Eine Pollenallergie im Winter?

22. Januar 2020, 6 Kommentare

Mitten im Januar ist öfter von der Grippe die Rede als von Pollen. Und doch sind Allergien auch im Winter nicht selten. In diesem Blog erzählen wir Ihnen (fast) alles über die winterliche Pollensaison. Beantworten Sie unseren Online-Fragebogen zu Polleninformationen und tragen zur Weiterentwicklung unserer Polleninformationen bei.

Haselkätzchen
Haselkätzchen

Mitten im Januar ist öfter von der Grippe die Rede als von Pollen. Und doch sind Pollenallergien auch im Winter nicht selten, sogar in der Schweiz. Verantwortlich dafür sind Pflanzen aus der Familie der Birkengewächse (Betulaceae): Hasel und Erle. Später in der Saison lösen andere Bäume dieser Familie wie Birke und Hagebuche die wichtigsten Frühlingsallergien aus. Zwischen 5 und 15 % der Bevölkerung reagieren allergisch auf die Pollen von Birkengewächsen.

Das Wetter hat Einfluss auf die Blüte

Ein paar aufeinander folgende Tage mit milderem Wetter mitten im Winter genügen, dass die ersten Haselsträucher blühen und ihre Pollen freisetzen. In den letzten Jahren geschah dies immer öfter im Januar, während es früher eher im Februar stattfand. Da die Wetterbedingungen von einem Jahr zum anderen schwanken, können die ersten Pollen bereits Ende Dezember in der Luft sein, aber ebenso gut kann die Saison mitunter erst Ende Februar beginnen. Bei anhaltend kaltem Wetter bleiben die Hasel- und Erlenkätzchen geschlossen. Aber sobald die Temperaturen auf mehr als rund 5  C steigen und die Sonne scheint, werden die Kätzchen länger und dicker, und binnen weniger Tage können Pollen in der Luft sein.

Kurze Zeit nach den Haselsträuchern beginnen die heimischen Erlen zu blühen. Purpurerlen setzen jedoch bereits ab den letzten Dezembertagen grosse Pollenmengen frei. Dabei handelt es sich um Hybriden, die nicht in der Natur anzutreffen sind. Sie sind widerstandsfähig gegenüber urbanen Bedingungen und werden daher bisweilen in den Städten unseres Landes angepflanzt.  

Das Auftreten der ersten Pollenvorhersagen

Anhand von Modellen, die auf der Temperatursumme basieren, lässt sich der Blühbeginn der verschiedenen Arten vorhersagen. Diese Modelle verwenden Messungen, kurzfristige Detailprognosen und – für die fernere Zukunft – Klimawerte. Auf diese Weise kann der Zeitpunkt des Blühbeginns mehrere Wochen im Voraus abgeschätzt werden. Die Prognosen werden täglich neu berechnet, so dass sie immer genauer werden, je näher der erste Pollenflug rückt. Sie sind auf der Internetseite pollenundallergie.ch verfügbar.

Die Situation zu Beginn dieses Jahres

In diesem Jahr war Heuschnupfen bereits ab Weihnachten ein Thema, denn im Tessin begannen die ersten Haselsträucher aufzublühen. Ab dem 1. Januar war der Haselpollenflug im Tessin sogar stark bis sehr stark. Auf der Alpennordseite wurden ebenfalls schon Ende Dezember einzelne Haselpollen gemessen. Eine Zunahme auf mässige Konzentrationen konnte am 9. Januar beobachtet werden, einem sehr milden Tag mit Temperaturen um 8 – 12 °C. Die meisten Allergikerinnen und Allergiker verspürten diese Pollenbelastung sicherlich. Der Grund für diesen sehr frühen Start der Haselpollensaison liegt im schweizweit drittwärmsten Dezember und einem milden Jahresstart.

Auch die Purpurerlen haben in diesem Winter früh zu blühen begonnen. So wurden in Buchs (SG) an den warmen Föhntagen vom 18. und 19. Dezember bereits hohe Konzentrationen dieser Pollen gemessen. Obwohl die Purpurerle auch in Vorjahren schon an Weihnachten geblüht hat, ist eine solch früher Anstieg der Pollenmengen im Dezember aussergewöhnlich. Da die Purpurerlen nicht in der freien Natur vorkommen, sind ihre Pollen nur in der Nähe von in den Städten gepflanzten Einzelbäumen zu spüren.

Künftig genauere Messungen

Der von MeteoSchweiz durchgeführte Ausbau eines Netzes für Pollenmessungen in Echtzeit, dessen erste Stationen für die Saison 2021 in Betrieb sein werden, wird eine optimale Überwachung des Allergierisikos während der gesamten Pollensaison ermöglichen. Mit dem derzeit angewandten manuellen Messverfahren sind die Daten jeden Mittwoch verfügbar.

Sagen Sie uns Ihre Meinung

Um die Bedürfnisse von Allergikerinnen und Allergikern besser kennenzulernen und dazu beizutragen, dass diese Personen vollumfänglich von den möglichen Verbesserungen profitieren, führt MeteoSchweiz in Zusammenarbeit mit seinen Partnern, dem aha! Allergiezentrum Schweiz und der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), eine Umfrage durch.

Tragen Sie zur Weiterentwicklung der Polleninformationen bei. Zur Umfrage.

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Kommentare (6)

  1. Patric, 24.02.2020, 23:26

    Ein sehr guter Beitrag.

    Nicht nur weil ich es auch spüre, sondern weil es einem gwundrig macht woher das alles kommt. (Wenn ich drinnen bin und ruhig hinliege bessert es sich schnell. Vorher läuft die Nase so was von..)

    Im Garten hab ich auch einen goldgelb Haselbusch. Eine Erle habe ich noch nicht gesichtet.

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  2. Simon, 05.02.2020, 12:24

    Gibt es eigentlich keine Masken, welche die Pollen von der Lunge fernhalten - wenn man eine sehr schwere Allergie hat, wo die Tabletten kaum noch Wirkung zeigen, wäre das doch eine Alternative!

    Habe davon noch nie etwas gelesen, deshalb meine Frage.

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    1. MeteoSchweiz, 06.02.2020, 11:22

      Guten Tag

      Den umfassendsten Überblick zu möglichen Schutzmöglichkeiten bei Pollenallergien hat aha! Allergiezentrum Schweiz, http://www.aha.ch. Am besten lassen Sie sich von ihnen beraten.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

    2. K. schmid, 09.02.2020, 21:43

      Dass bräuchte eher einen Helm. Alle Schleimhäute nehmen die Pollen auf und lösen die Allergie aus.

  3. Trudy Siegrist, 04.02.2020, 21:12

    Ich leide schon seit Wochen an tränenden Augen und habe immer Schupfen!Der grosse Haselbusch ist goldgelb seit 2 Wochen ! Ist es möglich dass auch der Sommerflieder mit den langen dürren Blüten eine Rolle spielt? Mit freundlichen Grüssen

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    1. MeteoSchweiz, 06.02.2020, 11:21

      Guten Tag Frau Siegrist

      Alte Blütenstände von Sommerflieder enthalten keine Pollen mehr und können deshalb keine Pollenallergien verursachen. Auch während der Blütezeit gibt Sommerflieder fast keine Pollen in die Luft ab, da er insektenblütig ist. Es ist bisher auch nicht bekannt, dass Pollen von Sommerflieder in der Schweiz Allergien auslösen.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz