Föhn vor der Kaltfront

13. Februar 2020, 2 Kommentare
Themen: Wetter

Nach einer ruhigeren Zwischenhochphase zog heute ein Tiefdruckgebiet von Irland zu den Beneluxstaaten. Ein damit verbundenes Frontensystem hat im Tagesverlauf die Alpennordseite erfasst. Während der Südwestwind vor allem über dem Jura stetig zunahm, hatte sich durch den starken Druckfall in den nördlichen Alpentälern kräftiger Föhn eingestellt.

Lichtreflexionen in den Schneeverwehungen über den Kämmen im Skigebiet des Pizols. Foto: Sophie Hostettler
Lichtreflexionen in den Schneeverwehungen über den Kämmen im Skigebiet des Pizols. Foto: Sophie Hostettler

Meist klare Nacht

Nachdem gestern die instabile und feuchtere Polarluft allmählich ostwärts abgezogen war, baute sich über dem Alpenraum ein kleines Zwischenhoch auf. Damit nahm die Bewölkung zuerst in den westlichen, später auch in den östlichen Landesteilen ab. Obwohl während der Nacht immer wieder hohe Wolkenfelder vorüberzogen, vermochten diese die Abstrahlung nicht wesentlich zu dämpfen. Die Temperaturen sanken deshalb verbreitet auf -1 bis -3 Grad. Aufgrund des lebhaften und teils stürmischen Westwindwetters der vergangenen Tage blieben die Temperaturen zuvor drei Nächte in Folge jeweils deutlich im positiven Bereich.

Vergrösserte Ansicht: Ceilometer (Messung der Wolkenhöhe) von Mittwoch 12 UTC bis Donnerstag 12 UTC: Links Payerne (graue Punkte), rechts Zürich Flughafen (schwarze Punkte).
Ceilometer (Messung der Wolkenhöhe) von Mittwoch 12 UTC bis Donnerstag 12 UTC: Links Payerne (graue Punkte), rechts Zürich Flughafen (schwarze Punkte).
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Neuer Wolkenaufzug

Das Zwischenhoch wirkte allerdings nicht lange. Bereits zum frühen Morgen hin zog von Westen her ausgedehnte und zunehmend dichte hohe Warmfrontbewölkung auf. Bis gegen Mittag verschwand die Sonne zeitweise auf der ganzen Alpennordseite hinter dem einheitlichen Wolkengrau.
Der Aufzug der Warmfrontbewölkung zeigte sich heute mal wieder richtig «schulbuchmässig».

Vergrösserte Ansicht: Satellitenbilder über Europa um 9 UTC: links der sichtbare Kanal mit Überlagerung der äquivalentpotentiellen Temperatur (Theta-E), ein Mass für die Temperatur der Luftmasse (grün=warm, blau =kalt), rechts der Infrarotkanal (farbige Flächen bedeuten hohe, dunkelgrau tiefe Bewölkung) mit Überlagerung des Geopotential auf 500 hPa.
Satellitenbilder über Europa um 9 UTC: links der sichtbare Kanal mit Überlagerung der äquivalentpotentiellen Temperatur (Theta-E), ein Mass für die Temperatur der Luftmasse (grün=warm, blau =kalt), rechts der Infrarotkanal (farbige Flächen bedeuten hohe, dunkelgrau tiefe Bewölkung) mit Überlagerung des Geopotential auf 500 hPa.
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Föhn in den Alpentälern

Durch die Verlagerung des Tiefs von Irland Richtung Beneluxstaaten setzte nördlich der Alpen Druckfall ein, der zu einem zunehmenden Südüberdruck führte. Die Druckdifferenz zwischen Lugano und Kloten betrug bis zu 10 hPa. Dadurch kam in den nördlichen Alpentälern im Tagesverlauf der Föhn auf. Dieser brachte in der kompakteren Warmfrontbewölkung einige Lücken zustande, so dass sich die Sonne wieder zeigen konnte.
Bis zum Redaktionsschluss um 17 Uhr erreichte der Föhn meist Windspitzen von 60 bis knapp 80 km/h, in Vaduz 92 km/h. Die Temperatur stieg dabei bis gegen 13 Grad an. In Altenrhein kam der Föhn ebenfalls kurzzeitig auf, wodurch die Temperatur vorübergehend auf 13 Grad stieg.
 

Vergrösserte Ansicht: Blick vom Chäserrugg (2260 m.ü.M.) Richtung Süd-Südwest um 12:50 Uhr. Dünne Schleierwolken und einige Föhnwolken (Alto cumulus lenticularis) verzieren den Himmel.
Blick vom Chäserrugg (2260 m.ü.M.) Richtung Süd-Südwest um 12:50 Uhr. Dünne Schleierwolken und einige Föhnwolken (Alto cumulus lenticularis) verzieren den Himmel.
Foto: Toggenburg Bergbahnen (Roundshot)

Im Vorfeld des zum Tief gehörenden Störungssystems nahm die Südwestströmung vor allem über dem Jura, aber auch im westlichen Mittelland und über den westlichen Voralpen deutlich zu und erreichte teilweise Sturmstärke. In Neuenburg oder Delsberg wurden Böenspitzen über 90 km/h, auf dem Chasseral sogar bis 123 km/h registriert. In Delsberg wie auch in Basel brachte der Südwestwind ebenfalls föhnige Effekte und liess die Temperatur auf 12.8 bzw. 13.9 Grad ansteigen. Im Vergleich dazu wurden im übrigen Mittelland nur gerade Höchstwerte um 8 Grad erreicht.

Weiterer Wetterverlauf

Am Nachmittag erfasste die abgeschwächte Warmfront von Westen her die Schweiz, während es im Süden und in weiten Teilen Graubündens noch ziemlich sonnig blieb. Mit dem Niederschlagseinsatz im Westen lag die Schneefallgrenze bei etwa 1200 Metern und stieg am vor der Kaltfront teilweise bis gegen 1800 Meter an. Weiter ostwärts wird sich die Warmluft kaum bemerkbar machen, da sie nach Süden abgedrängt wird. Am Abend überquert dann die Kaltfront von Westen her den Jura.

Vergrösserte Ansicht: IFS-Modells am 14.02.2020, 00Z. Geopotential auf 500 hPa (links) und 850 hPa (rechts), jeweils mit der entsprechenden Temperatur (farbige Flächen).
IFS-Modells am 14.02.2020, 00Z. Geopotential auf 500 hPa (links) und 850 hPa (rechts), jeweils mit der entsprechenden Temperatur (farbige Flächen).
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Weil die Höhenkaltluft praktisch zeitgleich mit der Kaltfront einfliesst, erfolgt eine rasche Labilisierung der Luftmasse. Dabei können in den Abendstunden durchaus einzelne Gewitter und/oder Graupelschauer in Erscheinung treten. Auf jeden Fall wird der West- bis Nordwestwind zuerst im Flachland, später insbesondere auch in den Alpentälern Windspitzen von 70 bis 90 km/h erreichen. Mit der Kaltfront wird sich der Niederschlag bis Mitternacht zum Alpennordhang konzentrieren und die Schneefallgrenze auf 900 bis 1100 Meter absinken.

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Kommentare (2)

  1. Daniel Stratyuk, 14.02.2020, 15:51

    Ich beobachte das Wetter schon 3-4 Tagen und beim „Allgemeine Wetterlage“ sehe ich ca. beim Island ein aussergewöhnliches Tiefdruckgebiet, am Dienstag war der Kerndruck 950hPa es ist nur 5hPa niedriger als beim Sabine, am Mittwoch 945hPa, gestern 940hPa und heute schon 935hPa, 20hPa mehr als beim Lorenzo! Ich beobachte es und werde immer unruhiger, ich hatte die Traiktorien geschätzt es soll ca. bei mittlere Norwegen durchgehen. Ich wollte fragen warum haben wir Hochdruckgebietwetter? Könnt ihr mir bitte sagen warum nicht Tiefdruck.

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    1. MeteoSchweiz, 14.02.2020, 18:48

      Das Tief im Bereich von Island ist in der Tat beeindruckend und es wird noch spannend sein, wie der effektive Druck sich in den nächsten Tagen tatsächlich entwickeln wird.
      Die Beschreibung der Wetterlage im Wetterbericht beschreibt dagegen nicht die Lage über Europa, sondern die Situation der Schweiz. Nach dem Kaltfrontdurchgang am Abend wurde unser Wetter nun zunehmend durch die Hochdruckzone über Spanien und Frankreich bestimmt wird, weshalb wir von hochdruckbestimmten Wetter sprechen.