Hochdruckbrückentag

22. Mai 2020, 5 Kommentare
Themen: Wetter

Auch am heutigen Brückentag schauen wir uns selbstverständlich die interessanten Details zum Wetter in der Schweiz an. Hier prägte vor allem ein Warmfrontausläufer das Bild. Dann ist eine erste Untersuchung zur reduzierten Zahl von Kondensstreifen erschienen, wir werfen einen kurzen Blick darauf.

Auch über den Monts Chevreuils in den Waadtländer Voralpen waren die Schleierwolken heute zeitweise dicht. Die Frühlingsblumen bildeten willkommene Farbtupfer dazu. Foto: P. Stierli
Auch über den Monts Chevreuils in den Waadtländer Voralpen waren die Schleierwolken heute zeitweise dicht. Die Frühlingsblumen bildeten willkommene Farbtupfer dazu. Foto: P. Stierli

Wetterlage

Vergrösserte Ansicht: Bodenanalyse mit Fronten von heute Morgen um 6 UTC. In rot die im Norden vorbeiziehende Warmfront, in orange ist eine sogenannte Konvergenzzone markiert, in blau die Kaltfront, welche uns morgen Samstag erfasst.
Bodenanalyse mit Fronten von heute Morgen um 6 UTC. In rot die im Norden vorbeiziehende Warmfront, in orange ist eine sogenannte Konvergenzzone markiert, in blau die Kaltfront, welche uns morgen Samstag erfasst.
Quelle: Deutscher Wetterdienst, DWD

Passend zum heutigen Tag war eine Hochdruckbrücke für unser Wetter verantwortlich. Diese erstreckte sich vom Atlantik bei Madeira über den Alpenraum bis nach Skandinavien. Im Alpenraum zeigte die Analyse bereits eine ausgesprochen flache Druckverteilung.

Das optisch gesehen auffälligste des heutigen Tages waren sicherlich die teils dichteren Schleierwolken, welche uns aus Nordwesten erfassten. Im Tagesverlauf kam gebietsweise auch mittelhohe Schichtbewölkung dazu. Dabei handelte es sich um Ausläufer der Warmfront nördlich von uns.

Warmfrontbewölkung

Vergrösserte Ansicht: Vormittäglicher Verlauf der Bewölkungsverhältnisse an unserer Wetterkamera mit Blick auf den Grimselpass. Am frühen Morgen (5 UTC, oben) waren erst wenige Eiskristallwolken am Himmel, zwei Stunden später (7 UTC, Mitte) war der Himmel mit dünnen Schleierwolken überzogen, um 8.40 UTC (unten) hat sich die Bewölkung weiter verdichtet. In der Folge lockerte sich die Bewölkung allerdings noch einmal auf, im Laufe des Nachmittags zog ein weiterer Schub mit Schleierwolken durch.
Vormittäglicher Verlauf der Bewölkungsverhältnisse an unserer Wetterkamera mit Blick auf den Grimselpass. Am frühen Morgen (5 UTC, oben) waren erst wenige Eiskristallwolken am Himmel, zwei Stunden später (7 UTC, Mitte) war der Himmel mit dünnen Schleierwolken überzogen, um 8.40 UTC (unten) hat sich die Bewölkung weiter verdichtet. In der Folge lockerte sich die Bewölkung allerdings noch einmal auf, im Laufe des Nachmittags zog ein weiterer Schub mit Schleierwolken durch.

Typisch für Warmfronten ist, dass sich deren Bewölkung zuerst im obersten Wolkenstockwerk (oberhalb von 7000 Metern) zeigt. Dabei handelt es sich um Wolken, die hauptsächlich aus Eiskristallen bestehen (Cirren, Cirrostratus). Vor allem in der ersten Phase lassen diese das Sonnenlicht durch, mit der Zeit erscheint die Sonne aber milchig.

 

Vergrösserte Ansicht: Prächtige Frühlingsflora in den Waadtländer Voralpen.
Prächtige Frühlingsflora in den Waadtländer Voralpen.
Foto: P. Stierli

Aufgrund der erhöhten Feuchtigkeit in grosser Höhe entstehen bei dieser Wetterlage häufig auch langlebige Kondensstreifen. Darauf kommen wir später im Blog noch einmal zurück. Im Laufe des Tages hat sich dann teils auch im mittleren Stockwerk Bewölkung gebildet (Altostratus) und die Sonne wurde zeit- und gebietsweise abgedeckt.

Vergrösserte Ansicht: Ballonsondierungen von Payerne von heute 00 UTC (links), 06 UTC (Mitte) und 12 UTC (rechts). Die angefeuchtete Zone in der Höhe ist hellblau markiert, weitere Erklärungen im Text.
Ballonsondierungen von Payerne von heute 00 UTC (links), 06 UTC (Mitte) und 12 UTC (rechts). Die angefeuchtete Zone in der Höhe ist hellblau markiert, weitere Erklärungen im Text.

In den verschiedenen Ballonsondierungen von Payerne, VD ist die Anfeuchtung der oberen und mittleren Schichten sehr schön erkennbar. Liegen die Temperaturkurve (in rot) und die Taupunktskurve (in blau) weit auseinander, so ist die Luftmasse trocken. Sind die beiden Kurven nahe beieinander, so ist die Luftmasse in dieser Höhe feucht. Verlaufen beide Kurven übereinander, so ist die Luftmasse gesättigt und die relative Feuchtigkeit beträgt 100 Prozent.

Teils sommerlich warm

Vergrösserte Ansicht: Tageshöchsttemperatur bis heute um 15.00 UTC an ausgewählten Stationen im Messnetz von MeteoSchweiz.
Tageshöchsttemperatur bis heute um 15.00 UTC an ausgewählten Stationen im Messnetz von MeteoSchweiz.

Trotz der reduzierten Sonneneinstrahlung erreichten oder überschritten die Temperaturen recht verbreitet die Sommermarke von 25 Grad. Am wärmsten wurde es mit 30.2 Grad in Sion und 29.6 Grad in Visp im Zentralwallis.

Abbau Hochdruckbrücke

Vergrösserte Ansicht: Bodenprognose mit Druckverteilung, Fronten, tiefer Bewölkung und dem Wetter der vergangenen Stunde für morgen Samstag (23. Mai 2020) um 12 UTC.
Bodenprognose mit Druckverteilung, Fronten, tiefer Bewölkung und dem Wetter der vergangenen Stunde für morgen Samstag (23. Mai 2020) um 12 UTC.
Quelle: Deutscher Wetterdienst, DWD

Auf morgen wird die Hochdruckbrücke abgebaut. Das Hoch im Westen zieht sich auf den Atlantik zurück, jenes im Norden und Nordosten verlagert sich nach Finnland und in den Westen Russlands. Dazwischen steuert das Tief Gudrun eine aktive Kaltfront zur Schweiz. Damit verbunden sind teils kräftige Regenschauer und Gewitter und böig auffrischender Wind. Für dieses Ereignis wurden verschiedene Warnungen der Stufe zwei ausgegeben.

Untersuchung zu Kondensstreifen

Der Rückgang des Flugverkehrs und die möglichen Auswirkungen waren schon mehrmals Thema in unseren täglichen Blogs (beispielsweise hier). Nun hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine erste Untersuchung zur reduzierten Bildung von Kondensstreifen veröffentlicht.

Dazu wurde ein Tag ausgewählt, an dem die Atmosphäre in Reiseflughöhe genügend kalt und vor allem genügend feucht war für die Bildung von langlebigen Kondensstreifen. Die Wahl fiel auf den 16. April 2020 und mittels Satelliten- und Modelldaten wurde die Wolkenbedeckung durch natürliche Wolken und durch Kondensstreifen ausgewertet. Nun simulierten die Forscher mit denselben atmosphärischen Bedingungen den Flugverkehr vor einem Jahr. Die Studie zeigt folgende Resultate:

  • die Anzahl der Kondensstreifen nahm um 90 Prozent ab
  • der Bedeckungsgrad der sich teils überlappenden Kondensstreifen reduzierte sich um den Faktor vier

Weitere Informationen zur Methodik, Grafiken und zu zusätzlich geplanten Studien sind beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt zu finden.

Zeitraffer Gewitterwolke von gestern

Zuletzt noch etwas für das Auge. Wie gestern an dieser Stelle beschrieben, sind in den südlichen Ausläufern des Schwarzwaldes einzelne Gewitterzellen entstanden. Diese zogen mit der nördlichen Höhenströmung in Richtung Kanton Aargau und waren sehr fotogen. Unser Wetterbeobachter Daniel Buck hat am Flughafen Zürich-Kloten in einem Zeitraffer wunderschöne Cumulonimbus mamma (Beutelwolken) festgehalten:

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Kommentare (5)

  1. Pascal L, 22.05.2020, 21:05

    Guten Abend. Wurde auch untersucht, was die fehlenden Kondensstreifen an einem solchen Tag für Auswirkungen auf die Temperatur haben? Wird es dadurch am Tag wärmer (stärkere Einstrahlung) und in der Nacht kühler (stärkere Abstrahlung)?
    Ist dieser Unterschied überhaupt messbar, und falls ja, wieviel macht das aus?

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    1. MeteoSchweiz, 23.05.2020, 02:20

      Ja, diese Zusammenhänge wurden mehrfach untersucht. In einer etwas älteren Studie (Strauss, 1997, Annales Geophysicae) wurde geschätzt, dass eine Erhöhung der Eiskristallbewölkung von Kondensstreifen von 10 Prozent die Temperatur tagsüber um etwa 1 Grad senkt.
      In einer jüngeren Studie (Bernhardt & Carleton, 2015, Int. Journal of Climatology) wurden Messstationen in den USA, welche von Kondensstreifen bedeckt waren, paarweise verglichen mit ähnlichen Stationen bei klarem Himmel. Die Autoren bestätigten frühere Untersuchungen und konnten zeigen, dass die tägliche Temperaturamplitude mit Kondensstreifen 3-4 Grad geringer ausfiel, als bei klarem Himmel. Die Höchsttemperatur waren um 2-3 Grad reduziert, die Nachtminima hingegen um 1-2 Grad erhöht in Folge der Kondensstreifen.

  2. Peter Bernet, 22.05.2020, 20:51

    Aufgrund dieser speziellen Eiskristallwolken gab es
    heute an verschiedenen Orten schöne Halo-Effekte
    zu beobachten.
    Haben Sie dazu keine Bilder erhalten?

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    1. Heinz F. Basel, 23.05.2020, 11:04

      Im Laufe des gestrigen Tages habe ich mehrmals an den Himmel geschaut, weil ich eben ein Halo erwartete. Man sah höchstens eine ganz schwache Andeutung davon.

    2. Sam N, 23.05.2020, 13:58

      Im Säntisgebiet/Schwägalp gabs einen, zumindest mit sonnenbrille waren die Farbverläufe erkennbar