Vor der grossen Hitze

23. Juni 2019, 14 Kommentare
Themen: Wetter

Das Höhentief, das am Samstag – und stellenweise auch noch in der Nacht zum Sonntag – Regen gebracht hatte, ist nun Richtung Balkan abgezogen. Dahinter weitete sich von Westen her ein Hoch Richtung Mittteleuropa aus, das sich in den kommenden Tagen verstärken und uns sehr heisses Hochsommerwetter bringen wird.

Aus Südwesten gelangt heisse Luft zur Schweiz
Aus Südwesten gelangt heisse Luft zur Schweiz

Am Sonntagmorgen noch letzter Regen

Das Höhentief brachte am frühen Sonntagmorgen in den östlichen Landesteilen stellenweise letzten Regen, und am Morgen hatte es auch noch teils ausgedehnte Wolkenfelder. Bei Tagesanbruch war es dann aber überall trocken und im Laufe des Morgens löste sich auch die Bewölkung auf, bzw. sie wandelte sich in flache Quellwolken um und man konnte einen sonnigen Sonntag geniessen.

Vergrösserte Ansicht: Am Samstag (links) war der Ausblick von Adelboden BE noch grau, am Sonntag (rechts) war dann der Blick frei Richtung Wildstrubel. Bilder: Ch. Schmutz
Am Samstag (links) war der Ausblick von Adelboden BE noch grau, am Sonntag (rechts) war dann der Blick frei Richtung Wildstrubel. Bilder: Ch. Schmutz

Sommerliche Temperatur

Vergrösserte Ansicht: Unterwegs vom Wassberg zum Greifensee ZH. Bild: M. Kasper
Unterwegs vom Wassberg zum Greifensee ZH. Bild: M. Kasper

Nachdem die Höchsttemperatur am Vortag lediglich bei 20 bis 23 Grad gelegen hatte, erreichte sie am Sonntag nun verbreitet 26, im Wallis und im Süden bis 29 Grad.

Hitzewarnung der MeteoSchweiz

Das Hoch über Mittel- und Südeuropa verstärkt sich nun weiter und aus Südwesten gelangt zunehmend heissere, zur Wochenmitte sehr heisse Luft zur Schweiz. Am Montag steigen die Temperaturen über 30, am Dienstag dann stellenweise schon über 35 Grad. Am Mittwoch und Donnerstag liegen die Höchstwerte gemäss den aktuellen Prognosen verbreitet über 35 Grad.

In untenstehender Tabelle sind die bisherigen Rekord-Temperaturen der langjährigen Messreihen von ausgewählten MeteoSchweiz-Messstationen aufgelistet, jeweils mit zugehörigem Datum. Ganz rechts sind die höchsten vorhergesagten Temperaturen für kommenden Mittwoch und Donnerstag ersichtlich (die Vorhersage basiert auf den Prognose-Unterlagen von Sonntag, 23. Juni 2019 um 18 Uhr).

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Wie sich die Hitze anfühlt, ist neben der Lufttemperatur auch von der Feuchtigkeit abhängig. Bei geringerer Luftfeuchtigkeit ist die Hitze besser erträglich als bei hoher Feuchte. Da die relative Luftfeuchtigkeit in den nächsten Tagen im Bereich von 25 bis 40 % liegen wird, wird die Warnschwelle für eine Hitzewelle beidseits der Alpen überschritten.

MeteoSchweiz hat deshalb eine Hitzewarnung ausgegeben. Alle Details zur Warnung inkl. Verhaltensempfehlungen sind stets aufdatiert hier zu finden.

Wie lange dauert die Hitzewelle?

Dass es in den kommenden Tagen heiss wird, ist klar. Noch mit gewissen Unsicherheiten behaftet sind einerseits die exakten Temperaturen, aber auch wie lange die Hitzewelle andauern wird.

Als Referenzgrösse für die Temperatur ziehen die Meteorologen in der Regel die sog. 850hPa Temperatur zu Rate, also die Temperatur in rund 1500 bis 1600 Metern Höhe. Sie beeinflusst auch die Temperatur am Erdboden. In untenstehender Grafik ist die Vorhersage des Europäischen Wettermodells IFS des Europäischen Zentrums für Mittelfrist-Vorhersage in Reading GB abgebildet.

Vergrösserte Ansicht: Vorhersage der Temperatur in 850 hPa. Erklärungen im Text. Quelle: ECMWF
Vorhersage der Temperatur in 850 hPa. Erklärungen im Text. Quelle: ECMWF

Aufgetragen ist nicht nur eine Berechnung, sondern eine Schar von 50 Modellen. Ohne in die Details der Grafik zu gehen: Man sieht, dass das Maximum der Temperatur zwischen Dienstag und Donnerstag zu erwarten ist. Danach geht die Temperatur gemäss einigen Modellberechnungen eher etwas zurück – es besteht aber noch eine gewisse Unsicherheit für die zweite Wochenhälfte. Aber auch mit dem Temperaturrückgang wäre es immer noch heiss, die prognostizierten Temperaturen in den Niederungen liegen trotzdem noch über 30 Grad.

Wir verfolgen die Entwicklung natürlich in den kommenden Tagen und Sie finden die stets aufdatierten Prognosen und Warnungen wie gewohnt auf unserer Webseite und App.

Vergrösserte Ansicht: Abkühlung bietet in den nächsten Tagen vielleicht ein Bergsee. Hier das Sihlseeli (1825 m ü.M.) im Sihltal SZ, mit Blick zum Saaspass.
Abkühlung bietet in den nächsten Tagen vielleicht ein Bergsee. Hier das Sihlseeli (1825 m ü.M.) im Sihltal SZ, mit Blick zum Saaspass.
Bild: D. Gerstgrasser

Kommentare (14)

  1. Chorsängerin, 24.06.2019, 12:14

    Also, wenn ich unter der Hitze stöhne, dann schaue ich mir das wunderbare Foto vom kühlen Siehlseeli an. Wobei der Schnee jetzt auch verschwinden wird.

  2. Dieter Stuckenbrock, Karlsruhe, 24.06.2019, 11:01

    Grüezi mittenand,

    ob die "Klimakatastrophe" menschengemacht ist oder nicht: Wenn es die Menschen dazu bringt, sorgsamer mit der Umwelt umzugehen, dann rede man davon. Allerdings sehe ich da z.Zt. noch nicht so sehr viel Bewustseinswandel.

    Mein Hauptanliegen: Ich habe gehört, dass die Alpen irgendwann im Mittelalter fast komplett eisfrei gewesen sein sollen. Stimmt das?

    Danke!

    1. Roger, 24.06.2019, 13:12

      Da war doch noch...
      http://www.uni-mainz.de/presse/52594.php

      Eisfrei, glaub nicht ganz, aber die Gletscher waren schon kleiner als heute.

    2. Alfred Gertsch, 24.06.2019, 23:38

      Ich habe gelesen, dass im 11. bis 14. Jahrhundert enorm viele Kirchen und weitere Gebäude gebaut wurden.
      Das war die Zeit des Hochmittelalters mit starker Urbanisierung.
      Da wurden mit der Binnenrodung enorm viel Holz abgeholzt verbaut und vermutlich vor allem verbrannnt.
      Europa hatte ursprünglich im Vergleich zu heute ca. 8-9x mehr Wald. Die weltweite Waldfläche war mindestens 2x so gross wie früher. Quelle WWF.
      Weltweit lebten nur etwa 400 Mio Menschen. Eine Klimaverschlechterung im 14. Jhdt. die Inquisition und Naturkatastrophen machten das Leben nicht leichter. Die Erde wurde plötzlich rund und Amerika entdeckt.
      Kann es nicht sein, dass diese Rodungen etwas mit der Klimaerwärmung im 13. Jhdt. zu tun haben?
      Und dann durch Vulkanausbrüche oder andere Mechanismen wiederum eine Kühlung erfolgte?

    3. MeteoSchweiz, 25.06.2019, 10:50

      Guten Tag Herr Stuckenbrock

      Nach den aktuellen Befunden waren die Alpen vor allem zur Römerzeit deutlich weniger vergletschert als heute. Die kleinsten Gletscherstände fallen nach heutiger Kenntnis in die Phase 7300 bis
      6800 Jahre vor heute. Damals waren die meisten Alpengletscher überhaupt verschwunden oder nur noch als Restbestände vorhanden.

      http://www.alpinfo.ch/fileadmin/user_upload/alpinfoch/Forschung/Projekte/Klimaentwicklung/Die_Alpen_6-2004.pdf


      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  3. Baur, 24.06.2019, 02:11

    Es werden Mitte Woche wohl viele Allzeit Rekorde der höchsten je gemessenen Temperaturen in der Schweiz purzeln. Die Ausdehnung der Suptropenzone Richtung Norden trifft logischerweise zuerst die Schweiz, Norddeutschland oder Skandinavien erst in einigen Jahren. Nur den Herstellern von Klimaanlagen winkt eine goldene Zukunft...für den Rest sehe ich schwarz...

    1. Albrecht, 24.06.2019, 09:53

      Ich bin aus Ravensburg, nähe Bodensee.
      Auf ihren Aufzeichnungen sehe ich, dass es im Jahre 1920 / 1921 in Basel / Luzern im Juni / Juli bereits über 38 Grad gegeben hat. Also vor der allgemein angenommenen Klimaerwärmung. Nun Klimaveränderungen hat es bereits im Mittelalter um 1300 gegeben. Damals war es um Ravensburg so warm, dass tropische Pflanzen und Weinbau ihre Blüte hatten. Genauso Kälteeinbrüche, eine kleine Eiszeit so um 1800. [*** Blogkommentar wegen Verstoss gegen die Netiquette gekürzt ***]

    2. Andrej, 24.06.2019, 11:25

      Natürlich gab es schon immer Klimaschwankungen, nur nicht in diesem Ausmasse und in so kurzer Zeit.
      Der Klimawandel ist eigentlich weltweit anerkannt und erforscht, solche fakten zu ignorieren ist etwas.... naja

    3. Laederach, 24.06.2019, 11:59

      Der Begriff Suptropisch bezieht sich auf warm-gemässigte wie auch auf gemässigte Zonen die sehr heterogen sind. Sommertemparaturen bis 40 Grad aber auch Wintertemparaturen bis zu -10 Grad sind möglich. Ein Blick auf die Tabelle der Messstationen zeigt: die Schweiz befindet sich schon seit längerer Zeit in der suptropischen Zone. Zwischen 2003 und 2015 gab es keine Hitzerekorde, hier würde sogar „gemässigte Zone“ zutreffen. Ohne die Erwärmung der Erdatmosphäre in Abrede zu stellen, Schwarzmalerei und Resignation helfen nicht weiter. Eine Anpassung unserer Lebensweise an die neuen Verhältnisse ist notwendig. Es kann ja nicht sein dass die Mitteleuropäer als Hauptverursacher der Klimaerwärmung bzw. der industriellen Revolution mit einem angenehmen Klima privilegiert sind.

    4. Nicolas Jenny, 24.06.2019, 13:17

      Mich würde interessieren was Herrn Bauer denn so schwarz sieht. Schaut man zurück in der Geschichte der Menschheit erkennt man dass es uns in den warmen Zeiten immer besser ergangen ist als in den kalten.

  4. andrej, 24.06.2019, 01:00

    Also ein Bergsee voller Eis könnte ev. tatsächlich etwas Abkühlung verschafen :D

    Brrr

  5. Michael Weiss, 23.06.2019, 21:47

    Wenn für die kommenden Tage teilweise die höchsten Temperaturen seit Messbeginn prognostiziert werden, warum beträgt dann die Gefahrenstufe lediglich 3 (auf einer Skala von 1 bis 5)?

    1. MeteoSchweiz, 23.06.2019, 22:20

      Wie im Blog schon erwähnt, wird die Entwicklung laufend neu beurteilt. Die Hitzewarnung bezieht sich nicht nur auf die Temperaturentwicklung, sondern auch auf den Verlauf der Luftfeuchtigkeit. Tatsächlich sind wir gebietsweise nahe an einer Stufe 4 Warnung. Hitzewarnungen werden nur für die Stufen 3 und 4 ausgegeben.

    2. mrtraveller, 23.06.2019, 22:45

      Ich denke, die herausgegebene Warnung hängt nicht davon ab, ob Rekorde geknackt werden könnten oder nicht. Es geht mehr darum, wie sehr unser Alltagsleben von der Hitze beeinträchtigt werden könnte. Das ist neben der Temperatur vor allem von der Luftfeuchte abhängig. Ob es nun jemals schon so heiss war oder nicht, spielt dann ja keine grosse Rolle.
      Und übrigens geht die Skala für Hitzewellen nur von 1 bis 4.