Dritt kräftigster El Nino seit 65 Jahren

19. November 2015, 1 Kommentar
Themen: Klima

El Niño - das einzigartige Klimaphänomen im im tropischen Pazifik - entwickelt sich momentan zum dritt kräftigsten Ereignis in den letzten 65 Jahren. Ein starker El Niño bedeutet Sintfluten statt trockene Witterung an der Pazifikküste Südamerikas und verheerende Trockenheit statt tropische Feuchte in der Region Südostasien-Australien. Das Klima in diesen Regionen kippt sozusagen von seinem normalen Zustand ins extreme klimatische Gegenteil.

Im tropischen Pazifik ist aktuell eines der kräftigsten El Niño Ereignisse der letzten 65 Jahren zu beobachten. Gemäss den jüngsten Messdaten liegt es nur wenig hinter den Jahrhundert-Ereignissen der Jahre 1997/98 und 1982/83 zurück (Abbildung 1). Laut den Mo­dellrechnungen von MeteoSchweiz und anderen Vorhersagezentren ist eine weitere Verstärkung bis Januar 2016 zu erwarten. Das Ende des Ereignisses wird auf Ende Frühling oder Anfang Sommer 2015/16 erwartet.

Dritt stärkstes Ereignis der letzten 65 Jahre

Ab August 2015 entwickelte sich El Niño zum bisher dritt stärksten Ereignis der letzten 65 Jahre. El Niño Ereignisse sind im langjährigen Durchschnitt etwa alle vier bis sieben Jahre zu erwarten. Die seltenen starken Ereignisse stehen dabei den weit häufigeren schwachen Ereignissen gegenüber.

Spürbare Auswirkungen im Pazifikraum

Eine ganz klassische Auswirkung starker El Niño Aktivität ist die erhöhte Buschbrandgefahr in Australien. Sie ist auch diesmal als Folge der El Niño bedingten extremen Trockenheit top aktuell.

Buschbrände Australien

Ebenfalls im Zusammenhang mit der El Niño bedingten Trockenheit steht die extreme Smog-Belastung in Indonesien. Während starker El Niño Aktivität geraten die zum Zweck der Landgewinnung entfachten Waldbrände ausser Kontrolle. Riesige Waldflächen brennen und dicker Rauch hüllt die Inseln ein. Während El Niño 1997/98 litt Südostasien im Herbst 1997 sowie im Frühjahr 1998 über Wochen hinweg unter Smog. Für das aktuelle Ereignis hat der Wetterdienst von Singapur hat eine Warnseite eingerichtet. Die Smog-Belastung war vor allem Ende Oktober 2015 prekär. Mittlerweile hat sich die Situation entschärft.

Smogwarnung Indonesien

Während starker El Niño Aktivität können an der mittelamerikanischen Pazifikküste ungewöhnlich heftige Hurrikane beobachtet werden. Im Herbst 1997 waren es die Hurrikane Linda, Nora und Pauline. Linda wurde zum bis dahin stärksten Wirbelsturm in der Region, tobte sich jedoch auf dem Meer aus. Die Hurrikane Nora und Pauline hingegen suchten im Oktober 1997 kurz hintereinander die Pazifikküste Mittelamerikas heim und hinterliessen grosse Schäden. Im Oktober 2015 war es Hurrikan Patricia, welcher in dieser Region mit Windspitzen bis zu 400 km/h einen neuen Rekord erreichte.

 

Der Einfluss auf Europa

Auch wenn gewisse Korrelationen zwischen El Niño und dem Niederschlagsregime in Europa bestehen, ist diese Fernkoppelung nur sehr schwach ausgeprägt. In der Regel wird das Niederschlagsverhalten in Europa sehr dominant durch die sogenannte Nordatlantische Oszillation (NAO)  gesteuert.

Mit der NAO werden die Druck-Schwankungen in der nordatlantischen Atmosphäre beschrieben. Der Begriff Oszillation bedeutet, dass die nordatlantische Atmosphäre zwischen zwei Zuständen hin und her pendelt, nämlich vom Zustand eines schwachen Süd-Nord-Druckgefälles hin zum Zustand eines starken Süd-Nord-Druckgefälles. Das Süd-Nord-Druckgefälle über dem Nordatlantik steuert das atmosphärische Strömungsregime über Europa und damit auch die Zugbahnen der niederschlagsbringenden Störungszonen.

Bei einem neutralen NAO-Zustand kann der Einfluss von El Niño in Europa spürbar werden. Laut einem Bericht des Deutschen Wetterdienstes ist dann im Winter mit mehr Niederschlag vor allem entlang der französischen Alpen und des Juras bis nach Südwestdeutschland zu rechnen. Grosse Gebiete in Europa bleiben jedoch von El Niño unbeeinflusst.

Mehr zum Phänomen El Niño

Zwei ausführliche Dokumente zum Klimaphänomen El Niño sind hier zu finden:

El Niño aktuell

El Niño in den nächsten Monaten

El Niño und Europa




 



 

Kommentare (1)

  1. Dieter Neth, 20.11.2015, 13:03

    Die meisten im Nordostpazifik auftretenden Hurrikane sind waschechte Nordamerikaner. Nordamerika hört erst am Isthmus von Tehuantepec auf, nicht am Rio Grande/Bravo del Norte. In Mexiko rechnet man im Allgemeinen lediglich Chiapas und die Yucatan-Halbinsel zu Mittelamerika, der Rest gehört zur kontinentalen Landmasse, inklusive Baja California. Das sieht man am geologischen Aufbau, und auch am Wetter. Politisch sieht es anders aus, aber da spricht man von Lateinamerika, zu welchem eigentlich auch gewisse Teile der USA dazugehören.