Über der Inversion mild und knochentrocken

10. Dezember 2015, 2 Kommentare
Themen: Wetter

Eine ausgeprägte Inversionslage sorgte heute nördlich der Alpen für den klassischen Unterschied "unten grau - oben blau". Über der Inversion wie immer uneingeschränkt sonnig, für die Jahreszeit mild und sehr gute Fernsicht. Unter dem Hochnebel kalt und trüb. Sonne gabs im Tagesverlauf im Westen und später am Voralpenrand.

Ausgeprägte Inversionslage

Wie erwartet bildete sich in der vergangenen Nacht im Flachland der Alpennordseite wieder eine kompakte Nebelschicht, die in den Morgenstunden mit leichter Bisentendenz vielerorts vom Boden abgehoben wurde. Dank des ungewöhnlich hohen Luftdruckes lag die Obergrenze meist unter 1000 Metern, war aber dennoch nicht einheitlich hoch. Die Beobachtung um 7 Uhr morgens ergab am Säntis eine Nebelobergrenze von 600 Metern, während diejenige vom Jungfraujoch bei 800 Metern angegeben wurde. Am Vormittag schwankte die Obergrenze des Hochnebels und stieg im Raum Zürich manchmal auf knapp über 1000 Meter, so dass die Messstation auf dem Uetlibergturm auf 1016 m.ü.M. zeitweise weniger oder keine Sonne registrierte. Immerhin löste sich das Nebelgrau bis am frühen Nachmittag in der Westschweiz und im Raum Basel zum grossen Teil auf und auch in Voralpennähe wurde die feuchte Schicht ausgedünnt. Am Flughafen Zürich-Kloten machten ein paar blaue Lücken gegen Mittag hin zwar Hoffnung, allerdings war diese nur von kurzer Dauer.

Verstärkung der Inversion

Während im Bodenfeld der hohe Luftdruck bereits gestern Abend das Maximum erreichte, kam der Höhenrücken erst im Laufe des Vormittags aus Westen über den Alpenraum zu liegen und bewirkte die entsprechend starke Subsidenz. Dadurch entstand eine ausgeprägte Inversion mit sehr trockener Luft unmittelbar darüber. Beispielsweise auf dem La Dôle betrug die relative Luftfeuchtigkeit zeitweise weniger als 10%. Wer sich also über dem Nebelmeer befand konnte nicht nur Sonne pur geniessen, sondern bei klarer Luft auch noch weit in die Ferne blicken. Und damit nicht genug, man wurde auch noch mit milden Temperaturen belohnt. Während auf dem Napf (1404 m.ü.M.) knapp 8 Grad registriert wurde, verharrte die Temperatur in den Nebelgebieten zwischen 0 und 3 Grad. In den grösseren Alpentälern wie im Rhone- oder Rheintal verhalf schwacher Bergwind zu ähnlich milden Temperaturen wie in der Höhe.

Aussergewöhnlich hoher Luftdruck

Der hohe Luftdruck von über 1042 hPa, der gestern Abend nördlich der Alpen gemessen wurde, ist übrigens im Dezember recht selten und gehört zu den 10 höchsten Dezemberwerten in den letzten 60 Jahren. Üblicherweise sind im Dezember veränderliche Wetterlagen mit eher tieferem Druck anzutreffen. Aussergewöhnlich kräftige Hochdrucklagen sind zwischen Januar und März anzutreffen, da insbesondere im Januar und Februar bei sehr tiefen Temperaturen kaum mehr Nebelbildung stattfindet und die dadurch die hohe Luftdichte den zusätzlichen Beitrag zum hohen Luftdruck leistet. Am 15. Februar 1959 erreichte der Luftdruck auf Meereshöhe reduziert einen Wert um 1045 hPa, am 16. Januar 1882 betrug dieser sogar über 1047 hPa.
Die ungewöhnliche Hochdrucklage diesen Dezember dauert nun schon 10 Tage. Zum Beispiel am Flughafen Zürich-Kloten ist der Luftdruck auf Meereshöhe reduziert seit dem 1. Dezember immer über dem Wert von 1030 hPa geblieben.

Kommentare (2)

  1. Clemens, 11.12.2015, 16:49

    Bin beeindruckt von der Bodendruckkarte aus 1882. Wieviel Arbeit wohl in einer solchen Karte steckte? Ohne online Daten, rudimentäres Telefonnetz, keine Satellitendaten, keine Modellrechnungen...
    Danke für das interessante Fundstück!

    1. MeteoSchweiz, 13.12.2015, 09:56

      Gerne gemacht. MeteoSchweiz wünscht einen guten Tag.