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Warmer und recht sonniger Sommer

24. August 2020, 13 Kommentare
Themen: Klima

Der Sommer 2020 gehört mit 1 °C über der Norm 1981−2010 zu den zehn wärmsten Sommern in der über 155-jährigen Messreihe. Nach einem Sommerbeginn mit durchschnittlicher Temperatur entwickelte sich die grösste Hitze in der ersten Augusthälfte. Durchschnittliche oder überdurchschnittliche Regenmengen erhielten vor allem der zentrale und östliche Alpennordhang sowie Teile des Wallis. Die meisten Gebiete der Schweiz registrierten eine überdurchschnittliche sommerliche Sonnenscheindauer.

Sehr mildes und sonniges Bergwetter Ende Juli im Wallis. Foto: Stephan Bader.
Sehr mildes und sonniges Bergwetter Ende Juli im Wallis. Foto: Stephan Bader.

Für den Sommer 2020 ist im landesweiten Mittel eine Temperatur zwischen 14 und 14,5 °C zu erwarten. Das liegt rund 1 °C über der Norm 1981‒2010. Obwohl der Sommer 2020 damit nicht zu den extrem heissen zählt, setzt er die Serie der sehr warmen Sommer der letzten drei Jahrzehnte fort. Vor der kräftigen Sommererwärmung ab den 1990-er Jahren gab es nur sehr selten Schweizer Sommer mit über 14 °C im landesweiten Mittel.

Vergrösserte Ansicht: Abb 1: Die Sommertemperatur (Mittel Juni‒August) in der Schweiz seit Messbeginn 1864. Die roten Linien zeigen die 30-jährigen Mittel 1871‒1900 (11,7 °C) und 1991‒2020 (13,9 °C). Die grüne unterbrochene Linie zeigt die Norm 1981‒2010 (13,3 °C).
Abb 1: Die Sommertemperatur (Mittel Juni‒August) in der Schweiz seit Messbeginn 1864. Die roten Linien zeigen die 30-jährigen Mittel 1871‒1900 (11,7 °C) und 1991‒2020 (13,9 °C). Die grüne unterbrochene Linie zeigt die Norm 1981‒2010 (13,3 °C).

Vom Durchschnitt zur Hitze

Der Juni 2020 erreichte ein landesweites Mittel von 11,8 °C und lag damit genau bei der Norm 1981−2010. Von Genf über das Wallis bis zur Alpensüdseite wurden im Juni an den MeteoSchweiz-Messstandorten 1 bis 3 Hitzetage aufgezeichnet, was etwa der Norm 1981−2010 entspricht. In der übrigen Schweiz registrierte im Juni einzig Fribourg einen Hitzetag.

Im Juli blieb die Sommerwärme bei anhaltend wechselhafter Witterung vorerst mässig. Hitzetage gab es bis gegen Monatsende nur wenige. Eine längere Periode mit ausgeprägter Sommerhitze stellte sich erst in den letzten Julitagen ein, und auf der Alpensüdseite begann am 28. Juli die erste Hitzewelle des Sommers. Sie dauerte bis am 2. August. Im landesweiten Mittel erreichte der Juli 15,4 °C. Er lag damit 1,2 °C über der Norm 1981−2010.

Hitzewelle im August

Der August startete mit einem sehr heissen Bundesfeiertag. Die Tageshöchstwerte stiegen im Norden über 34 °C, im Süden blieben sie knapp unter 34 °C. Heiss blieb es im Süden auch am 2. August. Anschliessend folgten beidseits der Alpen einige ausgesprochen kühle Tage.

Auf der Alpensüdseite setzte ab dem 6. August die zweite, auf der Alpennordseite ab dem 7. August die erste längere Hitzewelle ein. Die Periode mit täglichen Höchstwerten von 30 °C und mehr dauerte je nach Region sechs bis sieben Tage.

Zwei weitere landesweite Hitzetage folgten am 20. und 21. August. Auf der Alpensüdseite hielt sich die Hitze bis am 23. August.

Mit einem landesweiten Mittel von 15,5 °C oder 1,7 °C über der Norm 1981−2010 ist einer der wärmsten Augustmonate seit Messbeginn 1864 zu erwarten. Massiv wärmer mit knapp 18 °C zeigte sich nur der Rekordaugust 2003.

Nasser Juni, trockener Juli

Die sommerlichen Niederschlagssummen blieben verbreitet unter der Norm 1981‒2010. Durchschnittliche oder überdurchschnittliche Regenmengen erhielten insbesondere der zentrale und östliche Alpennordhang sowie Teile des Wallis.

Vergrösserte Ansicht: Räumliche Verteilung der Niederschlagssummen im Sommer 2020 (Stand 23. August 2020). Dargestellt sind die Abweichungen zur Norm 1981‒2010.
Räumliche Verteilung der Niederschlagssummen im Sommer 2020 (Stand 23. August 2020). Dargestellt sind die Abweichungen zur Norm 1981‒2010.

Der Juni brachte verbreitet überdurchschnittliche Niederschlagsmengen. Im Juli blieben die Regenmengen hingegen in den meisten Gebieten deutlich unter der Norm 1981−2010.

Für den August sind vielerorts Niederschlagsmengen im Bereich der Norm oder etwas darüber zu erwarten. Gebietsweise werden die Werte auch deutlich über der Norm liegen, wie in der Region Schaffhausen oder am zentralen Alpennordhang. Auf der Alpensüdseite und im Wallis hingegen könnten die Augustsummen regional deutlich unterdurchschnittlich ausfallen (Stand 23.08.2020).

Trüber Juni, recht sonniger Juli und August

Der Sommer 2020 bescherte den meisten Gebieten der Schweiz eine überdurchschnittliche Sonnenscheindauer. Nördlich der Alpen und im Jura sind Werte zwischen 110 und 120 % der Norm 1981‒2010 zu erwarten. Für die Alpensüdseite ergeben die Berechnungen eine Sonnenscheindauer zwischen 105 und 110 % der Norm (Stand 23.08.2020).

Im Juni blieb die Sonnenscheindauer verbreitet unterdurchschnittlich. Der Juli lieferte ausgiebig Sonnenschein mit meist über 115 % der Norm 1981‒2010. Ähnlich sonnig verlief vielerorts der August mit 110 bis 120 % der Norm.

Der definitive Bericht zum Sommer 2020 ist ab dem 10. September 2020 in der Rubrik Klimaberichte verfügbar.

Weiterführende Informationen

Klimabulletin Juni 2020
Klimabulletin Juli 2020

Kommentare (13)

  1. Wolfgang, 30.08.2020, 10:50

    Der August hat diesen „Sommer“ gerade noch so gerettet.

  2. Helena Jaggi, 29.08.2020, 14:08

    Hallo zusammen,
    Habe vor kurzem eine Headline in der deutschen "Bild Zeitung", wie Blick ein Boulevardblatt, gesehen aus dem Jahr 1975:
    "Jetzt wird das Klima lebensbedrohlich: über 40 Grad!"
    Nix neues also, aber diesen Sommer fällt es schwer, Superlative zu finden. Er war halt zu normal ;)

  3. Lars, 27.08.2020, 18:22

    Dies war nach meinem Empfinden der kälteste Sommer seit 20 Jahren. Hoffentlich gibts nächstes Jahr endlich einen Sommer, welcher den von 2003 und 2018 tobt und richtig heiss wird

  4. Timo Stammwitz, 26.08.2020, 19:37

    Das Einstiegsbild ist eine Schönfärberei des wiederum sehr heissen Sommers. Ende August waren die Gletscher blank. Das wäre ehrlicher.

    1. Fabian Maier, 31.08.2020, 17:23

      Hier ging es ja aber nicht um die Gletscherbilanz des Sommers, sondern um die Mitteltemperatur im Sommer 2020. Und die lag nunmal deutlich unter dem der Sommer 2003, 2017, 2018 und 2016. Die Gletscherbilanz wird schätze ich mal ähnlich aussehen wie die Temperaturbilanz. Da wird auch der Sommer 2003 vorne sein.

  5. Timo, 26.08.2020, 10:13

    Wie schafft es Meteoschweiz, schon am 24. August, wenn also noch 20% des Monats fehlen, detaillierte Angaben für den Gesamtmonat zu machen? Wäre es nicht seröser zu warten, bis alle Daten vorliegen?

    1. Christof, 26.08.2020, 16:17

      Ganz meine Meinung...

    2. MeteoSchweiz, 27.08.2020, 15:20

      Guten Tag Timo

      Der Blogbeitrag ist primär dem Sommer gewidmet, nicht dem August. MeteoSchweiz hat Methoden entwickelt, um eine Saison oder einen Monat, basierend auf den vorliegenden Prognosen, bis zum Ende zu beurteilen. Mit der Herausgabe einer Saisonzusammenfassung (Blogbeitrag) kurz vor Saisonende reagierte MeteoSchweiz auf ein Kundenbedürfnis. Vor allem die Medienwelt ist sehr interessiert daran, insbesondere dann, wenn die Berichtsperiode einen nicht ganz alltäglichen Verlauf nahm. Mit der Veröffentlichung einer provisorischen Fassung kurz vor Saisonende entlastet sich MeteoSchweiz. Seither ist die Zahl der Anfragen merklich zurückgegangen. In jedem provisorischen Monats-, Saison- und Jahres-Blog wird auch darauf hingewiesen, dass nach Abschluss der Berichtsperiode eine definitive Version publiziert wird.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

    3. Timo, 28.08.2020, 11:26

      Danke für die Erläuterung. Ich sehe allerdings das Problem, dass sich die Medien für die definitive Version kaum noch interessieren werden, wenn die vorläufige erst einmal publiziert ist. Vielleicht sollte man den Ungeduldigen beibringen, dass sie ihre Erwartungen den Realitäten anpassen müssen. Andernfalls beurteilen wir das Wetter- und Klimageschehen irgendwann nur noch aufgrund von Prognosen.

  6. Peter Peyer, 25.08.2020, 23:33

    Leider kein einziges Wort zur ausgesprochenen Trockenheit in der Nordwestecke der Schweiz, d.h. in der Region Basel. Dort fiel vermutlich nicht einmal die Hälfte des für einen normalen Sommer üblichen Niederschlags. Oft hatte man den Eindruck, Gewitter oder auch normale Niederschlagsgebiete kurvten um Basel herum oder lösten sich kurz vor Erreichen der Stadt im Nichts auf.

    1. MeteoSchweiz, 26.08.2020, 16:00

      Guten Tag Herr Peyer

      Bei einer gesamtschweizerischen Übersicht ist es nicht möglich, auf alle Gebiete textlich detailliert einzugehen. Die regionale Situation zeigt die aufgeführte Niederschlagskarte. Basel erhielt bis am 25. August 61 % der Sommernorm 1981-2010. Gefallen sind 157.8 mm bei einer Sommernorm von 258 mm. Das ist in der Niederschlagskarte sehr gut wiedergegeben.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  7. Röbi, 25.08.2020, 05:01

    Perfekt. So kann es jedes Jahr sein. Fehlt jetzt nur noch ein ruhiger Herbst und ein milder Winter.

    1. Emma, 25.08.2020, 11:44

      Diesen Sommer, habe ich meistens, als angenehm empfunden.Keine wochenlange Hitze und die Nächte waren auch ganz passabel.Die nächsten Sommer, könnten so bleiben. EMMA