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Herannahender Sturm

9. Februar 2020, 21 Kommentare
Themen: Wetter

Bevor uns ein fulminanter Start in die neue Woche erwartet, konnte heute nochmals viel Sonne genossen werden. Auf den heutigen Tag gehen wir jedoch nur am Anfang des Blogs kurz ein, der Fokus liegt auf dem bevorstehenden Sturm.

Nochmals viel Sonne

Vergrösserte Ansicht: Die Idylle vor dem Sturm, fotografiert von Urs Graf beim Julierpass.
Die Idylle vor dem Sturm, fotografiert von Urs Graf beim Julierpass.

Am frühen Morgen lagen im Mittelland vereinzelt Nebelfelder, welche sich jedoch rasch auflösten. Ansonsten war die Besonnung beidseits der Alpen besonders am Nachmittag durch hohe Wolkenfelder eingeschränkt. Mit Höchsttemperaturen im zweistelligen Bereich (Basel über 15 Grad, sonst um 11 Grad) war es heute nochmals sehr mild.

Anziehender Wind

Vergrösserte Ansicht: Windsituation heute um 15 UTC (16 Uhr Lokalzeit). Die Windfiedern stellen den mittleren Wind dar, die Zahl daneben die Böenspitze in Knoten. Die weissen Linien sind Isobaren (Linien gleichen Drucks) in hPa.
Windsituation heute um 15 UTC (16 Uhr Lokalzeit). Die Windfiedern stellen den mittleren Wind dar, die Zahl daneben die Böenspitze in Knoten. Die weissen Linien sind Isobaren (Linien gleichen Drucks) in hPa.

Auf der Vorderseite des Tiefs "Sabine" mit Kern bei Nordschottland nahm im Tagesverlauf zuerst über dem Jura, dann auch im Flachland der Südwestwind zu. Über den Alpen kam eine Südföhnströmung auf. Dies sind erste Anzeichen des herannahenden Sturms…

Update zum Sturmereignis

Vergrösserte Ansicht: Bodendruckkarten (Prognose) für heute 12 UTC und morgen 12 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst
Bodendruckkarten (Prognose) für heute 12 UTC und morgen 12 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Das Orkantief «Sabine» steht unmittelbar vor den Toren der Schweiz. Der Name des Tiefs, «Sabine», ist vor allem im deutschsprachigen Raum üblich, vergeben werden diese Namen der Druckgebilde von der Freien Universität Berlin. Im englisch- und französischsprachigen Raum wird das selbe Tief «Ciara» genannt.
Wie bereits im gestrigen Blog berichtet wurde, wird der Hauptsturm in den Niederungen vor allem am Montagvormittag über die Alpennordseite fegen. Eine zweite etwas weniger starke Sturmphase wird dann in der Nacht auf Dienstag erwartet. Am Dienstagnachmittag wird der Sturm im Flachland, am Abend voraussichtlich auch in den Bergen nachlassen.

Die stärkste Phase im Jura und im Flachland

Während über dem Jura der West-Südwestwind am späteren Sonntagabend Sturmstärke (über 90 km/h) erreichen wird, greift dieser im Flachland in den frühen Morgenstunden des Montags durch. Die stärkste Phase des Sturms wird dabei am Montag zwischen 3 Uhr morgens und 15 Uhr nachmittags, insbesondere mit dem Kaltfrontdurchgang am Montagmorgen, erwartet. Während dieser Zeit werden die höchsten Windspitzen unterhalb von 1000 Metern Werte von 100 bis 140 km/h erreichen. Über dem Jura, beispielsweise auf dem Chasseral, können die höchsten Böenspitzen sogar bis 160 km/h erreichen.

Die stärkste Phase in den Alpen

Auf den Voralpen und Alpengipfeln erreicht der Sturm wie über dem Jura bereits am Sonntagabend Sturmstärke. In den Voralpen und Alpen wird die stärkste Phase des Sturms zwischen Montagmorgen um 3 Uhr und Dienstagmorgen um 6 Uhr stattfinden.
Durch die südwestliche Anströmung sind vor allem die Voralpengipfel besonders vom Sturm betroffen. An exponierten Lagen sind oberhalb von 1000 Metern Windspitzen von 100 bis 160 km/h möglich, oberhalb von 2000 Metern werden von den Modellen sogar bis 200 km/h vorhergesagt.
Weitere Informationen zu den Warnungen finden Sie auf unserer Website.
 

Beurteilung der Wettermodelle

Zur Beurteilung der Stärke des Sturmereignisses werden laufend verschiedene Wettermodelle beurteilt und miteinander verglichen. Dazu gehören globale Modelle wie dasjenige des EZMW (Europäisches Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen), lokale/regionale Modelle wie das von MeteoSchweiz betriebene COSMO-1 und COSMO-E, sowie mit statistischen Verfahren nachberabeitete Werte wie das MOS, welches auch frühere Ereignisse mitberücksichtigt.

 

Vergrösserte Ansicht: Berechnete Windspitzen zwischen Montag 00 UTC und 12 UTC des ECMWF-Modells in der flächigen Darstellung. Jedes Bild zeigt die höchsten Windspitzen innerhalb der letzten 3 Stunden.
Berechnete Windspitzen zwischen Montag 00 UTC und 12 UTC des ECMWF-Modells in der flächigen Darstellung. Jedes Bild zeigt die höchsten Windspitzen innerhalb der letzten 3 Stunden.
Vergrösserte Ansicht: Berechnete Windspitzen zwischen Montag 06 UTC und 18 UTC des MOS Modells (DWD) für verschiedene Messstationen. Jeder farbige Balken zeigt eine neue Modellberechnung. Bei einigen Stationen ist eine leichte Zunahme, bei anderen kaum eine Änderung der Windspitzen zu sehen.
Berechnete Windspitzen zwischen Montag 06 UTC und 18 UTC des MOS Modells (DWD) für verschiedene Messstationen. Jeder farbige Balken zeigt eine neue Modellberechnung. Bei einigen Stationen ist eine leichte Zunahme, bei anderen kaum eine Änderung der Windspitzen zu sehen.

Interessant dabei ist, dass die Modelle in den vergangenen Tagen recht stabil waren, d.h. keine grössere Schwankungen aufwiesen, was wiederum eine gute Prognosezuverlässigkeit in Bezug auf den Wind hindeutet.

Verhaltensempfehlungen

Vergrösserte Ansicht: Archivbild vom Sturm "Burglind" am 3. Januar 2018, aufgenommen beim Kreuztrichter auf dem Vierwaldstättersee, von Eugen Müller.
Archivbild vom Sturm "Burglind" am 3. Januar 2018, aufgenommen beim Kreuztrichter auf dem Vierwaldstättersee, von Eugen Müller.

Starke Stürme können auch grosse Gegenstände mitreissen, Dachziegel lösen, Bäume umstürzen und auf Seen hohen Wellengang auslösen. Bei stürmischem Wind sollten Sie daher nach Möglichkeit den Aufenthalt im Freien meiden. Die Bevölkerung wird dazu aufgerufen, den Anweisungen der lokalen Behörden Folge zu leisten. Weitere Hinweise finden Sie hier.

Wetterauskünfte zum Sturm - update vom 10.2.2020

Liebe Blogleserinnen und Leser

Wir erhalten aktuell viele spezifische Kommentaranfragen zur aktuellen Sturmsituation. Wir können diese Anfragen hier nicht beantworten. Wir bitten sie daher unsere kostenpflichtige, persönliche Wetterauskunft zu konsultierien. Telefon: 0900 162 333 | Mehr Infos https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/service-und-publikationen/beratung-und-service.html

Kommentare (21)

  1. D, 10.02.2020, 06:28

    „Wind Gefahrenstufe 4“... wie viele Gefahrenstufen gibt es überhaupt?

    1. MeteoSchweiz, 10.02.2020, 07:09

      MeteoSchweiz verwendet ein 5-stufiges Warnsystem. Mehr Informationen finden Sie hier: https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/wetter/gefahren/erlaeuterungen-der-gefahrenstufen.html

  2. Dani, 09.02.2020, 23:11

    Vielen Dank für den ausführlichen Bericht! Bei welchen Messstationen im Mittelland werden die stärksten Windböen erwartet?!

    Ein Vergleich nach dem Sturm zu Burglind und Lothar wäre sicher interessant..

  3. Patrizia, 09.02.2020, 22:23

    Kind geht morgen von biel nach schönried ins skilager. Schicken oder nicht?

    1. Friend, 09.02.2020, 23:37

      Doch doch. Skifahren kommt schon gut. Windsurfen würde ich unterlassen.

  4. Mike Maloney, 09.02.2020, 21:43

    Danke für die frühzeitige Warnungen. Wir haben die Schotten dicht gemacht.
    Wie wird dieser Sturm im Vergleich zu Burglind oder Lothar ausfallen? Wenn sie vergleichbar sind, dann wär morgen auch nicht ratsam, mit dem Zug zu fahren (ich erinnere mich an den umgeblasenen Zug bei Burglind).

  5. Linda M., 09.02.2020, 21:37

    Wie sieht es am DI Abend ab 19 Uhr mit fliegen aus? Landung in Basel ca 21.30 Uhr.

    1. MeteoSchweiz, 09.02.2020, 22:01

      Am Dienstagabend sieht es bereits deutlich ruhiger aus.

  6. Daniel Stratyuk, 09.02.2020, 21:35

    Wir sind im Basel meine Schule geht in den Park jeden Morgen (ausser Sonntage) aber die Bäume sind gut in die Erde verankert. Sollte ich meine Schule sagen dass MeteoSchweiz hat empfohlen nicht in den Park gehen?

    1. MeteoSchweiz, 09.02.2020, 22:01

      Ja.

  7. M. Augsburger, 09.02.2020, 19:56

    Frage zu Verhaltensempfehlung bei Sturmstärke 4: Ab wann ist es fahrlässig die Kinder zur Schule zu schicken, wenn Sie raten, nach Möglichkeit im Hause zu bleiben? Wir wohnen im Rheintal und bereits jetzt rütteln die Böen am Dachstuhl...

    1. MeteoSchweiz, 09.02.2020, 20:10

      Wir können diesbezüglich keine allgemeingültige Empfehlung abgeben. Führt der Schulweg beispielsweise an Bäumen, Baumgruppen oder eingerüsteten Häusern vorbei, so empfiehlt es sich eine Alternative in Betracht zu ziehen.

    2. Mike Maloney, 09.02.2020, 21:41

      Mal schaun, wie's morgen früh "chutet". Wir behalten uns mal vor, die Kinder zu hause zu behalten und ggf. HomeOffice zu machen.

  8. Franziska Bühler, 09.02.2020, 19:52

    Wie sieht es nit dem Engadin aus?

    1. MeteoSchweiz, 09.02.2020, 20:01

      Informationen zum Engadin finden Sie auf unserer Warnkarte: https://www.meteoschweiz.admin.ch/home.html?tab=alarm

  9. Robbie, 09.02.2020, 18:59

    Hallo liebes MeteoSchweiz-Team,
    Besten Dank für den tollen Blogeintrag und die dazu wichtigen Hinweise rsp. Warnungen zum morgigen "tricky' Wochenstart.

    Wie seht Ihr die angrenzenden Voralpengebiete im Zürcher Oberland? Ist am Pfäffikersee, sprich Auslikon bzw Wetzikon so schlimm vom Sturm betroffen,wie die Vorhersagen vermuten? Ist das realistisch ~130 - 140 km/h? oder sind diese Angaben doch eher für Berggebiete ? Seit wann ist "HOE" (m. W. Code für Hörnli) in den Voralpen?

    Macht weiter so einen Top Job! Herzliche Grüsse aus dem (noch) ruhigen Züri Oberland ;)

    1. MeteoSchweiz, 09.02.2020, 19:25

      Strenggenommen gehört das Hörnli nicht zu den Voralpen. Aufgrund der Exponiertheit der Windmessung, darf man die Station aber durchaus zu den Voralpengipfeln zählen. Flächig 130 bis 140 km/h in den tiefen Lagen des Zürcher Oberlandes sind nicht realistisch. Hier werden wir uns - wie in der Warnung beschrieben - eher im unteren Bereich der angegebenen Windmaxima von 100 bis 140 km/h bewegen.

  10. Chris, 09.02.2020, 18:59

    Wo soll ich surfen gehen??

    1. Wetterfrosch, 09.02.2020, 20:24

      ...versuchsmal in der Badewanne.🙄

  11. Urs Imhof, 09.02.2020, 18:21

    Wenn die Behörden informieren würden.
    Der Aargau schläft tief und fest.
    Haltung vom Kanton Aargau:
    Man kann auch übertreiben.
    Wir warten vorerst mal ab.

    1. Elli, 09.02.2020, 23:00

      Es ist ja nicht verboten, auch ohne behördliche Anordnung die Vernunft walten zu lassen. Und an Informationsmöglichkeiten fehlt es uns gewiss nicht in der heutigen Zeit.