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Markante Schneearmut

30. Dezember 2015, 1 Kommentar
Themen: Wetter

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, die Tage werden bereits wieder länger und nicht nur Meteorologen stellen sich mehr und mehr Fragen wie: Gab es schonmal so wenig Schnee zu dieser Jahreszeit und wie geht es weiter? Der Versuch einer Antwort ist im heutigen Blog zu finden.

Schneearm, aper, Dezember '15

Vergrösserte Ansicht: Verlauf der mittleren Gesamtschneehöhe in den letzten 3 Tagen des Jahres.
Mittlere Gesamtschneehöhe an den letzten 3 Tagen des Jahres (29. bis 31. Dezember) an der Messstation in Davos (1594müNN). Noch nie in der 75jährigen Messreihe lag hier gar kein Schnee.
Bild und Daten: MeteoSchweiz

Beim Blick auf die aktuellen Gesamtschneehöhen in der Schweiz wird jedem Schneeliebhaber Angst und Bange. 0 cm Gesamtschnee in Davos, ist das wirklich so aussergewöhnlich? Davos weist eine 75jährige Schneemessreihe auf und tatsächlich: Wenn man die Gesamtschneehöhe der letzten 3 Tage des Jahres (29. bis 31. Dezember) mittelt, ist es noch nie vorgekommen, dass in der Heimat der Schweizer Lawinenforschung das Hauptbestandteil eben dieses Naturphänomens gänzlich gefehlt hat. Der bisherige Rekord stammt aus dem Dezember 1961, als im Mittel über 3 Tage nur 5 cm Schnee lagen.

Anmerkung der Redaktion: Davos wird exemplarisch auf Grund der langen Messreihe verwendet.

Wenn man die Neuschneehöhen des gesamten Monats aufsummiert, stosst man gleich auf den nächsten Rekord. Noch nie hat es in den vergangenen 75 Jahren im Dezember in Davos so wenig geschneit, nämlich ganze 3 cm. Immerhin gibt es mit Werten zwischen 5 und 7 cm Neuschnee ähnlich schneearme Beispiele aus den Jahren 1932, 1956 und 1987. Offensichtlich rettete sich hier allerdings im Unterschied zum aktuellen Jahr der Novemberschnee über Silvester hinweg.

Weitere interessante Infos zur aktuellen Schneearmut findet man im aktuellen Wochenbericht des SLF.

Ist der Winter gelaufen?

Ohne zu viel versprechen zu wollen, kann man die Frage eindeutig mit "Nein" beantworten. Es gibt zahlreiche Beispiele von ähnlich schneearmen Dezembermonaten in der Vergangenheit, die von einem schneereichen Januar oder Februar gefolgt wurden. Als Beispiele seien hier der bereits oben angeführte bisherige Rekordwinter 1961/1962 (siehe Grafik unten) sowie in der jüngeren Vergangenheit der zu Beginn ausgesprochen grüne Winter 1994/1995 (nicht dargestellt), als nach sehr verhaltenem Winterbeginn am 10. Januar 1995 mehr oder weniger über Nacht 80 cm Neuschnee fielen. Es besteht also für Schneefans klimatologisch betrachtet durchaus Grund zur Hoffnung. Und tatsächlich scheint sich die Witterung bereits in den kommenden Tagen nachhaltig umzustellen.

Neues Jahr, neues Glück

Pünktlich zum Jahreswechsel scheint sich das Wetter nun doch nachhaltig umzustellen. Eine erste schwache Störung überquert die Alpennordseite an Silvester. In der nachfolgenden Grafik sieht man für jeweils 6-Stunden-Intervalle die Wahrscheinlichkeit für mehr als 1 mm Niederschlag. Man erkennt, dass in der Nacht auf Neujahr besonders der Alpennordhang etwas abbekommen dürfte.

Jahreswechsel im Schnee?

Wer in der Neujahrsnacht lieber Schneeflocken als Feuerwerk sehen möchte, sollte mindestens auf eine Seehöhe von ca. 1000, besser 1200 Meter steigen. In den unten orange bis rot eingefärbten Gebieten werden in der Neujahrsnacht mehr als 5 cm Neuschnee erwartet. Die inneralpinen Gebiete dürften ihre schlechte Schneebilanz über Neujahr allerdings kaum verbessern.

Kommentare (1)

  1. Daniel Hernández, 30.12.2015, 22:09

    Nach einem nachhaltigen Wintereinbruch in den Bergen sieht es allerdings leider nicht aus. Bereits auf Donnerstag kommender Woche künden die neusten Läufe des amerikanischen wie des europäischen Wettermodells einen neuerlichen Warmluftvorstoss aus SW an, der dem gefallenen Schnee unterhalb 1500m bereits wieder an den Kragen gehen würde. Die eingefahrene SW-/W-Grosswetterlage des laufenden "Winters" scheint extrem persistent zu sein.