Rekordhoch Zita im Anmarsch

9. Dezember 2015, 5 Kommentare
Themen: Wetter

Wer heute morgen seine Anzeige auf dem Barometer mit dem aktuellen Wetter vor dem Fenster verglich, mag sich verwundert die Augen gerieben haben. Warum das Wetter trotz rekordverdächtig hohem Luftdruck, zumindest zeitweise trüb und nass war, erfahren Sie in diesem Blog.

Der Barometer weckt Hoffnungen...

Vergrösserte Ansicht: Das Bild zeigt einen herkömmlichen Barometer, welcher wie heute morgen einen Luftdruck über 1030 hPa anzeigte. Das weckte grosse Hoffnungen...
Ein Blick auf den Barometer heute morgen weckte grosse Hoffnungen...

Beim Blick auf den Barometer heute morgen, hätte man vor dem Fenster eigentlich sonniges Wetter erwarten müssen. Es zeigte einen Luftdruck über 1030 hPa an, das entsprechende Wetter auf dem Barometer ist meist mit 'schön' bezeichnet. Doch entgegen dieser Erwartung präsentierte sich die Landschaft wolkenverhangen und nass.

Verantwortlich dafür war eine mässig aktive Kaltfront, welche von einem Tief über dem Nordmeer über die Schweiz gesteuert wurde. Die Kaltfront brachte im Mittelland 3 bis 5 mm Niederschlag. Am Meisten wurde mit bis 20 mm entlang den östlichen Voralpen gemessen. Die Schneefallgrenze lag dabei um 1200 Meter. In engen Alpentäler, wo der Kaltluftsee der vergangenen Tage nicht ausgeräumt werden konnte, sank die Schneefallgrenze bis in den Talboden. Etwa in Innertkirchen im oberen Haslital auf 600 m.

Maskierte Kaltfront

Vergrösserte Ansicht: Die Grafik zeigt den Verlauf der wichtigsten meteorologischen Messgrössen am Standort Aadorf / Tänikon. Um 6 Uhr findet der Frontdurchgang statt. Der Wind nimmt markant zu, was auch zu einem abrupten Temperaturanstieg führt. Typisch für eine maskierte Kaltfront.
Die Grafik zeigt den Verlauf der wichtigsten meteorologischen Messgrössen am Standort Aadorf / Tänikon. Um 6 Uhr findet der Frontdurchgang statt. Der Wind nimmt markant zu, was auch zu einem abrupten Temperaturanstieg führt. Typisch für eine maskierte Kaltfront.

Und noch eine Erwartung, welche sich am heutigen Tag nicht erfüllte: Die Temperaturen hinter der Kaltfront sanken nicht etwa, sondern es wurde etwas wärmer. Es musste sich also um eine maskierte Kaltfront handeln. Diese kommen im Winter häufig vor, wenn sich bei einer ruhigen Hochdruckwetterlage durch Ausstrahlung ein flacher Kaltluftsee am Boden gebildet hat. Mit den aufkommenden Winden im Zusammenhang mit der Front, kann dieser Kaltluftsee ausgeräumt werden und durch wärmere Luft hinter der Front ersetzt werden. Somit war es auch heute relativ mild. Auf der Alpennordseite wurden Höchstwerte zwischen 7 bis 10 Grad erreicht. Auf der Alpensüdseite brachte diese Störung nur am frühen Morgen dichte Bewölkung, dahinter war es ganztags sonnig.

Auf der Alpennordseite stieg der Luftdruck im Tagesverlauf noch weiter an und erreichte Werte über 1040 hPa. Damit entstand ein Nordüberdruck, welcher dazu führte, dass sich die Bewölkung am Alpennordhang staute. Gleichzeitig kam im Tessin Nordwind auf.

Liebe Leser, ihr Barometer ist also nicht kaputt. Oft ist es so, dass nicht der absolute Wert des Barometers am Aussagekräftigsten ist, sondern viel mehr die Luftdrucktendenz. Bei fallendem Luftdruck findet also eher eine Wetterverschlechterung statt; bei steigendem Luftdruck eine Wetterverbesserung

Kommentare (5)

  1. ALU, 10.12.2015, 17:05

    Na ja, aber die Grammatik- und Orthographiekompetenz des schreibenden Meteorologen ist ziemlich kaputt ...

    1. MeteoSchweiz, 13.12.2015, 10:06

      Danke für den Kommentar.
      Die Meteorologen und Meteorologinnen sind täglich um die Qualität der Wetterprognosen, der entsprechenden Bewertungen und Interpretationen sowie Hintergrundinformationen bemüht. Dazu gehören auch Blogartikel, die korrekt sein sollen - in jeder Hinsicht. Sollten sich Grammatik- und/oder Orthographiefehler einschleichen: bitte um Nachsicht und Verständnis.

  2. Barbara Dorothea, 10.12.2015, 09:20

    Herzlichen Dank für diese spannende Info, ich hatte schon mein Barometer verdächtigt, kaputt zu sein!

    1. Heinz Forter, 11.12.2015, 09:51

      Ganz klar: auch ich finde die Beiträge immer hochinteressant, und auch mir kam der Barometerstand unwirklich vor. Habe das im vorherigen Kommentar leider einfach vergessen zu sagen.

  3. Heinz Forter, 10.12.2015, 09:07

    Da es aber immer noch zu wenig geregnet hat, würde ich fallenden Luftdruck zur Zeit als Wetterverbesserung bezeichnen, wobei diese Wertungen m.E. ohnehin problematisch sind.