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Heisser Geburtstag!

1. August 2020, 12 Kommentare
Themen: Wetter

«Schwiitzendi Schwiizer» waren heute zum Geburtstag der Eidgenossenschaft wahrlich keine Seltenheit. Denn die Temperatur kletterte tagsüber nach einer warmen Nacht vielerorts wieder über die 30-Grad-Marke. Und auch für meteorologisches Feuerwerk war gesorgt.

Die grosse Schweizerfahne am Säntis; D. Gerstgrasser
Die grosse Schweizerfahne am Säntis; D. Gerstgrasser

Geburtstags(wetter)karte

Vergrösserte Ansicht: Bodenwetterkarte um 8 Uhr Lokalzeit. Isobaren (schwarz), Kaltfront (blau), Warmfront (rot), Konvergenzzone (orange). Ein Tief nahe Island steuerte eine Kaltfront nach Mitteleuropa. Bereits im Vorfeld der Front haben sich Schauer und Gewitter gebildet (Konvergenzzone).
Bodenwetterkarte um 8 Uhr Lokalzeit. Isobaren (schwarz), Kaltfront (blau), Warmfront (rot), Konvergenzzone (orange). Ein Tief nahe Island steuerte eine Kaltfront nach Mitteleuropa. Bereits im Vorfeld der Front haben sich Schauer und Gewitter gebildet (Konvergenzzone).
Deutscher Wetterdienst

Das Geburtstagskind namens Schweiz lag heute am frühen Morgen des 1. Augusts noch im Einflussbereich einer Hochdruckbrücke, welche sich im Bodenfeld vom Atlantik über Mitteleuropa bis nach Skandinavien erstreckte. Ein Tiefdruckgebiet mit Kern südlich von Island schickte sich aber daran, dem Hochdrucktreiben ein allmähliches Ende zu setzen. Im Vorfeld der Kaltfront näherte sich mit der schwachen westlichen bis südwestlichen Höhenströmung bereits am Vormittag eine Störungszone der Schweiz (in der Bodenkarte als Konvergenzzone mit oranger Farbe gekennzeichnet).

Vergrösserte Ansicht: Isohypsen (weiss, Linien gleichen Geopotentials), Satelliten- und Radarbild mit Blitzen um 8 Uhr Lokalzeit. Hinter der Keilachse nahm die Stabilität ab, eine erste Störungszone erreichte die Alpennordseite der Schweiz. Auch an der Kaltfront über Frankreich bzw. davor nahm die Schauer- und Gewitteraktivität allmählich zu.
Isohypsen (weiss, Linien gleicher Geopotentialhöhe 500hPa), Satelliten- und Radarbild mit Blitzen um 8 Uhr Lokalzeit. Hinter der Keilachse nahm die Stabilität ab, eine erste Störungszone erreichte die Alpennordseite der Schweiz. Auch an der Kaltfront über Frankreich bzw. davor nahm die Schauer- und Gewitteraktivität allmählich zu.
MeteoSchweiz

In der Höhenkarte ist zu sehen, wie sich die Keilachse des Höhenrückens heute Vormittag allmählich nach Osten verabschiedete. So lag die Schweiz zunehmend auf der Vorderseite des nordatlantischen Tiefdruckgebiets. Damit nahm die Stabilität ab und der Höhenwind drehte auf südwestliche Richtung. Die Störungszone, welche sich wie oben erwähnt auf der westlichen Alpennordseite durch eine leicht erhöhte Schauer- und Gewitteraktivität am Vormittag auszeichnete, ist auch bei den Isohpysen in Form einer kleinen Delle zu erkennen.

«Tropische» Nacht

Vergrösserte Ansicht: An einigen Stationen fiel die Temperatur in der Nacht nicht unter 20 Grad.
An einigen Stationen fiel die Temperatur in der Nacht nicht unter 20 Grad.

Aus der einen oder anderen Schweizer Stube (bzw. aus den Schlafzimmern) konnte man heute Nacht auf Grund der hohen Temperaturen sicher einige Flüche vernehmen. Die Temperatur fiel doch an einigen Stationen nicht unter 20 Grad. Eine Auswahl von Tiefstwerten in tabellarischer Form:

  • Vevey 24.7°C
  • Locarno Monti 22.9°C
  • Neuchatel 22.7°C
  • Basel 22.4°C
  • Gersau 22.4°C
  • Zürich Fluntern 21.5°C

Einige hitzegeplagten Leute dürften beim Anblick des Tiefstwerts von Samedan (5.6°C) gerade etwas feuchte Augen bekommen haben. Die 22.4°C in Basel würden übrigens eine Egalisierung des höchsten gemessenen Tagesminimums bedeuten, falls die Temperatur bis Sonntag 00 Uhr (UTC)nicht unter ebendiesen Wert fallen sollte. Die 10 bisher höchsten Tagesminima für Basel:

  1. 1.7.2019; 22.4°C
  2. 4.7.2015; 22.3°C
  3. 7.8.2018; 21.8°C
  4. 3.8.2017 21.8°C
  5. 1.7.1950 21.8°C
  6. 3.7.2015 21.4°C
  7. 28.7.1983 21.3°C
  8. 4.8.2018 21.2°C
  9. 27.6.2019 und 26.6.2019 21.0°C

Die 21.6°C in Zürich Fluntern würden den zweithöchsten gemessenen Tiefstwert seit Messbeginn bedeuten.

Zum Teil bewölkter Vormittag

Vergrösserte Ansicht: In den meisten Regionen zeigte sich der Vormittag von der recht sonnigen Seite. Vor allem am Jura entlang wurde hingegen nur wenig Sonne registriert.
In den meisten Regionen zeigte sich der Vormittag von der recht sonnigen Seite. Vor allem am Jura entlang wurde hingegen nur wenig Sonne registriert.

Die eingangs erwähnte Störungszone brachte vor allem den Regionen am Jura einiges an Bewölkung und vereinzelt auch Schauer oder Gewitter. Ungefähr östlich einer Linie Sion – Schaffhausen wurde zunächst ein recht sonniger Vormittag verzeichnet, mit Sonnenscheindauern von 3-5 Stunden, bevor auch auf der restlichen Alpennordseite die Bewölkung zunahm. Durch den warmen Start in den Tag und der Sonneneinstrahlung wurde die 30-Grad-Marke stellenweise bereits vor dem Mittag geknackt (z.B. Genf, Schaffhausen, Chur, Stabio,…)

Am Nachmittag vor allem in den Bergen gewitterhaft

Vergrösserte Ansicht: Blick auf den Prodkamm (Vordergrund), u.a. Sichelkamm und Alvier im Hintergrund. Am frühen Nachmittag wachsen die Quellwolken über den Ostschweizer Bergen allmählich in die Höhe.
Blick auf den Prodkamm (Vordergrund), u.a. Sichelkamm und Alvier im Hintergrund. Am frühen Nachmittag wachsen die Quellwolken über den Ostschweizer Bergen allmählich in die Höhe.
M. Stoll

Am Nachmittag nahm die Gewitteraktivität vor allem über den Bergen zu. Am Jura und über den Alpen wie auch Voralpen gingen einige (lokal kräftige) Gewitter nieder. Mit den Gewittern erreichten die Böenspitzen vor allem in den Alpentälern und auf der Alpensüdseite Werte von 50 bis 70 km/h, auf dem Eggishorn 99 km/h.

Zeitraffer am frühen Nachmittag, Blick auf den Säntis und die ersten Gewitter über dem Rheintal; D. Gerstgrasser

Die Temperatur stieg am Nachmittag in den Niederungen der gesamten Schweiz nochmals auf Werte von 29 bis 35 Grad. Auf der Alpennordseite wird die Hitzewelle heute Abend zu Ende gehen, auf der Alpensüdseite morgen im Verlauf des Sonntags.  

Vergrösserte Ansicht: Höchsttemperatur am 1. August 2020 bis 17:46 Uhr.
Höchsttemperatur am 1. August 2020 bis 17:46 Uhr.
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Kommentare (12)

  1. Manfred Stolz, 02.08.2020, 12:51

    Vielen Dank immer für die ausführlichen Erklärungen und Prognosen - wir sind in Urlaub hier in der Schweiz auf dem Camping und die Unwetterwarnungen haben uns schon öfters vor grösserem Schaden bewahrt: Sonnenstoren einziehen, alle losen Teile wegräumen oder festzurren - wie heute Nacht.
    Eine kleine Bemerkung hätte ich noch: muss es statt „höchste Tagesminima“ nicht heissen „tiefste Tagesminima“?

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  2. Pius, 02.08.2020, 00:00

    Ein schöner Gag, das kleine 1.August-Feuerwerk im Kästchen "Wetter vor Ort". Viel schöner als die Kracher und Stalinorgeln, die in meiner Gegend knallen.

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  3. Max Hansen, 01.08.2020, 21:43

    Guten Abend, ich habe mir da ein paar Fragen gestellt und dazu recherchiert, und zwar in Bezug auf die Lage der Messstationen. Bsp. Zürich Affoltern, dort ist die Autobahn nicht weit (Asphalt, Boden wird umgegraben, Grünfläche verschwindet, mehr Beton wird verbaut), d.h. Abgase, Autos die im Stau stehen und Hitze produzieren insbesondere im Sommer mit AC‘s, eine Megabaustelle über Jahre (es gibt unzählige im Umkreis), nur um einige Dinge zu nennen welche Einfluss auf die Luft/die Luftverteilung und auch die Temperatur haben. Ich nenne hier 1 Beispiel das ich gut kenne denn ich will keine Falschinformationen weitergeben. Wie gehen Sie mit diesen Einflüssen auf die Messergebnisse um? Algorithmen? Verlassen wir uns demnach auf Berechnungen und Annäherungen an die Realität? Besten Dank.

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  4. Rolf Drechsler, 01.08.2020, 21:15

    Es war bei uns bei Weitem nicht so heiss wie vorausgesagt. Ich finde diesen hausgemachten Hitzehype daneben.

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    1. Florian, 02.08.2020, 09:18

      Am Freitag war es exakt genau so heiss wie vorausgesagt, nämlich 34-35 Grad im Mittelland. Es waren rund 35, punktuell 36 oder 34 Grad. Hat also genau gestimmt. Am 1.8. gab es rund 31-32 Grad.

    2. Wolfgang, 02.08.2020, 12:23

      Da bin ich Ihrer Meinung. Der Regen ist ja schon wieder unterwegs.

    3. Emma, 02.08.2020, 12:29

      @Rolf Drechsler, ein Grad mehr oder weniger,ist das so entscheidend?Freuen wir uns doch,über einen abwechslungsreichen Sommer,Emma🤗🤗

  5. P. Bernet, 01.08.2020, 21:07

    Die grösste Schweizerfahne am Säntis - leider nur
    eine Eintagsfliege. Wegen der unsicheren Witterung
    wurde sie am heutigen Abend schon wieder eingerollt.
    Wir freuen uns jetzt schon auf das nächste Jahr.

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  6. Gabriele, 01.08.2020, 18:46

    Ich dachte die Tagesmaxima und Minima würden zwischen 8 Uhr und 8 Uhr des darauffolgenden Tages gemessen (nicht von Mitternacht bis zur nächsten Mitternacht).

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    1. MeteoSchweiz, 02.08.2020, 11:38

      @ Gabriela: Tatsächlich werden bei den synoptischen Beobachtungen nach WMO die Minimum- und Maximumtemperaturen um 6 und 18 UTC abgelesen. Praktischerweise verwendet man jedoch meistens die automatisch gemessenen Tagesminimum-/Maximumwerte bezogen auf den Kalendertag von 00 zu 00 UTC.

  7. Florian, 01.08.2020, 18:29

    War die vergangene Nacht auf den Samstag im Deutschschweizer Mittelland nun eher keine Tropennacht oder war es eine? Waren die Tiefstwerte an vielen Orten im Mittelland bei Sonnenaufgang bei mindestens 20 Grad oder eher knapp darunter? Also grundsätzlich eher Tropennacht ja oder knapp nein?

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    1. MeteoSchweiz, 01.08.2020, 19:00

      Die meisten Stationen hatten keine Tropennacht. Bei der obigen Aufzählung handelt es sich um Orte an erhöhten Lagen oder in Seenähe.