Streifen als Klimabotschafter

24. September 2019, 12 Kommentare
Themen: Klima

Wir zeigen Klimastreifen des vergangenen und zukünftigen Klimas für die Schweiz. Die Erwärmung beschleunigt sich. Mit konsequentem Klimaschutz sind zwei Drittel der zukünftigen Erwärmung vermeidbar. Die Weichen für das zukünftige Klima werden in der nahen Zukunft gestellt.

Die sogenannten Klimastreifen oder „climate stripes“ im englischen Original haben sich als verständliches Mittel zur Visualisierung der Klimaerwärmung etabliert. Die Grafik wurde tausendfach für verschiedenste Temperaturdatensätze produziert und auch schon als schönste Klimagrafik der Welt bezeichnet. Wir zeigen und besprechen hier die vergangene sowie zwei mögliche zukünftige Entwicklungen der Schweizer Temperatur als Klimastreifen.

Die Erwärmung beschleunigt sich

Die Grafik zeigt, dass die Schweizer Temperaturen verglichen mit den heutigen Verhältnissen lange Zeit recht niedrig lagen und ohne deutlichen Trend verliefen. Vor allem seit den späten 1980er Jahren hat sich die Erwärmung stark beschleunigt. Eine Animation der vergangenen Entwicklung haben wir hier publiziert. Das letzte Jahr 2018 war mit deutlichem Abstand das wärmste seit Beginn der Messungen 1864. Der bisherige Jahresverlauf weist darauf hin, dass 2019 erneut ein sehr warmes Jahr werden könnte.

Nahe Zukunft: Warme, aber auch kühlere Jahre möglich

Die möglichen Entwicklungen unterscheiden sich in der nahen Zukunft nicht besonders stark. Es kann also in den nächsten 10 bis 20 Jahren sehr warme (rote Streifen), aber auch mal ein kühleres Jahr geben (blaue Streifen), und das unabhängig davon, wieviel Treibhausgase die Menschheit in der nahen Zukunft ausstösst. Der Grund: Die grosse Schwankungsbreite des Klimas überdeckt die Effekte der Treibhausgase momentan noch stark.

Grosse Unterschiede nach 2050

Spätestens ab Mitte des Jahrhunderts unterscheiden sich die Szenarien je nach Menge der ausgestossenen Treibhausgase deutlich. Ohne Klimaschutz (oberer Strang) dominiert der menschliche Einfluss stark, so dass ab 2050 jedes Jahr mindestens so warm oder noch deutlich wärmer sein wird wie das bisherige Rekordjahr 2018. Mit konsequentem Klimaschutz gemäss dem Klimaschutzabkommen von Paris 2015 (unterer Strang) wird die durchschnittliche Temperatur zwar weiterhin ansteigen, aber Temperaturen wie sie von 1981 bis 2010 auftraten sind bis gegen Ende des Jahrhunderts weiterhin möglich.

Zwei Drittel der weiteren Erwärmung vermeidbar

Schaut man noch etwas genauer in die dargestellten Daten, so erkennt man: Mit konsequentem Klimaschutz lassen sich in der Schweiz bis Mitte des 21. Jahrhunderts etwa die Hälfte, bis Ende Jahrhundert gar zwei Drittel der Klimaerwärmung vermeiden. Die Weichen dazu werden in der nahen Zukunft gestellt.

 

Links

Climate stripes von Ed Hawkins

Die schönste Klimagrafik der Welt

Klimawandel Schweiz

Klimaszenarien für die Schweiz

Warning stripes von Alexander Radtke

Die Schweizer Jahresmitteltemperatur animiert

Kommentare (12)

  1. Stefan, 28.09.2019, 22:10

    Sehr schöner Beitrag. Hier nehmt ihr den Skeptikern auch den Wind aus den Segeln mit der Aussage, dass ja trotz der stetigen Erwärmung noch kältere Phasen möglich sind und weiterhin möglich sein werden weil die Schwankungen in unseren Breiten von Natur aus sehr gross sein können. Ein richtig schönes Beispiel in jüngerer Zeit war Februar 2012. Aber selbst nach der Umstellung auf 1981-2010 sind wir kaum besser dran als mit der kälteren Referenzperiode, die 20 Jahre älter war. Die Wärme Abweichungen übertreffen die Kälte Abweichungen um Längen.

  2. Hans Frei, 25.09.2019, 10:59

    Ich pflichte Marco Lauper bei, dass solche Tatsachen wie das Auftauen von Methan beim Klima berücksichtigt werden müssen. Doch vermisse ich noch andere Einflüsse. Wir leben ja auf einer dünnen Kruste auf einem heissen Ball. Woher kommt diese Wärme? Ist der Wärmefluss aus dem Erdinnern so konstant, dass er das Klima nicht beeinflusst ? Es heisst, dass die natürliche Radioaktivität die Wärme liefert. Gibt es Berechnungen der durch Radioaktivität generierten Energie und des Wärmeflusses an die Oberfläche der Erde ?
    Neueste Forschung zeigt, dass bei sehr hohen Drücken, wie sie im Erdinnern existieren, Moleküle zusammengedrückt werden können. (z.B. Diamant wird leitend, Natrium schwerer) Es scheint mir, das "Auftauen" solcher Moleküle könnte eine noch unbekannte Wärmequelle im Erdinnern darstellen. Das heisst, Zusammenarbeit der Klimaforscher mit den Erdwissenschafter wäre nötig.

  3. Henry, 25.09.2019, 10:13

    Klimastreifen sind wohl derzeit in Mode:
    https://www.economist.com/printedition/2019-09-21

    1. Andreas, 25.09.2019, 11:22

      Ignoranten aber auch!

  4. Jürgen Baumann, 25.09.2019, 06:52

    Sehr gut gemacht. Danke.

  5. Peter, 24.09.2019, 23:15

    Sehr interessant!

  6. Marco Lauper, 24.09.2019, 22:59

    Die Berechnungen basieren auf die ausgestossenen Treibhausgase, die irgendwie erhoben werden. Inwieweit werden die Methanausgasungen aus den auftauenden Permafrostböden in Sibirien, Kanada, Arktis um nur einige zu nennen, und den riesigen Lager in den Weltmeeren berücksichtigt? Den Methan hat doch einen über 20 fachen höhere Einfluss als CO2. Und als letztes, wie gesichert ist die Menge an Methan das über die weiteren Erhöhung der welttemperaur noch stärker emittierten? Den in letzter Zeit hört man immer wieder, das Forscherteams überrascht sind, das das auftauen bzw abschmelzen viel schneller passiert als angenommen wurde.

    Mit freundlichen Grüßen

    M. Lauper

    1. MeteoSchweiz, 25.09.2019, 10:24

      Guten Tag Herr Lauper

      Die gezeigten Pfade für die Zukunft entsprechen zwei unterschiedlichen Klimasimulationen, basierend auf einem regionalen Klimamodell (HIRHAM5), das seinerseits von einem Erd-System-Modell (EC-EARTH) angetrieben wurde. Die Ausgasung von Methan aus auftauenden Permafrostböden ist ein Rückkoppelungsprozess, welcher durch die Erwärmung ausgelöst und verstärkt wird. Manche Erd-System-Modelle sind in der Lage, solche Rückkoppelungsprozesse vereinfacht zu simulieren. Weitere Informationen erhalten Sie im Technischen Bericht zu den Klimaszenarien CH2018 und in darin genannter Literatur: http://www.klimaszenarien.ch.

      Freundliche Grüsse, MeteoSchweiz

  7. U.Döpper, 24.09.2019, 17:13

    Eine Frage: Für die Visualisierung des Klimastreifens wurde als Grundlage der Zeitraum 1981-2010 gewählt, bzw. die Abweichung dieses Zeitraums, wenn ich das richtig interpretiere. Wer sagt denn, das genau dieser Zeitraum der richtige Zeitraum dafür ist? Wer oder was bestimmt denn das „richtige“ Klima für unser Dasein?
    Würde es im gleichen Masse kälter werden, wie es jetzt wärmer wird, hätten wir bestimmt die gleichen Diskussionen.
    Das ideale Wohlfühlklima für alle gibt es nicht und wird es auch nie geben, egal wie wir es steuern wollen.
    Die Klimageschichte der Erde zeigte jedoch, dass unser Planet immer dann das meiste Leben und die grösste Artenvielfalt hervorbrachte, wenn das Klima sehr warm war und die Polkappen abgeschmolzen waren.

    1. MeteoSchweiz, 25.09.2019, 08:48

      Guten Tag Herr Döpper

      Was ein "gutes" Klima bedeutet, ist in der Tat subjektiv, letztlich sogar für jede Pflanze und jede Tierart - weshalb es in unterschiedlichen Klimazonen ganz verschiedene Ökosysteme gibt. Im Sinne der weltweiten Einheitlichkeit verwendet MeteoSchweiz die gleiche Referenzperiode zur Beschreibung des aktuellen Klimas (1981-2010) wie die Weltorganisation für Meteorologie WMO. Damit ist die Vergleichbarkeit in der Zeit und im Raum gewährleistet. So können Entwicklungen bis "heute" in Bezug zu den erwarteten Entwicklungen für die Zukunft gebracht werden. Und es ist möglich, die Unterschiede zwischen den Klimazonen im gleichen Zeitraum zu analysieren. Eine gemeinsame Referenzperiode ist dementsprechend eine wichtige Grundlage für grenzüberschreitende Forschung im Klimabereich.

      Freundliche Grüsse, MeteoSchweiz

  8. Räphu, 24.09.2019, 15:33

    Vielen Dank, ein wirklich spannendes Klimadiagramm das viel auf den ersten Blick sagt.
    Was heisst denn in dem Zusammenhang konsequenter Klimaschutz um das untere Szenario zu erreichen? Konsequent auf der ganzen Welt? Städte begrünen damit die Wärmeaufnahme nicht so gross ist? Keine Fossilen Rohstoffe ab ...? 2050? Reicht das?

    Danke und Grüsse

    1. MeteoSchweiz, 25.09.2019, 08:22

      Hallo Räphu

      Der Begriff "Klimaschutz" umfasst sämtliche Massnahmen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen. Man spricht von Mitigation oder "Vermeidung" des Klimawandels. Das untere Szenario entspricht dem sogenannten RCP2.6-Szenario gemäss dem 5. IPCC-Sachstandsbericht. Es geht davon aus, dass globale Anstrengungen zur CO2-Reduktion unternommen werden, und zwar so, dass die CO2-Emissionen bis 2070 auf null und später sogar darunter gesenkt werden. D.h., dass gemäss diesem Szenario ab 2070 netto sogar mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre entfernt als an die Atmosphäre abgegeben wird. Der Mitigation steht die Anpassung an den Klimawandel gegenüber. Dazu gehören Massnahmen wie Stadtbegrünung, wie von Ihnen genannt. Diese werden getroffen, weil der Klimawandel heute schon Auswirkungen auf unser Leben hat und weil ein Risiko besteht, dass nicht alle zukünftigen Auswirkungen des Klimawandels vermieden werden können. Anpassung ist deshalb unabhängig vom Mitigationsszenario nötig.

      Freundliche Grüsse, MeteoSchweiz.