Frische Luft schnappen

26. März 2020, 2 Kommentare
Themen: Wetter

Bei Temperaturen im einstelligen Bereich und einer zeitweise mässigen Bise empfand man es heute draussen immer noch als frisch. Wobei das Wort «frisch» bekanntlich verschiedene Bedeutungen haben kann. Tagsüber trifft vor allem «kühl» und nachts «frostig» zu, frisch im Sinne von «reiner Luft» hingegen nur zum Teil. Darauf gehen wir in diesem Blog etwas näher ein. Ansonsten war der Wettereindruck trotz zeitweise dichteren Wolkenfeldern und fahlem Sonnenschein insgesamt freundlich.

Blick vom Schauenberg im Zürcher Oberland Richtung SE, mit Hochnebelresten und Dunst über dem Flachland.
Blick vom Schauenberg im Zürcher Oberland Richtung SE, mit Hochnebelresten und Dunst über dem Flachland.

Südöstliche Höhenströmung

Am Donnerstag lag der Alpenraum zwischen zwei Drucksystemen, und zwar einem ostwärts abziehenden Hochdruckgebiet mit Zentrum über Weissrussland und einem Tiefdruckgebiet mit Zentrum über dem Tyrrhenischen Meer in einer südöstlichen Höhenströmung. Das in den vergangenen Tagen wetterbestimmende Hochdruckgebiet verlor damit allmählich an Einfluss auf unser Wetter. Die Bisenströmung, welche noch recht kalte und trockene Luft zur Alpennordseite geführt hat, lässt deshalb langsam nach. In den oberen Luftschichten wurde mit südöstlichen Höhenwinden schubweise feuchtere Luft zu den Alpen geführt.

Im Süden etwas Schnee durch nächtlichen Höhentrog

Am Vorabend sowie in der Nacht auf heute Donnerstag schwenkte in der Höhe ein Trog von Ost nach West über den Alpenraum und sorgte gebietsweise für eine Anfeuchtung, allerdings ohne allzu grosse Auswirkungen. Vor allem über den Alpen und der Alpensüdseite, zum Teil aber auch am westlichen Jura war die Bewölkung vorübergehend dichter und am Alpenhauptkamm sowie im Tessin fiel etwas Niederschlag. Die Schneefallgrenze sank dabei bis in tiefe Lagen. Die Mengen waren allerdings gering.

Unterschiedlich bewölkt: im Süden und Osten mehr Wolken...

Nach einer vorübergehenden Beruhigung am frühen Morgen mit einer kurzen, wolkenarmen Phase in der ganzen Schweiz folgte bald ein nächster Feuchteschub aus Südosten. So nahm zunächst auf der Alpensüdseite und in der Simplonregion die hohe und mittelhohe Bewölkung wieder rasch zu, später auch generell südlich des Alpenhauptkammes. Die Obergrenze dieser Wolken reichte bis auf etwa 9500 Meter hinauf. Insbesondere in den Staugebieten wie beispielsweise in der Simplonregion und im Saastal fielen dabei gebietsweise ein paar Schneeflocken. Auch in den östlichen Landesteilen reduzierten zeitweise dichte Wolkenfelder die Sonneneinstrahlung. Es handelte sich dabei um Bewölkung, die sich im Lee der österreichischen Alpen bildeten und nordwestwärts fortsetzten.

... als im Westen

Nördlich der Alpen begann der Tag nahezu wolkenlos, einmal abgesehen von ein paar Hochnebelfeldern den Voralpen entlang und Dunst in den unteren Schichten. Der Dunst war allerdings nichts Neues, denn er hatte sich bereits am Vortag etabliert, dies unterhalb der Inversion bei rund 1600 Metern. Darüber war zumindest bei Tagesbeginn die Luft noch recht trocken und es herrschten gute Sichtverhältnisse, aber die Luft war schon nicht mehr ganz so klar wie an den Vortagen. Die Stratocumulus-Felder lösten sich im Laufe des Vormittags auf oder wandelten sich in wenige flache Quellwolken um. Während im Osten die bereits erwähnten Wolkenfelder die Sonneneinstrahlung reduzierten, blieb es im Westen bis etwa Mitte Nachmittag nahezu wolkenlos, bevor auch dort Leewolken den Blick auf die Sonne etwas trübten.

Schwächelnde Bise, zunehmende südöstliche Höhenströmung

Mit dem ostwärts abziehenden Hoch hat sich auch der Druckunterschied über Mitteleuropa abgeschwächt. So betrug der Druckgradient zwischen Zürich und Genf nur noch 2 hPa, im Vergleich zu 4-6 hPa während den vergangenen Tagen. Entsprechend war zwar im Mittelland auch heute die Bise noch spürbar, allerdings deutlich weniger als noch an den Vortagen.

In der Höhe hingegen hatte die Strömung auf Südost gedreht und sich verstärkt. So wurden beispielsweise auf dem Jungfraujoch und auf dem Titlis Böenspitzen von 40 bis 50 km/h gemessen.

Im oberen Rhonetal hatte sich bereits am Vortag der Föhn etabliert und erreichte in Visp Böenspitzen von 30 km/h.

 

Frostig bis kühl

In der Nacht wurde nochmals verbreitet Hüttenfrost (auf 2 Metern gemessen) sowie Bodenfrost (5 cm über Gras) verzeichnet. Nach diesem kalten Start und mit teilweise reduzierter Sonneneinstrahlung erreichten die Höchsttemperaturen im Norden nochmals lediglich einstellige Werte mit 4 bis 9 Grad. Mit der doch noch zeitweise mässigen Bise fühlten sich diese allerdings tiefer an. Im Süden gab es bis 11 und im Wallis bis 15 Grad (mit Föhnunterstützung).

 

Trübung durch Saharastaub in Sichtweite

Mit dem weit nach Südwesteuropa ausgreifenden Tiefdrucktrog in der Höhe wird in den kommenden Stunden mit den bereits erwähnten südöstlichen Höhenwinden zunehmend Saharastaub zu den Alpen geführt. Da der Saharastaub im Süden kaum durch stärkere Niederschläge ausgewaschen wird, dürfte er auch auf die Nordseite der Alpen übergreifen und eine zunehmende Lufttrübung verursachen.

Prognose von Saharastaub

Prognostisch werden Saharastaub-Ereignisse relativ gut erfasst, man muss dafür aber spezialisierte Modelle konsultieren. Allerdings ist für die Wettermodelle die Vorhersage der hohen Bewölkung schwierig. Da Saharastaub in grosser Höhe als Aerosol wirkt, kann sich bei genügend hoher relativer Feuchte mehr oder weniger ausgedehnte Bewölkung bilden. Von den Prognosemodellen wird diese Bewölkung häufig unterschätzt, was nicht selten zu Fehlprognosen der Besonnung führt. Mit Überraschungen ist also auch morgen noch zu rechnen.

Rippelförmige Bewölkung

Auf den hochaufgelösten Satellitenbildern im sichtbaren Kanal ist diese Bewölkung aufgrund ihrer rippelförmigen Struktur gut zu erkennen, insbesondere bei Sonnenauf- oder –untergang.

Diese gerippelte, zellulare Struktur entsteht durch Labilisierung und Konvektion aufgrund der langwelligen Abstrahlung an der Wolkenoberfläche. Tagsüber verschwindet die Struktur zumindest teilweise, dies aufgrund der Erwärmung der Wolkenoberfläche durch die Sonneneinstrahlung. Kornel Kollath und Nagy vom Ungarischen Meteorologischen Dienst haben dazu das untenstehende konzeptionelle Modell entwickelt.

Wer also zu viel freie Zeit oder Hirnschmalz übrig hat, darf sich gerne in diese Grafik vertiefen.

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Kommentare (2)

  1. Pierre Rust, 26.03.2020, 22:07

    Vielen Dank für die spannenden und eindrücklichen Erklärungen über das Wellenaufkommen und die Entstehung der entsprechenden Wolkenformationen, sowie über die Zirkulation des Saharastaubs.
    Wie immer sehr klar, konkret und verstehbar. Damit ist, was diese wunderbaren und faszinierenden Naturphänomene betrifft, "alles gesagt". Also Bravo !

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  2. Himbeertoni, 26.03.2020, 21:19

    Irgendwie scheint bei den zumindest letzten Bildern und deren Unterschriften etwas durcheinandergeraten zu sein (Format bzw. Layout stimmen auch nicht). Ich werd' da nicht ganz schlau d'raus.
    Herzlicher Gruß
    Euer Himbeertoni

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