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Unruhige Gewitternacht

2. Juli 2019, 22 Kommentare
Themen: Wetter

Im heutigen Blog schauen wir zurück auf die nächtlichen Gewitter und die Hitzewelle der vergangenen Woche.

Gewitterstimmung über dem Zürichsee. Foto: Matthias Sänger
Gewitterstimmung über dem Zürichsee. Foto: Matthias Sänger

Zugegeben, die ganz grossen Unwetter blieben aus oder beschränkten sich auf einzelne Regionen. Dennoch war es eine bemerkenswerte Gewitternacht, welche die einwöchige Hitzewelle beendete. Bemerkenswert unter anderem auch deshalb, weil der Wetterablauf recht chaotisch war und schwierig zu interpretieren ist. Der Einfachheit starten wir mit Radar- und Blitzanimationen: 

Radaranimation der Gewitternacht von Montagabend 1. bis Dienstagmorgen 2. Juli 2019

In einer ersten Phase bildeten sich am Montagabend erste Gewitter am Jurasüdfuss, wenig später im Berner Oberland und in der Romandie. Gegen Mitternacht folgten weitere Gewitterentwicklungen in den zentralen und östlichen Landesteilen, mit Schwerpunkt in den Voralpen und in Teilen des Flachlands. Von den Gewittern verschont blieb die Nordwestschweiz sowie weite Teile Graubündens.

Animation der Blitzortungen im selben Zeitraum. Plus- und Minuszeichen sind positive bzw. negative Wolken-Bodenblitze, Blitze innerhalb der Wolken sind mit einem "x" dargestellt. Die Zeit der Blitzortung ist farbcodiert.

Die stärksten Gewitterzellen waren auch von Hagel begleitet, wie die folgende Karte zeigt, welche die Crowd-Meldungen von unseren App-Nutzern darstellt:

Passend zum hohen Wassergehalt der Luft erreichten die Niederschläge örtlich hohe Intensitätswerte. In Wädenswil fielen gut 20 mm Niederschlag in 10 Minuten, was dem zweithöchsten Messwert in der bis 1982 zurückreichenden Messreihe entspricht. Die Stundensumme von 40 mm ordnet sich auf Platz vier in der Hitliste ein und entspricht einem Ereignis mit einer Wiederkehrperiode von knapp 20 Jahren.

Ein eindrückliches Video vom nächtlichen Gewitterregen in Wädenswil ist in unserem dazugehörigen Tweet als Kommentar eingegangen und hier verlinkt.

Die Windspitzen waren mit 50 bis 80 km/h (SwissMetNet, automatisches Messnetz der MeteoSchweiz) in den Niederungen der Deutschschweiz nicht speziell hoch. In der Westschweiz wurden 60 bis 90 km/h, auf den Gipfelstationen der Alpen vereinzelt 100 bis 120 km/h gemessen.

In der zweiten Nachthälfte liess die Gewitteraktivität nach, die letzte Gewitterzelle war in den frühen Morgenstunden in Teilen der Kantone Aargau, Luzern, Zürich und Glarus unterwegs. Ansonsten lockerte die Bewölkung von West nach Ost sukzessive auf.

Wetterberuhigung heute Dienstag

Die Schweiz lag heute mitten in einer Luftmassengrenze, die sich von Südfrankreich über den Alpenbogen und die Karpaten ostwärts bis zur Ukraine erstreckte.

In den nördlichen Landesteilen floss im Vergleich mit dem Vortag weniger heisse, trockenere und somit stabiler geschichtete Luft ein. Hier schien mehrheitlich die Sonne zwischen den harmlosen Schönwetter-Quellwolken hindurch.

Vom westlichen Jurabogen über das Wallis und Tessin bis nach Südbünden, wo noch die alte Luftmasse mit höherem Energiegehalt liegt, bildeten sich immer wieder Schauer und vereinzelte Gewitter.

Rückblick Hitzewelle auf der Alpennordseite

Mit der Gewitterstörung und der eingeflossenen frischen Luft ist auch die erste längere Hitzewelle dieses Jahres zu Ende gegangen.

Nimmt man die Tages-Höchsttemperatur und den üblichen Schwellwert von 30°C als Metrik für einen Hitzetag so ordnet sich die soeben zu Ende gegangene 7-tägige Hitzewelle in den meisten Gebieten als eine der 5 bis 10 intensivsten in die langen Messreihen ein.

Intensive anhaltende Hitzeperioden über eine Woche sind in den letzten Jahrzehnten häufiger geworden. In Regionen, die immer wieder davon betroffen waren, wie zum Beispiel der Westschweiz, folgen sie sich heute in kürzeren Zeitabständen. Regionen, die in der Vergangenheit kaum solche Hitzeperioden registrierten, müssen auch heute mehr oder weniger regelmässig damit rechnen.

Das heutzutage häufigere Auftreten von Hitzewellen ist eines der ganz klaren Signale der laufenden Klimaänderung. Die ans Mittelmeer angrenzenden Grossregionen Europas, und damit auch die Schweiz, sind weltweit von einer der stärksten Zunahmen von Hitzeextremen betroffen. Dieser Trend lässt sich bereits in den vergangenen Jahrzehnten beobachten und wird sich sehr wahrscheinlich auch in Zukunft fortsetzen (Quelle: CH2018: Klimaszenarien für die Schweiz).

Auf der Alpensüdseite dauerte die Hitzewelle heute noch einen weiteren Tag an. Die Temperatur stieg bis Redaktionsschluss um 1700 Uhr in den Niederungen des Tessins und Südbündens erneut auf heisse 30 bis 33 Grad. Im Norden wurden noch Höchstwerte von 23 bis 29 Grad erreicht.

Kommentare (22)

  1. Simon Peters, 03.07.2019, 17:40

    Kann mir jemand Erklären weshalb die Wassertemperaturen stärker steigen als während den richtig heissen Tage letzte Woche? Der Rhein kühlte sich zum Beispiel kaum mehr ab die letzte Nacht?

    1. MeteoSchweiz, 03.07.2019, 21:14

      Die Rheinwassertemperatur, insbesondere im Hochrheinabschnitt Stein am Rhein bis Schaffhausen, hängt auf kurzer Zeitskala stark von der Windrichtung und -Intensität am Untersee ab.
      Während der Hitzewelle hat sich die Seewasser-Temperatur grundsätzlich stetig erhöht und sozusagen ein grosszügiges Warmwasser-Reservoir gebildet. Zeitweise wehte der Westwind, wobei ein Teil des warmen Oberflächenwassers im See zurückgehalten wurde (29.06. bis 01.07., stagnierende Wassertemperatur in diesem Abschnitt). Ein Anteil des Rheinwasser stammt in diesem Fall aus tieferen Seewasser-Schichten, welche am Seeausfluss in Eschenz emporquellen.
      Gestern am 2. Juli kehrte der Wind: Die Bise schob nun das warme Oberflächenwasser vom See westwärts in den Rhein. Das Emporquellen von kaltem Tiefenwasser wurde reduziert. Die Rheinwasser-Temperatur erhöhte sich in dieser Zeit um fast zwei Grad.
      Weiter Fluss-abwärts tritt dieses Verhalten nur noch gedämpft in Erscheinung: An den Stationen Rekingen, Rheinfelden und Basel nimmt der Einfluss der Zuflüsse mittlerer und grosser Gewässer aus dem Schweizer Mittelland und dem Süden Baden-Württembergs mit ihrer laufend akkumulierter Wirkung bzgl. Wassertemperatur zu. Diese wiederum waren in den vergangenen Tagen oft geprägt von lokal bis regional aktiven Gewittern, welche kurzzeitig eine Abkühlung des Wassers bewirken.
      Als dritter Effekt ist an allen Stationen ein gewisser Tagesgang erkennbar.
      http://hydrodaten.admin.ch ; http://hydrodaten.tg.ch

    2. Simon Peters, 03.07.2019, 21:38

      Wow, danke für die mega ausführliche Antwort!

  2. Urs Imhof, 03.07.2019, 14:04

    Ab sofort schweige ich über unsere Region.
    Akzeptiere alles auch wenn etwas falsch ist.

    1. Urs, 03.07.2019, 15:28

      Das Wetter ist nunmal ein komplexes System, zu erwarten das eine exakte Vorhersage realistisch ist, führt höchstens zu Entäuschungen. Auch über alle Phänomene, Gebiete und Anomalien einzeln zu berichten ist wohl kaum möglich.

    2. Wolfgang, 03.07.2019, 22:24

      Würde ich nicht. Das ist doch hier auch nur ein virtueller Stammtisch und die einzigen die Ahnung haben sind die Meteorologen von MeteoSwiss.

  3. Timo Kleger, 03.07.2019, 07:49

    Interessant fände ich die Station Sitten, dort gab es fast 7 Tage über 35 Grad. Liegt dort die Hitzewelle weiter vorne in der Platzierung?
    Vielen Dank für eine Antwort.

  4. F. Schäfer, 02.07.2019, 23:11

    Also in Steinerberg SZ gabs auch Hagel 2mm-3mm. Und in Zug hats einige Unterführungen Überschwemmt.

  5. arnold, 02.07.2019, 22:43

    Die Graphik über die intensivsten 7-Tage-Hitzeperioden täuscht und vermittelt ein falsches Bild: Bei den sog. Temperatursäulen fehlen die unteren 30 Grad! Fürs Auge machts wirklich einen Unterschied!

    1. weather leap-frog, 02.07.2019, 23:31

      wieso die unteren dreissig grad? ist doch arbiträr; absolut fehlen die unteren 303 K aber dann würde die grafik ja kaum sinn machen...

  6. oliver, 02.07.2019, 22:03

    Mich würde es interessieren warum es in der Nacht auf Dienstag in der nordwestschweiz keine Gewitter gab und es auch heute schwül war

  7. Küttel, 02.07.2019, 21:59

    Das mit den Animationen funktioniert bei meinem iPhone 5 einfach nicht. Warum?

    1. MeteoSchweiz, 02.07.2019, 22:59

      Bitte nehmen sie mit unserem Kundendienst Kontakt auf, dort kann man Ihnen sicher weiterhelfen. Die Kontaktdaten finden Sie auf unserer Homepage.

  8. Stefan, 02.07.2019, 18:55

    Und wie sah es heute Wetter- und Klimatechnisch in der wichtigsten Stadt der Schweiz, Zurzach, aus?

    1. Gwundernase, 03.07.2019, 18:12

      Das wollen Sie nicht wirklich wissen, oder? 😄

    2. Doris, 03.07.2019, 19:41

      😂🤣😅

  9. Simon Locher, 02.07.2019, 18:01

    Bei uns hatte es knapp 30° heute bei Baden AG
    29.9 gemessen um 16 Uhr

  10. L. B., 02.07.2019, 17:17

    Echt super Blog! Danke!

  11. Richi, 02.07.2019, 17:16

    ich freute mich heute auf angenehme 25 grad.
    Nun ist schon wieder 28 grad und sehr schwül.schon gestern war es 3 grad wärmer als gemeldet!

    1. Esther, 02.07.2019, 23:02

      Ich kann mich nicht erinnern, dass die örtliche Temperaturprognose mal gestimmt hätte. Die wirkliche Temperatur ist immer höher. Weshalb das so ist ... das weiss nur MeteoSchweiz.

    2. S. Cepticus, 03.07.2019, 07:58

      Euch ist schon bekannt, dass die Lokalprognosen von einem Algorithmus berechnet werden und jeweils eine ungefähre Bandbreite der Temperaturen angegeben wird? Für meinen Wohnort sind heute gegen 16 Uhr beispielsweise 25 Grad im Mittel zu erwarten. Die Bandbreite reicht jedoch von möglichen 23.5 bis 27 Grad. Somit ist es also wenig verwunderlich, wenn die schlussendlichen Temperaturen nicht genau entlang der prognostizierten mittleren Temperaturkurve verlaufen.

    3. Heinz F., 03.07.2019, 08:32

      In Basel war es gerade umgekehrt. Während der heissen Tage der letzten Woche lagen die effektiv in Binningen gemessenen Temperaturen ca. 4 Grad unter den vorausgesagten.