Wie heftig war Sturm Niklas wirklich

1. April 2015, 1 Kommentar
Themen: Klima

Die Schweiz lag Ende März mehr als zwei Tage in einer kräftigen Westwindströmung. Am 31. März erreichten die Windspitzen im Mittelland 90 bis 110 km/h, in Gipfellagen über 160 km/h. An den zwei Tagen zuvor stiegen sie im Mittelland auf 80 bis 90 km/h, in den Bergen auf über 150 km/h.

Vielleicht war es die längere stürmische Phase, welche bei vielen den Eindruck einer ungewöhnlichen, ja ausserordentlichen März-Sturmtätigkeit erweckte. Doch weit gefehlt, ist doch der März nicht selten ein recht stürmischer Bursche, wie ein Blick in die Aufzeichnungen der MeteoSchweiz offenlegt.

Etwa alle vier Jahre über 100 km/h

Im März sind im Mittelland der Schweiz an leicht erhöhten Lagen etwa alle vier Jahre Windspitzen von 100 km/h oder mehr zu erwarten, wie die Datenreihe der Messstation Zürich-Fluntern auf 556 m ü.M. zeigt (Abb. 1). Ab Mitte der 1980er Jahre bis zum Jahr 2001 folgten sich Märzspitzen von 100 km/h oder mehr sogar häufig alle drei Jahre. Anschliessend ist es im März etwas ruhiger geworden.

Stürmische März-Monate

Der Monat März hat in der Vergangenheit hin und wieder für sehr stürmische Verhältnisse gesorgt. Verbreitet schwere Waldschäden hinterliess der März-Sturm im Jahr 1967.  Am Messstandort Zürich-Fluntern war es die bis dahin höchste je hier gemessene Windspitze. Dies nachdem bereits im Februar 1967 mehrere starke Stürme über die Schweiz fegten, und vor allem jener vom 23. Februar massive Waldschäden verursachte. Und die Sturmserie riss auch in den beiden folgenden Monate nicht ab. Im April 1967 fegte ein Weststurm mit Windspitzen von 100 km/h über die Alpennordseite, und am 25. Mai 1967 brach abends ein Sturm mit Spitzen zwischen 100 und 130 km/h über die Nordostschweiz herein.

Hohe Windgeschwindigkeiten lieferte auch auch der März 1986. Am 24. erreichten die Windspitzen am Genfersee und am Bodensee über 120 km/h, in Basel knapp 140 und in Schaffhausen und Zürich über 140 km/h.

Anhaltend stürmisch zeigte sich der März 1995. Am Messstandort Zürich-Fluntern stiegen die Windspitzen am 18. und 19. sowie am 27. und 29. März über 100 km/h.

Letztmals sehr stürmisch kam der März 2008 daher, und zwar gleich zum Monatsbeginn. Am Morgen des 1.03. gab es im Flachland der Nord- und Ostschweiz Böenspitzen zwischen 120 und 130 km/h, in Gipfellagen zwischen 150 und knapp 180 km/h. Stürmisch wurde es nochmals am 12. März 2008 mit Windspitzen im Flachland zwischen 90 und 100 km/h und in den Bergen bis über 150 km/h.

Der März-Sturm im Jahresvergleich

Über das ganze Jahr betrachtet, also nicht nur für den Monat März, sind die am 31. März 2015 gemessenen Böenspitzen nichts aussergewöhnliches. Im Flachland ist ein solches Windereignis etwa alle 1 bis 2 Jahre zu erwarten. Lokal gab es Böen, welche am betreffenden Standort nur alle 5 bis 6 Jahre auftreten, so zum Beispiel in Zürich-Affoltern (REH, Abb. 2).

Auch in den Bergen war der Sturm nicht speziell spektakulär. Die auf dem Säntis gemessene Windspitze von 160 km/h (Abb. 2) tritt auch hier etwa alle 1 bis 2 Jahre auf.  Die 150 km/h auf dem Pilatus sind etwa alle 4 bis 5 Jahre zu erwarten.

Kommentare (1)

  1. Marco, 03.04.2015, 19:20

    In den deutschen Medien wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass die Ausdehnung des Sturmes aussergewöhnlich war und es nur selten vorkommt, das fast im gesamten Bundesgebiet Sturm, - und vielerorts sogar Orkanböen gemessen wurden. Aus wurde betont, dass es vielerorts über eine Zeitraum von 12 Stunden immer wieder zu Sturmböen kam, was auch nicht 'üblich' ist, meist ist der Bereich wo die höchsten Windspitzen verzeichnet werden nur kurz bei Kaltfrontdurchgang, doch diesmal kam es auch noch Stunden später zu Orkanben, so z.B. in München. Diesbezüglich war NIklas europweit betrachtet schon ein spezieller Sturm.