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Viert wärmster August im Copernicus-Datensatz

10. September 2020, 10 Kommentare
Themen: Klima

Weltweit war es der viertwärmste August im Copernicus-Datensatz ab 1979. Weit über die Norm 1981−2010 stieg der August im Südwesten der USA und in Nordmexiko sowie in Nordwestsibirien und in einem grossen Teil des Arktischen Ozeans. Die Lufttemperatur über dem Ozean lag verbreitet über der Norm. Auf der Südhemisphäre blieb sie aber in grossen Meeresgebieten unter der Norm.

Abb. 1: Globale Verteilung der Augusttemperatur 2020. Dargestellt sind die Abweichungen (°C) zum Durchschnitt 1981‒2010. Quelle: Copernicus.
Abb. 1: Globale Verteilung der Augusttemperatur 2020. Dargestellt sind die Abweichungen (°C) zum Durchschnitt 1981‒2010. Quelle: Copernicus.

Warmes Zentraleuropa mit Hitzewelle

Im August 2020 lagen die Temperaturen in ganz Europa überwiegend über der Norm 1981−2010. Frankreich erlebte den drittwärmsten August (nach 2003 und 1997) seit Messbeginn im Jahr 1900. Am Messstandort Uccle in Brüssel wurde der zweitwärmste August in der über 100-jährigen Messreihe registriert.

Viele Länder in West- und Mitteleuropa verzeichneten in der ersten Hälfte des Monats eine längere Hitzewelle. In Uccle stiegen die Tageshöchstwerte während acht Tagen in Folge über 30°C. Als Höchstwert verzeichnete Uccle 35,9°C und damit einen neuen Augustrekord.

Der August lieferte in einigen Regionen Europas auch unterdurchschnittliche Werte. Davon betroffen waren Portugal und Teile von Spaniens sowie Westrussland. Demgegenüber stiegedie Augusttemperatur in der nördlich gelegenen Barentssee weit über die Norm 1981−2010.

Vergrösserte Ansicht: Abb. 2: 
Räumliche Verteilung der Augusttemperatur 2020 in Europa. Dargestellt sind die Abweichungen (°C) zum Durchschnitt 1981‒2010. 
Quelle: Copernicus.
Abb. 2: Räumliche Verteilung der Augusttemperatur 2020 in Europa. Dargestellt sind die Abweichungen (°C) zum Durchschnitt 1981‒2010. Quelle: Copernicus.

Moderate Hitzewelle auch in der Schweiz

Die Schweiz erlebte regional einen der wärmsten Augustmonate seit Mess-beginn 1864. In Basel war es der viertwärmste, in Genf, Lugano und Locarno-Monti der fünftwärmste August seit Messbeginn.

Die Hitzewelle in der ersten Monatshälfte dauerte in der Schweiz je nach Region sechs bis sieben Tage. Die Temperaturspitzen stiegen beidseits der Alpen meist auf 32 bis 33 °C, lokal auch über 34 °C.

Im Vergleich mit den ausgeprägten Hitzewellen der vergangenen zwei Jahrzehnte war die Hitze im Sommer 2020 moderat und gebietsweise sogar gering. Herausragend ist die landesweit rund zweiwöchige extreme Hitzewelle vom August 2003 und auf der Alpensüdseite zusätzlich jene vom Juli 2015.

Den umfassenden Überblick zum August 2020 in der Schweiz liefert das Bulletin August 2020 von MeteoSchweiz. 

Erneut ungewöhnliche Wärme in Sibirien

In Sibirien lag die Temperatur bereits in den vergangenen Monaten oft weit über der Norm 1981-2010. Im August 2020 war Nordwest-Sibirien mit den angrenzenden Meeresgebieten wieder einer der massiven globalen Hotspots mit weit überdurchschnittlicher Temperatur. Westlich und östlich dieses Hotspots schliessen grössere Gebiete mit unterdurchschnittlicher Augusttemperatur an.

Weitere Hotspots mit deutlich überdurchschnittlicher Augusttemperatur gab es über der Hudson Bay, der Baffin Bay und dem Nordosten Grönlands.

Neuer globaler Augustrekord?

Rekordverdächtige Temperaturen über dem Südwesten der USA und dem Nordwesten Mexikos hielten von Juli bis August an. In Phoenix, Arizona, folgte auf den Juli 2020 der August 2020 als heissester Monat seit Messbeginn.

Aus dem Death Valley in Kalifornien wurde im August 2020 eine Höchsttemperatur von 54,4 °C gemeldet. Falls die Messung verifiziert wird, ist es weltweit die höchste jemals zuverlässig gemessene Augusttemperatur.

Antarktis mit grossen Gegensätzen

Die regionalen Temperaturunterschiede sind in der Antarktis während der Wintermitte in der Regel gross, sowohl über dem kontinentalen Eisschild als auch auf den umliegenden Eisschelfen und auf dem Meereis. Dies war auch im August 2020 der Fall. Unterdurchschnittliche Temperaturen waren im August stärker ausgeprägt als im Juli.

Neben warmen auch grosse kühle Ozeangebiete

Im August 2020 lag die Lufttemperatur in vielen Ozeanregionen - wie in den vergangenen Monaten - recht deutlich über der Norm 1981-2010. In einigen Meeresgebieten wurde gar einer der wärmsten Augustmonate im Copernicus-Datensatz ab 1979 registriert, zum Beispiel im Westatlantik und im Pazifik. Die Wärme in diesen Regionen hat einen wesentlichen Einfluss auf die tropische Wirbelsturmtätigkeit.

Über dem tropischen Ostpazifik und den aussertropischen Ozeanen der Südhalbkugel hingegen, vor allem Richtung Antarktis, gab es grosse Gebiete, in welchen die Lufttemperatur im August unter der Norm 1981-2010 blieb.

Das Copernicus Augustbulletin ist in englischer Sprache verfügbar.

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Kommentare (10)

  1. Mecier Lionel, 14.09.2020, 16:58

    Wie viele Hitzerekorde muss es wohl noch geben, bis die Menschheit endlich erwacht und zur Kenntnis nimmt, dass sie so wie bisher nicht mehr weiter wursteln kann?

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    1. Alex, 15.09.2020, 13:09

      Das Thema Klimawandel Pro/Kontra gehört nicht zur Berichterstattung von Meteo Schweiz. Ich bin froh das Meteo Schweiz sich klar abgrenzt und ihre Daten fachlich kompetent mitteilt.

  2. Felicitas, 14.09.2020, 10:09

    Guten Morgen liebes Meteo-Team mit euren immer sehr informativen Blogs!
    War das heute am östlichen Morgenhimmel die Venus, die ein Stelldichein mit der feinen Monsichel hatte?
    Ganz en schöne Tag Felicitas

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    1. Irmgard, 14.09.2020, 15:55

      Ja, das war die Venus. Night Sky gibt auch sonst viele astronomische Hinweise (bin nicht vom Team, nur freudige Nutzerin).

  3. Dieter Neth, 12.09.2020, 23:07

    Vielen Dank für die Erwähnung der ausserordentlichen Hitzewelle im nordamerikanischen Westen. Man hört leider hierzulande selten über jene Gegend wenn es ums Wetter geht, weil die Höchstwerte für uns zu nachtschlafender Zeit auftreten. Aber im August 2020 traten dort weltweit bei Weitem die höchsten verlässlich gemessenen Temperaturen auf, auch in grösseren Orten Städten waren es örtlich um/über 50 Grad C.
    Diese für die Jahreszeit dort unübliche Hitzewelle dürfte eine grosse Rolle bei den jetzigen verheerenden Wald-und Buschfeuern im amerikanischen Westen gespielt haben.
    Man sieht auf dem Globalbild übrigens auch das heraufziehende "La Niña" Phänomen im Ostpazifik, eine Abkühlung des tropischen Meeres dort. Dies führt oft zu besonders beständigen und kräftigen Hochdruckgebieten im Westen Nordmerikas und zu einer Unterdrückung der Hurrikanbildung im Ostpazifik, was wiederum Dürre für das nördliche Mexiko und den U.S. Südwesten bedeutet.

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    1. Bruno Gredig, 20.09.2020, 01:36

      Hochdruck ist Das richtige Wort was in Nortamerika seiht 4Jahren dort abgeht.

  4. Rofi, 10.09.2020, 12:48

    Herzlichen Dank für die immer spannenden Monatszusammenfassungen aus dem weltweiten Compernicus-Datensatz. Wenn ich die entsprechenden Blogbeiträge von diesem Jahr überfliege (v.a. das Bild mit der eingefärbten Weltkarte) fallen mir die z.T. krass im positiven Bereich liegenden Temperaturabweichungen über Sibirien auf. Ich höre viel von möglichen Kippeffekten beim Weltklima - einer davon ist das Auftauen der Permafrostböden der nördlichen Landmassen - insb. Sibirien und die damit verbundene massenhafte Freisetzung von Klimagasen (Methan, CO2, auch durch Torf- und Waldbrände). Könnten Sie zu diesem Kippeffekt einen Beitrag verfassen. Das wäre für mich als begeisterten Blogleser, aber Laie bei Klimafragen vermutlich sehr aufschlussreich. Besten Dank im Voraus.

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    1. N. Brunner, 10.09.2020, 23:07

      Das würde mich auch interessieren....

    2. MeteoSchweiz, 11.09.2020, 17:23

      Guten Tag Rofi

      MeteoSchweiz befasst sich nicht mit den Klimafolgen des tauenden Permafrosts. Zum Permafrost und seiner Stellung im globalen Klimawandel gibt es einige interessante und gut verständliche Web-Beiträge:

      https://bildungsserver.hamburg.de/eis-und-schnee-nav/2121522/permafrost/

      https://www.spektrum.de/news/wenn-der-permafrostboden-taut/1671196

      Ein etwas älterer Bericht:
      https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/357/dokumente/klimagefahr_durch_tauenden_permafrost.pdf

      Fachspezialisten zum Thema Permafrost kann ProClim, das Schweizer Forum für Klima und globalen Wandel angeben:
      https://naturwissenschaften.ch/organisations/proclim

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

    3. Bovay-Rohr, 20.09.2020, 09:27

      Besten Dank ebenfals ! In der jüngeren Vergangenheit (auf geologischer Zeitskala) gab es bereits sehr heiße Perioden , beispielsweise im 13. Jahrhundert, mit einer um etwa 3 ° C höheren durchschnittlichen Jahrestemperatur; es war bis zu dem Punkt, an dem der Ferpècles-Gletscher, der den Col d'Hérens blockierte, verschwunden war ... um um 1310 zurückzukehren. Ein weiteres Beispiel: die Eisenzeit, vor etwa 3600 Jahren, wo die Rhône in Genf trocken war ...
      In Bezug auf die von Herrn Rofi, 10.09.2020, 12:48, erwähnten Gase, ist anzumerken, dass eine Studie in Physik aus dem Jahr 2014, die in diesen Tagen wieder aufgenommen wurde, gezeigt hat, dass Treibhausgase, einschließlich CO2, hat auf die Temperatur in der Atmosphäre vernachlässigbare Auswirkungen (weniger als 0,12 K für letztere, Stichwort Wärmflasche). Dokumentation im Internet veröffentlicht, in Französisch, Deutsch und Englisch!