Eine aktive Kaltfront mit Regen, Blitz und Sturm

23. Mai 2020, 5 Kommentare
Themen: Wetter

Nach der gestrigen kaum aktiven Warmfront erreichte heute um die Mittagszeit die dazugehörende und deutlich aktivere Kaltfront aus Nordwesten die Schweiz. Sie brachte nebst Niederschlag auch Blitz, Donner, Wind und kalte Luft mit sich.

Während heute Vormittag über dem Schallenbergpass noch die Sonne schien, näherte sich aus Nordwesten bereits die Gewitterfront an. Blick Richtung Emmental. Foto: P. Stierli
Während heute Vormittag über dem Schallenbergpass noch die Sonne schien, näherte sich aus Nordwesten bereits die Gewitterfront an. Blick Richtung Emmental. Foto: P. Stierli

Nachdem man auf der Alpennordseite während der letzten Woche hochdruckbedingt mehrheitlich sonniges, trockenes und zunehmend warmes Wetter geniessen konnte, folgte heute eine – bei vielen Leuten willkommene – Abwechslung. Eine aktive Kaltfront, die zu einem Tief nördlich von Schottland gehörte, erfasste die Schweiz um die Mittagszeit aus Nordwesten.

Erste Gewitter über Schaffhausen

Bereits am Vormittag gab es über Schaffhausen präfrontal (also der Front vorauslaufend) ein erster blitzender Vorgeschmack, auf das was heute noch erwartet wurde. Mit den ersten Gewitterzellen, die über Schaffhausen zogen, wurden bereits am Vormittag die ersten 2 bis 5 mm Regen verzeichnet. Die Windböen blieben allerdings noch verhalten.

Vergrösserte Ansicht: Gewitterdurchzug über Schaffhausen. Bildabfolge von der MeteoSchweiz Wetterkamera Schaffhausen heute Vormittag um 09:00, 09:10 und 09:20 Uhr (von oben nach unten).
Gewitterdurchzug über Schaffhausen. Bildabfolge von der MeteoSchweiz Wetterkamera Schaffhausen heute Vormittag um 09:00, 09:10 und 09:20 Uhr (von oben nach unten).
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Verbreitet Niederschlag, teils mit eingelagerten Gewittern

Kurz vor Mittag erreichte dann die eigentliche Kaltfront die Nordwestschweiz und überquerte die Schweiz im weiteren Tagesverlauf von West nach Ost. Bis zum Eintreffen der Niederschläge wurden vielerorts nochmals 1 bis 3 Sonnenstunden, in den Alpen 3 bis 7 Sonnenstunden gemessen.
Die Niederschläge erreichten bis Redaktionsschluss Mengen von 2 bis 10 mm im Mittelland, 15 bis 25 mm in der Nordwestschweiz und 5 bis 15 mm dem Alpennordhang entlang. Mit eingelagerten Gewittern wurden lokal vor allem dem Jura und den Voralpen entlang auch 30 mm Niederschlag gemessen.

Vergrösserte Ansicht: Niederschlagsmengen der heutigen Kaltfront bis um 16 Uhr Lokalzeit. CombiPrecip-Karte (farbige Flächen) berechnet aus Radar- und Messdaten, überlagert mit den einzelnen Messungen der jeweiligen Stationen (farbige Zahlen).
Niederschlagsmengen der heutigen Kaltfront bis um 16 Uhr Lokalzeit. CombiPrecip-Karte (farbige Flächen) berechnet aus Radar- und Messdaten, überlagert mit den einzelnen Messungen der jeweiligen Stationen (farbige Zahlen).
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Deutlicher Temperaturrückgang in der zweiten Tageshälfte

Neben dem erwarteten Niederschlag mit den eingelagerten Gewittern brachte die Störung auch eine deutliche Abkühlung. Die Tageshöchstwerte erreichten am Mittag auf der Alpennordseite nochmals verbreitet 21 bis 26 Grad, in Ilanz wurden sogar sehr warme 28.9 Grad gemessen. Im Laufe des Nachmittags floss aus Nordwesten deutlich kühlere Luft zu den Alpen, so dass die Temperatur innerhalb weniger Stunden um 8 bis 12 Grad zurück ging und bis Redaktionsschluss bereits auf 9 bis 15 Grad absank.

Vergrösserte Ansicht: Aktuelle Lufttemperatur 2 Meter über Boden gemessen am Samstagnachmittag um 13:20 Uhr Lokalzeit. Man erkennt den deutlichen Temperaturgradient zwischen der Nordwestschweiz (10 bis 13 Grad) und den östlichen Alpen (25 bis 29 Grad).
Aktuelle Lufttemperatur 2 Meter über Boden gemessen am Samstagnachmittag um 13:20 Uhr Lokalzeit. Man erkennt den deutlichen Temperaturgradient zwischen der Nordwestschweiz (10 bis 13 Grad) und den östlichen Alpen (25 bis 29 Grad).
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Am frühen Nachmittag gab es einen deutlichen Temperaturgradienten zwischen der Nordwestschweiz und den östlichen Alpen. Zur selben Zeit wie in Fahy kühle 11.2 Grad gemessen wurden, konnte man im «nur» 180 km entfernten Ilanz noch 28.7 Grad messen, also 17.5 Grad mehr. Dies entsprich in etwa einem Temperaturgradienten von 1 Grad pro 10 km.

Und auch auf Wind musste man heute nicht verzichten

Wie so oft ging mit dem Frontdurchgang auch ein deutlicher Druckanstieg einher, welcher für böig auffrischenden West- bis Nordwestwind sorgte. Dabei wurden bis Redaktionsschluss besonders dem Jurasüdfuss entlang sowie in den äusseren Alpentälern 60 bis 80, lokal bis 100 km/h gemessen. Im Mittelland lagen die höchsten Böen meist bei 40 bis 70 km/h.

Vergrösserte Ansicht: Gemessene Böenspitzen im km/h bis Samstagnachmittag um 16 Uhr Lokalzeit.
Gemessene Böenspitzen im km/h bis Samstagnachmittag um 16 Uhr Lokalzeit.
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Kommentare (5)

  1. Chris, 23.05.2020, 21:14

    hammer, fast 2h starkwind am zürichsee zum surfen, teils fast nord, damit schön runde wellen. die prognose mit fast 70kmh böenspitzen traf genau zu.

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    1. Maurice, 24.05.2020, 15:25

      Oh da bin ich neidisch, habe ich voll verpasst.

  2. Stefan L., 23.05.2020, 17:40

    An die Experten:
    Heute morgen wurde für die Region Belp/Münsingen 26mm Niederschlag prognostiziert. Geregnet hat es aber (Stand 17.30) nur ca. 5-6mm. Was für eine Fehlprognose. Woran liegt diese Fehlberechnung hauptsächlich - Zugbahn der aktiven Front - Wind - Gewitteraktivität die schwer vorauszusagen ist, usw.usw.?
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    1. Marco, 24.05.2020, 00:06

      In Basel genau umgekehrt. Es wurden je nach Modell 4-17mm vorhergesagt (die Meteoschweiz App korrigierte kurzfristig von 11mm auf 4mm runter). Geworden sind es 23mm, was bei NW doch sehr unüblich ist. Interessant auch die teils hohen Mengen trotz Hochdruck (1027hps am Nachmittag). Ist der hohe Luftdruck 'schuld' an den schwierigen Niederschlagsprognosen?

    2. MeteoSchweiz, 24.05.2020, 11:04

      Die Niederschlagsprognose im App basiert auf dem Cosmo-1 Wettermodell. Für die ersten sechs Stunden des Prognosezeitraums fliessen zudem Daten von INCA, einem Nowcasting-System für Regen, Wind, Temperatur usw dazu. Insbesondere bei konvektiven Wetterlagen, also wenn es Regenschauer und Gewitter gibt, sind lokal grössere Niederschlagsmengen möglich. Wo genau diese Mengen fallen, kann das Modell jedoch nicht immer zuverlässig sagen.
      Wenn also in Münsingen mit einem niederschlagsintensiven Schauer gerechnet wird, dieser dann aber nicht in Münsingen sondern in Ostermundingen fällt, kann das als Ausreisser empfunden werden, wenn man nur einen einzelnen Gitterpunkt betrachtet. Aus diesem Grund ist es von Vorteil, bei Niederschlag nicht nur ein punktgenaues Meteogramm, sondern immer auch die Umgebung zu betrachten.