieren. Sind Sie auch für diese Messungen zuständig?

    MfG Andreas Günther

  3. andrej, 23.06.2019, 16:14

    37 grad am kommenden Donnerstag.. Ist das wirklich eine realistische Prognose? Das erscheint mir etwas übertrieben....

    1. Urs Imhof, 23.06.2019, 16:59

      Das ist realistisch da es je nach Region solche Hotspots gibt.
      Sehr gute Chancen für solche Temperaturen haben: Genf, Wallis,Tessin, Region Basel und das untere Aaretal im Aargau.
      Es kann sein das ich eine Region vergessen habe oder zuviel aufgeschrieben habe
      Im übrigen wurde im Jahr 2015 im unteren Aaretal im Aargau von einem privaten Wetterdienst sagenhafte 37.5 Grad Celsius gemessen.

  4. Wolfgang, 23.06.2019, 09:32

    Das Bild von E. Müller ist wirklich beeindruckend. Genau zum richtigen Moment am richtigen Ort. Danke fürs Zeigen. 😃

  5. Peter Sager, 23.06.2019, 08:49

    Der Sonnenstand geht nun schon 3 Tage wieder Richtung Süden. Noch 3 Alpenpässe haben Wintersperre bis mind. 25 Juni ev. anfangs Juli.
    Auf dem 1800 Meter hohem Hoch-Ybring immer noch Schneefelder bis 1600 Meter runter, ende Juni 2019. Ich denke das ist sicher ein Rekord.
    https://www.hoch-ybrig.ch/winter/gebiet/webcams/
    Nun kommt die Hitzewelle bis 35 Grad und wird aus Schnee viel Wasser machen.
    Danke für die spannenden täglichen Berichte, ich freue mich immer darauf nach einen langen Tag mit Kindern oder bei der Arbeit.

  6. Richard, 23.06.2019, 03:00

    Höhentief ist ein Widerspruch in sich, entweder hoch oder tief... Tiefhoch gibt es auch nicht oder?

    1. MeteoSchweiz, 23.06.2019, 03:56

      Als Höhentief bezeichnet man ein Tief in höheren Luftschichten (bspw. wie in obiger Animation dargestellt auf 700 hPa oder noch höher). Auf der Bodenwetterkarte sind diese Höhentiefs meist nicht oder nur schwer nachweisbar (deshalb Höhentief).

    2. M. Bucher, 23.06.2019, 14:25

      Ein Blogartikel, wie ein Höhentief entsteht, wäre sehr interessant.

    3. MeteoSchweiz, 23.06.2019, 16:25

      Danke für Ihren Vorschlag.
      Über sogenannte Höhentiefs haben wir schon mehrere Blogartikel veröffentlicht.
      Hier eine Auswahl von einigen interessanten Beispielen:

      Mitten im Höhentief
      https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/suche.subpage.html/de/data/blogs/2017/9/mitten-im-hoeehentief.html?query=Hoehentief&topic=0&pageIndex=0&tab=search_tab


      Höhentief bringt trockenere Luft
      https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/suche.subpage.html/de/data/blogs/2016/10/hoehentief-bringt-voruebergehend-trockenere-luft.html?query=Hoehentief&topic=0&pageIndex=0&tab=search_tab

    4. Manuel, 24.06.2019, 00:56

      Kann man ein Höhentief grundsätzlich mit einem Kaltlufttropfen gleichsetzen?

  7. Baur, 23.06.2019, 02:06

    Vermutlich muss MeteoSchweiz sogar die höchste Warnstufe 4 der bevorstehenden Hitzewelle ausrufen da die kommende Hitzewelle mindestens 5, wenn nicht gar 6-7 Tage andauert und der Heat Index über 93 liegen wird. Das bei Temperaturen von mehr als 35 Grad, lokal (Basel) wohl bis 39 Grad. Schlimm.

    1. Ulrich, 23.06.2019, 16:28

      Habe viele Jahre in sehr heißer Gegend gelebt.Am besten schützt man sich vor Hitze indem man fleischlos isst.Keinen Alkohol trinkt und so wenig wie möglich in der Sonne verweilt.DieAraber trinken heißen Tee der sie zum schwitzen bringt und den Körper abkühlt. Die. Hitze ist vor allem ein mentales Problem.Denkt man nicht daran ist alles halb so schlimm

    2. Wolfgang, 23.06.2019, 23:16

      @Ulrich:So schaut’s aus.