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Wir müssen das Klima vermehrt in unsere Entscheidungen einbeziehen

16. November 2015

Stimmen von MeteoSchweiz zum neuen NCCS (National Centre for Climate Services).

Informationen zum Klima aus einer Hand! Das bietet das neue National Centre for Climate Services (NCCS). Als Schnittstelle zwischen den Produzenten und Nutzern fördert das NCCS den Dialog und die gemeinsame Entwicklung von  Klimadienstleistungen. Es bündelt Infos, bereitet sie auf und stellt sie zentral zur Verfügung.

«Wir leisten damit einen echten Mehrwert in Sachen Klima», sagt Peter Binder, Direktor von MeteoSchweiz. Die gebündelten Klimadienstleistungen böten eine einheitliche Grundlage. «Das ist unerlässlich, wenn zum Beispiel über Anpassungen an den Klimawandel entschieden wird», so Binder.

Initiiert wurde das NCCS im Auftrag des Bundes. Im Zusammenhang mit dem Aktionsplan «Anpassungen an den Klimawandel in der Schweiz» sollen die Zusammenarbeit gestärkt und die gemeinsamen Informationsgrundlagen ausgebaut werden. Auch im internationalen Kontext ist das NCCS perfekt eingebettet: Aufgebaut wurde es auf Empfehlung des Globalen Rahmenwerks für Klimadienste (GFCS) der Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Dieses will Klimadienstleistungen weltweit verbessern und deren Verbreitung in den Ländern optimieren.

Interdisziplinär und vernetzt

Das NCCS überzeugt mit Interdisziplinarität und Vernetzung. Sechs Partner sorgen dafür, dass Informationen aus unterschiedlichsten Sektoren in die Klimadienstleistungen einfliessen: Neben MeteoSchweiz auch andere Bundesämter und Forschungsinstitutionen wie die ETH Zürich. «Dank der Vernetzung können wir eine einheitliche Datengrundlage anbieten, die sich alle auf gleiche Quellen und Berechnungen beziehen», sagt Mischa Croci-Maspoli, Leiter der Abteilung Klima von MeteoSchweiz. Ungleiche Resultate, die auf verschiedenen Grundlagen beruhen, gehören damit der Vergangenheit an. «Auch sollen dank der Koordination keine Arbeiten mehr doppelt geführt werden», so Croci-Maspoli. Künftig seien übrigens auch noch weitere Bundesinstitutionen als Mitglieder im NCCS erwünscht. Auf Projektebene können bereits heute alle möglichen Fachstellen teilnehmen.

Was aber macht das NCCS konkret? Aus erster Hand weiss dies Jacqueline Flückiger Knutti. Sie ist Geschäftsführerin des NCCS. «Wir kombinieren pure Klimadaten mit dem Wissen der einzelnen Sektoren und verschiedener Nutzergruppen», so Flückiger Knutti. «So können wir eine Basis zur Verfügung stellen, die ganz konkrete und vor allem bedürfnisgerechte Aussagen zulassen.»

Klimadaten für jeden Bedarf

Informationen über das künftige Klima beruhen auf mathematischen Modellen. Diese generieren Daten, die in Form von möglichen Klimaszenarien bereitgestellt werden können. Die Klimaszenarien erstellt MeteoSchweiz gemeinsam mit der ETH Zürich und weiteren Forschungspartnern. «Neu werden nun dank dem NCCS frühzeitig auch Bedürfnisse und Fachwissen der vernetzten Partner einfliessen», sagt Flückiger Knutti. Ob nun die Häufigkeit von Frosttagen benötigt wird, genaue Niederschlagsmengen oder die Anzahl Tropennächte: Diverse Sektoren, von der Landwirtschaft über den Hochwasserschutz bis zum Gesundheitswesen, profitieren von bedürfnisgerechteren Daten – und erhöhen damit wiederum den Mehrwert für ihre Nutzer am Ende der Kette. So etwa für die Bauern, Gemeinden oder Ärzte.

«Damit der Wissensaustausch optimal funktioniert, sind Workshops mit einzelnen Sektoren oder zu spezifischen Themen geplant», erläutert Croci-Maspoli. In solch einem Rahmen könnte beispielsweise mit dem Tourismussektor genau bestimmt werden, welche Daten für Wintersportorte relevant sind. «Die Gemeinde X, die sich Investitionen in ihre Bergbahnen überlegt, erhält so eine bessere Entscheidungsgrundlage.»

Informativer Brückenschlag

Flückiger Knutti freut sich auf die herausfordernde Aufgabe als Geschäftsführerin des NCCS. Etwas erachtet sie dabei als besonders wichtig: «Zu bewirken, dass das Klima als Randbedingung vermehrt in Entscheidungen einfliesst.» Man müsse weg vom Reagieren, hin zum Agieren. Dann könne zum Beispiel falls nötig schon jetzt in ein besseres Bewässerungssystem investiert werden. Und nicht erst, wenn die Sommer häufiger so trocken und heiss seien wie der letzte. Genau deshalb will sie mit dem NCCS eine Brücke schlagen zwischen den Daten, die bestehen oder entwickelt werden, und den Informationen, die die Praxis braucht.

Um die Klimadienstleistungen gut zugänglich zu machen, ist ein Webportal geplant. Es wird in den nächsten Jahren aufgebaut. «Im Moment ist nirgends eine Übersicht darüber zu finden, was es alles gibt. Dieses Manko wollen wir beheben», so Flückiger Knutti. Bis es soweit ist, werden die Informationen auf www.nccs.ch zur Verfügung gestellt.

Synergien nutzen – auch international

Interdisziplinär aufgebaut und bestens vernetzt: So soll sich das NCCS also auszeichnen – und dadurch für die Praxis bedürfnisgerechte Klimadienstleistungen zur Verfügung stellen. «Dazu ist auch eine gute internationale Vernetzung wichtig» erklärt MeteoSchweiz-Direktor Peter Binder. «Die Zusammenarbeit soll weiter ausgebaut werden um z.B. den Zugriff auf europäische Daten zu verbessern. Synergien stärken, das erachte ich als wichtige Aufgabe des NCCS.»

Weiterführende Informationen

Medienmitteilung vom 16. November 2015

www.nccs.ch

Medienkonferenz, 16. November 2015

v.l.n.r.:

  • Konrad Steffen, Direktor WSL
  • Detlef Günther, Vizepräsident Forschung und Wirtschaftsbeziehungen ETH Zürich
  • Bruno Oberle, Direktor BAFU
  • Peter Binder, Direktor MeteoSchweiz
  • Bernard Lehmann, Direktor BLW
  • Benno Bühlmann, Direktor BABS
  • Barbara Galliker, Leiterin Kommunikation MeteoSchweiz

(Fotos: Hansueli Trachsel)

 

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