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Gibt es in Zukunft noch Seegfrörnen?

20. Februar 2020, 4 Kommentare
Themen: Klima

Neue Daten von Eis auf Schweizer Seen zeigen einen markanten Rückgang von Seegfrörnen im Schweizer Mittelland. Viele mittelgrosse Seen sind seit über 30 Jahren nie mehr ganz zugefroren. Durch den Klimawandel dürften Seegfrörnen zukünftig noch seltener werden.

Lange ist’s her: Schlittschuhspass auf dem Hallwilersee 1987. Der Blogautor (ganz rechts) auf dem teilweise gefrorenen Hallwilersee (Bilder: 2007: Simon Scherrer, 1987: Martin Suter, Wynentaler Blatt, 3. Februar 1987)
Lange ist’s her: Schlittschuhspass auf dem Hallwilersee 1987. Der Blogautor (ganz rechts) auf dem teilweise gefrorenen Hallwilersee (Bilder: 2007: Simon Scherrer, 1987: Martin Suter, Wynentaler Blatt, 3. Februar 1987)

Markant weniger Seegfrörnen

Hendricks Franssen und Scherrer haben im Jahr 2008 Daten zu Eis auf Schweizer Mittellandseen publiziert. Nun wurden sie bis in die Gegenwart aufdatiert. Sie zeigen ein deutliches Bild. Es gab in den letzten Jahrzehnten markant weniger Seegfrörnen, wie Abbildung 1 eindrücklich zeigt. Die grössten Abnahmen lassen sich bei mittelgrossen Seen, wie zum Beispiel beim Hallwiler- und Sempachersee, erkennen. Bis in die 1960er Jahre gab es an diesen Seen zwei bis vier Gfrörnen pro Jahrzehnt. Mit der Ausnahme der 1980er Jahre, sind die Gfrörnen an diesen Seen seitdem nicht mehr aufgetreten. Etwas weniger dramatisch ist die Abnahme bei kleineren, flacheren oder höher gelegenen Seen wie dem Pfäffikersee, Greifensee oder Ägerisee, aber auch hier wurden die Gfrörnen deutlich seltener. Grosse oder tiefe Seen, wie der Boden- und Zugersee frieren sehr selten zu, zum letzten Mal im strengen Winter 1962/63.

Klimawandel erklärt Abnahme

Die Schweiz hat sich in den letzten 150 Jahren um zwei Grad Celsius erwärmt und Kältewellen haben deutlich abgenommen. Da Seegfrörnen nur in extrem kalten Wintern auftreten, reagieren sie sehr sensitiv auf die Erwärmung und das Ausbleiben von starken Kältewellen. Somit erklärt die Klimaerwärmung sehr gut die markante Abnahme der Eisbedeckung auf den Schweizer Mittellandseen.

Was bringt die Zukunft?

Die Klimaerwärmung geht weiter. Die Temperaturen werden in den nächsten Jahrzehnten je nach Szenario um einige weitere Grad ansteigen. Forscher der ETH Zürich, der Universität Fribourg, des Forschungszentrum Jülich und der Academia Engiadina haben mit einem einfachen Modell berechnet, dass mittelgrosse Mittellandseen bis 2050 in extrem kalten Wintern weiterhin zufrieren könnten. Nach 2050 wird ein Zufrieren zunehmend unwahrscheinlicher. «Seegfrörnen» im Mittelland dürften dann zunehmend aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden.

Weitere Informationen

Detailliertere Informationen zum Thema «Seegfrörnen», unter anderem auch dazu, wieviel Kälte es braucht, bis ein See zufriert, finden Sie hier.

Links

Hendricks Franssen H-J und SC Scherrer (2008) Freezing of lakes on the Swiss Plateau in the period 1901-2006. Int J Clim, 28, 421-433 (Englisch)

Huss M, Hendricks Franssen H-J, Keller F, Funk M und M Hoelzle (2016) Freezing of lakes on the Swiss Plateau 1865-2100: combining long-term observations with modelling. Geophysical Research Abstracts, 18, EGU2016-5593 (Englisch)

Die Schweizer Jahresmitteltemperatur animiert (Blogbeitrag MeteoSchweiz)

Streifen als Klimabotschafter (Blogbeitrag MeteoSchweiz)

Von der Seegfrörni und Klimavariabilität (Blogbeitrag MeteoSchweiz)

Kommentare (4)

  1. Hanspeter, 01.04.2020, 12:04

    Wenn wir Buben unter dem Jahr ohne triftigen Grund (Geburtstag etc.) etwas haben wollten, sagte unser Vater meistens: "Du bekommst es, wenn s Neujahr im Summer isch".
    Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt für Ihn, sich Gedanken zu machen, wie er alle seine Versprechen wahr machen kann.

  2. Katharina Kerscher, 08.03.2020, 21:16

    Ich muss ehrlich sagen das mich sowas sehr traurig macht weil ich noch recht jung bin und sowas noch NIE erlebt habe. Würde gerne mal sowas erleben! Toller und lesenswerter Bericht!

    LG Katharina

  3. Baur, 23.02.2020, 04:45

    Ja, dass grosse Seen wie Boden- oder Zürichsee zu Lebzeiten der jetzt Geborenen noch jemals ganz zufrieren, ist wohl praktisch ausgeschlossen. Wahrscheinlicher ist, dass wir in einem der kommenden Sommer auf der Alpennordseite erstmals die 40 Grad im Schatten erreichen oder überschreiten (Basel, Genf)

    1. Roger P., 25.02.2020, 23:47

      Das wird wohl so sein - keine schönen Aussichten...