Eher kühle Bise im Mittelland

21. August 2019, 18 Kommentare
Themen: Wetter

Am Südrand eines Hochs, welches vom nahen Atlantik über Mitteleuropa bis nach Polen reicht, stellte sich heute auf der Alpennordseite eine kühle Bisenströmung ein. Sie sorgte dafür, dass die Temperaturen trotz einige Stunden Sonnenschein die 20 Grad-Marke vielerorts nur unwesentlich überschritt. Den Voralpen entlang, insbesondere im Obwaldnerland und im Entlebuch liess der sogenannte Bisenstau nicht lange auf sich warten. Hier zeigte sich die Sonne nicht oder bloss an wenigen Minuten, und die hochnebelartige Luft liess den nahen Herbst erahnen. Anders auf der Alpensüdseite. Hier sorgte die wärmere, aber instabilere Luft für einige Quellwolken. Daher lief dort bei Temperaturen von 28 Grad der Sommer noch auf Hochtouren.

Im Mittelland riss die hochnebelartige Bewölkung hie und da auf, so dass sich die Sonne zwischendurch zeigen konnte. Bild: Urs Graf.
Im Mittelland riss die hochnebelartige Bewölkung hie und da auf, so dass sich die Sonne zwischendurch zeigen konnte. Bild: Urs Graf.

Zügige und eher kühle Bise im Mittelland

Die aufkommende Bise verstärkte sich im Mittelland im Laufe des Tages. Am Nachmittag blies sie dann mit Spitzengeschwindigkeiten von 30 bis 40 km/h im östlichen Mittelland und von 50 bis 60 km/h in der Westschweiz. Stärker war sie erwartungsgemäss auf den Jurakreten. Auf der La Dôle erreichte sie eine Geschwindigkeit von 91 km/h, dies allerdings bereits in der Nacht auf heute. Auch nicht gerade sanft war sie in Les Charbonnières im Vallée de Joux.

Die Bise ist im Vallée de Joux nicht immer ein sanftes Lüftchen

Das Vallée de Joux zeigt des Öfteren bei Bise recht hohe Windgeschwindigkeiten. Dies hat wohl verschiedene Gründe. Erstens einmal verläuft das Tal von Nordosten nach Südwesten, was die Bise gut kanalisiert.

Weiters ist oft festzustellen, dass bei Bise hie und da noch ein ansehnlicher Teil der Bisenströmung des angrenzenden Mittellandes von Osten her ins Tal eindringt und dann zur Verstärkung der Bise im Vallée de Joux beiträgt. In den diesen Fällen kann die Bise im Vallée de Joux durchaus als Sturm auftreten und mehr als 100 km/h erreichen. Dies tritt besonders im Hochwinter auf. Liegt dann zusätzlich eine Schneedecke, kann die Bise meterhohe Schneeverwehungen verursachen, welche die Verkehrswege für einige Zeit unterbrechen können.

Es kann auch vorkommen, dass bei extremen Kälteeinbrüchen die Bise mit einer mittleren Geschwindigkeit von 60 km/h und Böen von 100 km/h durch das Hochtal fegt, und dies bei Temperaturen von -27 Grad. In solchen Fällen ist ein Aufenthalt im Freien für den Menschen ohne Spezialkleidung kaum auszuhalten. Letzmals passierte ein solches Extremereignis am 2. Februar 1956.

Dem Entlebuch und dem Obwaldnerland stattete der Herbst einen frühzeitigen Besuch ab

Die nach Osten oder Nordosten offenen Tälern der Voralpen sind der Bise im grossen Masse ausgesetzt. Diese dringt mit ihren kühlen und in der Grundschicht hie und da feuchten Luftmassen in die Tälern ein.

Durch die nach Südwesten ansteigende Topografie wird die Bise anschliessend gezwungen, ebenfalls anzusteigen. Ist die Luft genügend feucht, kommt es zur Kondensation und es bilden sich Wolken, wobei es manchmal sogar zu Niederschlägen kommen kann. In der Mehrzahl der Fälle aber bildet sich „nur“ eine zähe Hochbeldecke, welche besonders im Winter und Spätherbst tagelang sich halten kann. Aber auch in den anderen Jahreszeiten kann der Hochnebel sich in diesen Gebieten längere Zeit halten. Prominenteste Gebiete sind das östlichen Napfgebiet und der Kanton Obwalden.

Hochnebel und Sonne im Streit

Und heute herrschte eben Bise, und die Luft hatte genügend Feuchtigkeit. Also hat sich der Hochnebel entschieden, diesen zwei Gebieten der Zentralschweiz einen Besuch abzustatten. Die Sonne hatte zwar etwas dagegen. Doch der Hochnebel sagte zu ihr: "Du in deinen alten Sommertagen bratest mich hier mal nicht weg."

Die Bise kühlte schön und nett und sendete ständig frisches Getränk in Form von Wasserdampf zu.

"Da hast du mit deinen Strahlen, welche an meinem weissen, prächtigen Oberflächenmantel nur so abperlen, keine Chance“.

Die Sonne erwiderte: "Das werden wir ja noch sehen“. Der Hochnebel liess sich nicht beeindrucken und erwähnte: "Du, hör mal, dein Hitzekampf ist vorbei. Diesen Sommer hast du genug eingeheizt. Fertig jetzt, ich stell dir das mal ab, hä, ich schiebe dir mal so cool den Riegel vor !!!“  Die Sonne sagte: "Ach, ich lasse Dir diese Freude, deinen kleinen, lächerlichen Sieg. Aber irgendwann hole ich meine Verbündete, die Subsidenz. Diese haut dir eins auf den Kopf, weisst Du, ein schallende Ohrfeige. Und von wegen weiss… 99 Prozent von Deinem Aussehen ist grau und hässlich, eben was du halt bist, nämlich alt. Jaja, die Subsidenz und ich, wir besiegen einen derart alt aussehenden grauen Esel wie Dich immer noch mit links, wenn es darauf an kommt, musst gar nicht meinen.“

Und so blieb heute der Hochnebel Sieger, fragt sich nur, wie lange.

Im Tessin ist der Sommer noch voll da

Auf der Alpensüdseite wurde die warme Luft von gestern nicht ausgeräumt. Zudem wurde die Atmosphäre auf heute Atmosphäre stabilisiert, was die Bewölkung in der Nacht auf heute  weitgehend auflöste. Auf diese Weise konnte die Sonne die bodennahen Luftschichten kräftig erwärmen, so dass in den Niederungen der Alpensüdseite heute Nachmittag rund 28 Grad gemessen wurden. Durch die Erwärwung bildeten sich den Berghängen entlang Quellwolken, und speziell im Südtessin sind am Abend einige Schauer oder Gewitter nicht auszuschliessen.

Kommentare (18)

  1. Hans Wiesendanger, 22.08.2019, 20:12

    Ich möchte ja niemandem auf den Zehen herumtrampen. Aber meines Erachtens läuft der Blog so langsam aus dem Ruder. Persönliches Wohlbefinden und irgendwelche abstruse Theorien gehören doch eher in die Kommentarspalten von 20 Minuten online.

  2. Marco, 22.08.2019, 18:23

    Weshalb war es in Basel völlig atypisch zuerst sonnig bevor der Hochnebel kam? Gem. dem Satellitenbild bildete er sich nachmittags sogar praktisch 'vor Ort'?

    1. MeteoSchweiz, 22.08.2019, 19:46

      Auf etwa 1400 Metern haben wir im Moment eine starke Inversion (Sperrschicht). Mit der Thermik wurde die feuchte Luft im Tagesverlauf angehoben, ist kondensiert und hat sich an der Inversion hochnebelartig ausgebreitet. Der Satellitenfilm dazu ist im Blogbeitrag vom 22.8. verlinkt.

  3. Sibylle, 22.08.2019, 12:13

    Das Gejammere, nicht nur in diesem Forum, wenn es mal unter 35 Grad hat.

  4. Marco, 22.08.2019, 10:27

    Kann jemand bitte mal die Bise abstellen? Ihretwegen habe ich mir in Genf Kopfweh und eine Erkältung geholt. Und das in Herbstbekleidung. Viel besser scheint es ja auch nicht zu werden. Wir sind uns hier heißen Sommer bis Anfang September gewohnt. Schade, dass der diesjährige August so gar keiner ist.

  5. silvia, 22.08.2019, 07:51

    Eine Billanz zu den Niederschlagsmengen ist im Naturgefahrenbulletin nachzulesen. Vielleicht entspricht diese Zusammenstellung dort den gewünschten Bedürfnissen. Danke dem Meteo Team für eure Arbeit und euren unermüdlichen Einsatz.

  6. Angie, 22.08.2019, 00:08

    Also wenn das der Sommer war, bin ich enttäuscht. Die meiste Zeit ist es in der Schweiz kalt. Wegen der paar Tage, wo es heiss war, gleich von Hitzewelle zu reden, scheint mir übertrieben. Der August fällt definitiv ins Wasser.

    1. Lars, 22.08.2019, 08:11

      Der Meinung bin ich definitiv auch. Nur darf man das in der heutigen Zeit leider nicht mehr laut sagen, ohne gleich einen Shitstorm zu ernten...

    2. Ulrich, 22.08.2019, 09:51

      Gemäss einigen Sonnenforschern bewegen wir uns in Richtung Abkühlung. Das widerspricht der CO2 Hypothese. Darum werden auch Kälterekorde kaum erwähnt. In der Klima Wissenschaft ist Zweifel nicht mehr geduldet. Darum wurde die ganze Diskussion um den anthropogenen Klimawandel abgewürgt.Die CO2 Theorie wurde zum allein seligmachenden Dogma erklärt vorallem bei staatlichen Institutionen

    3. Marco, 22.08.2019, 10:29

      Ich sehe das genauso. :))

    4. Reto, 22.08.2019, 11:24

      Ball flach halten - auch dieser Sommer ist/war überdurchschnittlich heiss, ob es einem gefällt oder nicht. Einfach die zu erwartenden Durchschnittstemperaturen im Sommer anschauen und vergleichen mit den gemessenen Temperaturen => der Juni war in der CH der zweitheisseste seit Messbeginn, der Juli in den Top 6. Weltweit waren die Monate Juni und Juli die beiden heissesten seit Messbeginn. Temperaturen von 30 Grad und mehr sind im schweizerischen Mittelland nicht üblich und gehören (noch) nicht zum schweizerischen Sommerklima. In Bern z.B. gibt es je Sommermonat durchschnittlich weniger als 2. Dieses Jahr gibt es aber viel mehr als 2 davon.

    5. Lars, 22.08.2019, 12:08

      @reto
      Nur habe ich bis auf die zwei kleinen Hitzewellen nichts davon gemerkt.

    6. Max Hansen, 22.08.2019, 12:21

      @Reto Wetter Kapriolen wie wir sie in den letzten Jahren erlebt haben, können genauso auf einen Übergang in eine Kälteperiode hindeuten. Aber diese These wird zu wenig beleuchtet. Ausserdem wird der Einfluss der Sonnenaktivität auf die Erde genauso abgetan und mehrheitlich auf das CO2 fokussiert. Der massive Schnee bis Ende Mai (!) und dann die sehr hohen Temperaturen im Juni (ca 7 Tage) und wieder im Juli ( ein paar Tage) dieses Jahr sind solche Kapriolen. Auch der Starkregen innert kurzer Zeit und dann wieder Trockenphasen. Und es wird immer mit sog. Normalwerten verglichen, was kein Sinn macht. Es gibt kein „normales“ Wetter/Klima. Es gibt nur eine konstante Fluktuation.

  7. Alex, 21.08.2019, 22:50

    In den letzten drei Tagen hat es ueberall in der Schweiz geregnet, in vielen Regionen sogar sehr viel. Ich vermisse eine Bilanz dieser Niederschlagsperiode, nachdem Monate lang, auch von Meteoschweiz, die Trockenheit thematisiert worden ist.

    1. Geo, 22.08.2019, 07:35

      Das würde mich auch interessieren! Die letzte Hitzewelle dauerte in Bern genau einen Tag lang...

    2. Lars, 22.08.2019, 12:06

      Mit der Trockenheit und Hitze kann mam dem Bürger eher das Geld aus dem Sack ziehen, als mit Regen.

    3. Marco, 22.08.2019, 13:40

      Absolut richtig. Eine Niederschlagsbilanz wäre nach solch starken und lang anhaltenden Regenfällen mehr als angebracht.

  8. Koni Dierauer, 21.08.2019, 22:35

    Nach den starkniederschlägen vom di abend mit unwetterwarnung stufe 4 von 5 in teilen der ostschweiz hätte mich ein rückblick auf das ereignis inkl akkumulierte niederschlagsmengen sehr interessiert. Gehe davon aus dass im nachhinein betrachtet stufe 4 etwas übertrieben war. Kann das ev noch nachgeliefert werden im blog? Herzlichen dank ans meteoschweiz-team für den tollen blog, ich schätze eure arbeit sehr.