Mai mit Rekord-Nässe - sehr milder Frühling

29. Mai 2015, 3 Kommentare
Themen: Klima

Bereits in den ersten sechs Mai-Tagen fielen auf der Alpennordseite und im Unterwallis grosse Niederschlagsmengen. Einzelne Regionen erhielten dabei mehr als die normale Mai-Summe. Weitere kräftige Niederschläge folgten verbreitet zur Monatsmitte. Am 19. und 20. traf es vor allem die Alpensüdseite, den Kanton Graubünden sowie die Zentralschweiz. Entlang des östlichen Alpennordhangs regnete es abermals kräftig vom 25. auf den 26. Mai.

Auf der Alpennordseite erreichten die Monatssummen meist 110 bis 160 Prozent, vereinzelt auch gegen 180 Prozent der Norm 1981–2010. In den Alpen lagen die Werte verbreitet zwischen 130 und 180 Prozent, lokal auch um oder sogar über 200 Prozent der Norm. Unterdurchschnittliche Mengen erhielten die Nordwestschweiz sowie regional die Alpensüdseite.

Regen-Rekorde

Der Mai 2015 lieferte an mehreren Messstandorten mit längeren Messreihen Rekord-Niederschlagssummen, vor allem in den Westalpen und im Berner Oberland. Einige davon zeigt die nachfolgende Grafik. An zahlreichen Messstandorten mit längeren Messreihen wurde zudem der zweit oder dritt nasseste Mai registriert.

Sehr milde erste Monatshälfte

Vergrösserte Ansicht: 5. Mai 2015, 8.00 Uhr, Bern, Blick von der Kornhausbrücke, Restaurant Altenberg
5. Mai 2015, 8.00 Uhr, Bern, Blick von der Kornhausbrücke, Restaurant Altenberg

Während des regenreichen Mai-Beginns gelangte mit den feuchten Luftmassen aus Südwesten auch viel Wärme in die Schweiz. Vom 3. bis zum 5. lagen die Tagesmittel-Temperaturen in Tieflagen verbreitet 3 bis 5 Grad, in höheren Lagen 5 bis 8 Grad über der Norm 1981–2010. Die ab dem 10. einsetzende, sonnige Hochdruckperiode brachte vom 11. bis am 13. verbreitet Tagesmittel von 4 bis 9 Grad über der Norm. Am 12. und 13. stiegen die Tageshöchstwerte im Flachland der Alpennordseite und im Wallis auf 27 bis 30 Grad. Auf der Alpensüdseite erreichten die Höchstwerte am 14. um 27 Grad.

Temperatursturz

Ein massiver Polarlufteinbruch aus Nordwesten liess die Tagesmitteltemperatur am 15. verbreitet 3 bis 7 Grad unter die Norm fallen. Mit ergiebigen Niederschlägen schneite es im Bündner Oberland, am zentralen Alpennordhang, im Berner Oberland und im Oberwallis bis auf 1000 m hinunter, lokal auch deutlich tiefer. So wurde Schneefall in Interlaken (577 m ü.M.) oder auch in Visp (639 m ü.M.) beobachtet.

Kühl verlief auch die Periode vom 19. bis am 27. Mai. Während des Durchzugs eines Höhentiefs am 20. und 21. bewegten sich die Tagesmittel-Temperaturen im Norden 4 bis 7 Grad, im Süden 2 bis knapp 5 Grad, und in Berglagen 6 bis 9 Grad unter der Norm 1981–2010. In den Bergen gab es grössere Neuschneemengen und die Schneefallgrenze sank bis gegen 800 m hinunter.

Nach einem Kaltfrontdurchzug aus Nordwesten lagen die  Tagesmittel-Temperaturen am 26. und 27. im Norden verbreitet 3 bis knapp 5 Grad unter der Norm. Auf der Alpensüdseite war es derweil mit Nordwind sonnig, die Tagesmittel-Temperaturen stiegen 1 bis 2.5 Grad über die Norm 1981–2010, und die Tageshöchstwerte erreichten wieder 23 bis knapp 25 Grad.

Insgesamt milder als die Norm

Über die ganze Schweiz gemittelt wird der Mai etwa 0.7 Grad zu mild ausfallen. Auf der Alpensüdseite zeichnet sich ein Monatsüberschuss im Bereich von 1.5 Grad ab. Im Westen ist ein Überschuss um 1.0 Grad und im Osten von 0.3 Grad zu erwarten.

Vegetation mit rund einer Woche Vorsprung

Anfang Mai blühten verbreitet die Rosskastanien, je nach Station normal bis sehr früh im Vergleich zum Mittel 1981–2010. Auch die Blüte der Margeriten und der Nadelaustrieb der Fichten konnten normal bis sehr früh beobachtet werden. Die Blattentfaltung der Buchen, die Blüte des Löwenzahns und der Nadelaustrieb der Lärchen setzte sich in Höhenlagen oberhalb von 1000 m ü.M. fort. Der phänologische Frühsommer beginnt mit der Blüte des Schwarzen Holunders. Erste Meldungen aus dem Tessin und dem Mittelland  liegen vor.

Sehr milder Frühling

Der Frühling 2015 war in der Schweiz rund 1 Grad zu mild im Vergleich zur Norm 1981–2010. Alle drei Frühlingsmonate zeigten sich überdurchschnittlich warm. Im März und April stiegen die Monatstemperaturen im landesweiten Mittel 1.2 Grad bzw. 1.4 Grad, im Mai 0.7 Grad über die Norm.

Den grössten Wärmeüberschuss brachte der Frühling auf der Alpensüdseite, im Wallis sowie auf den westlichen Alpengipfeln mit Werten von 1.3 bis 1.6 Grad über der Norm 1981–2010. Auf der Alpennordseite bewegten sich die Überschüsse zwischen 0.9 und 1.2 Grad.

Alpensüdseite trocken

Während der Monate März und April blieben die Niederschlagsmengen auf der Alpensüdseite deutlich unterdurchschnittlich. Auch im Mai wurde hier an einigen Messstandorten die Norm nicht erreicht. Insgesamt fielen auf der Alpensüdseite im Frühling schliesslich nur 55 bis 80 Prozent der normalen Niederschlagsmengen.

Regional etwas zu trocken war der Frühling auch in der Nordwestschweiz mit Werten zwischen 80 und 100 Prozent der Norm 1981–2010. In der übrigen Schweiz gab es vor allem im Mai verbreitet weit überdurchschnittliche Niederschlagsmengen. Starkniederschläge zum Monatsbeginn führten regional zu Überschwemmungen und Erdrutschen. Weitere kräftige Mai-Niederschläge ergaben hier schliesslich Frühlingssummen zwischen 110 und 140 Prozent der Norm.

Sonnige Frühlingmitte

Ausgesprochen viel Sonne erhielt die ganze Schweiz zur Frühlingsmitte im Monat April. Auf der Alpennordseite lieferte auch der März eine überdurchschnittliche Sonnenscheindauer. Der Mai hingegen blieb in den meisten Regionen unter dem Durchschnitt. Nur die Alpensüdseite registrierte etwa normale Werte. Dank dem sehr sonnigen April erreichte die Sonnenscheindauer im Frühling insgesamt in der ganzen Schweiz zwischen 100 und 120 Prozent der Norm 1981–2010, auf Voralpen- und Juragipfeln zum Teil auch etwas mehr.

Klimabulletin März 2015

Klimabulletin April 2015

Kommentare (3)

  1. josua, 29.05.2015, 20:03

    stimmt es, dass regenreiche Monate meist auch milde Monate sind, weil die Abkühlung in der Nacht nur beschränkt stattfindet?

    1. MeteoSchweiz, 08.06.2015, 12:01

      Betrachtet man alle Monate seit dem Jahr 1900 am Messstandort Zürich-Fluntern, so zeigte sich das folgende Bild:
      Von den insgesamt 589 Monaten mit überdurchschnittliche Regenmengen brachten 278 überdurchschnittliche Temperaturen und 298 unterdurchschnittliche Temperaturen. Die Aussage, dass regenreiche Monate auch meist milde Monate sind, stimmt zumindest für den Messstandort Zürich-Fluntern also nicht.

  2. Werner Zaugg Ins, 29.05.2015, 14:15

    Wann endlich merken wir Erdenbürger, in welcher Schieflage bezüglich Klimaveränderung wir stecken? Die grosse Mehrheit der Profis blicken mit ihren Prognosen auf den Abgrund hinunter (ETH-Professoren Gunzinger, Knutti, .. (z.B.http://www.eth.ch/de/ ..Klimawandel). Aber wer unter uns Laien die Sinne offen hat, erkennt die "Menetekel", praktisch Tag für Tag.
    Meine Motivation für meinen Einsatz ist unsere sechsjährige Enkelin.