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Sehr warmer Juni

29. Juni 2015
Themen: Klima

Die Schweiz erlebte den viertwärmsten Juni seit Messbeginn 1864. Über die ganze Schweiz gemittelt erreichte der Temperaturüberschuss 1.8 Grad im Vergleich zur Norm 1981–2010. Die sehr unterschiedliche Gewittertätigkeit brachte entsprechend unterschiedliche Niederschlagssummen. Während auf der Alpensüdseite und im Genferseegebiet zum Teil nur rund die Hälfte der normalen Junimenge fiel, gab es in der Ostschweiz regional 150 bis 190 Prozent der Norm.

mischa.croci-maspoli@alumni.ethz.ch

Anhaltende Wärme in der ersten Juniwoche

Der Juni 2015 startete mit sonnigem Hochdruckwetter. Die Tagesmittel-Temperaturen lagen während der ersten Juniwoche in der ganzen Schweiz deutlich über der Norm 1981–2010. Die grössten Überschüsse von verbreitet 5 bis 8 Grad, vereinzelt gar über 9 Grad, gab es zwischen dem 03. und 07. Juni. Die Tagesmaximum-Temperaturen erreichten beidseits der Alpen 30 bis 33 Grad.

Die hochsommerliche Wärmeperiode endete mit kräftigen Gewittern verbunden mit Starkniederschlägen und Hagel. Besonders heftig traf es am 06. Juni das Aaretal zwischen Thun und Bern und am 07. die Region von der Innerschweiz über das Reusstal bis ins Limmattal. Die starken Gewitterregen führten lokal zu Überschwemmungen.

Eine Bisenlage brachte anschliessend vom 08. bis 10. Juni kühlere und zum Teil stark bewölkte Verhältnisse. Auf der Alpennordseite sanken die Tagesmittel-Temperaturen verbreitet 1 bis 3 Grad unter die Norm 1981–2010, auf der Alpensüdseite und in den Bergen blieben sie meist 1.5 bis 3.5 Grad darüber.

Nochmals viel Wärme zur Monatsmitte

Mit der Umstellung auf eine Südwestlage floss vom 11. bis am 14. Juni feucht-warme, zu Gewittern neigende Mittelmeerluft zu den Alpen. Die Tagesmittel-Temperaturen stiegen verbreitet 3 bis 5 Grad, in den Föhngebieten 6 bis knapp 8 Grad über die Norm. Auf der Alpensüdseite brachte die Südwestströmung zunehmend Staubewölkung mit Niederschlag, und die Tagesmittel-Temperaturen lagen nur noch wenig über oder sogar etwas unter der Norm. Die Tagesmaximum-Temperaturen erreichten im Norden nochmals 28 bis 30 Grad, im Süden 27 bis 29 Grad.

Extreme Gewitterniederschläge

In der feuchtwarmen Luftmasse entwickelte sich am 14. Juni in der ganzen Schweiz eine intensive Gewitteraktivität. Besonders heftige Gewitterniederschläge gab es dabei in der Ostschweiz zwischen Winterthur und Bodensee. In wenigen Stunden fielen hier 40 bis 110 mm Regen, was lokal massive Überschwemmungen nach sich zog.

Am Messstandort  Güttingen wurden mehrere Niederschlagsrekorde gebrochen. Innerhalb einer Stunde fielen 54.7 mm Regen. Der bisherige Rekordwert aus dem Jahr 1999, ebenfalls am 14. Juni registriert, erreichte hier 48.9 mm. Mit den 54.7 mm wurde die fünft höchste Stundensumme im Schweizerischen Mittelland gemessen, seit 1981 die automatische Niederschlags­messung eingeführt wurde.

Innerhalb von drei Stunden gingen am Messstandort Güttingen 69.6 mm nieder. Das lässt den bisherigen 3-Stunden-Rekord von 51.4 mm vom 14. Juni 1999 weit hinter sich. Auf der Ebene der Tagessumme (Morgenmessung bis Morgenmessung) ergab sich schliesslich mit 109 mm ebenfalls ein neuer Rekord. Der bisherige Rekord von 86.9 mm stammt vom 7. August 1978. Tagessummen sind am Messstandort Güttingen seit 1976 verfügbar.

Zu guter Letzt wurde auch im Bereich des 10-Minuten Intervalls ein Spitzenwert erreicht. Gefallen sind in Güttingen am 14. Juni 2015 innerhalb von 10 Minuten maximal 20.8 mm. Dieselbe Menge gab es hier am 30. Juli 1993. Der nächst tiefere Wert vom 27. September 2013 liegt bei 15.9 mm.

Ein sehr seltenes Ereignis

Die während des Gewitters vom 14. Juni 2015 gemessenen Niederschlagsmengen stellen für den Messstandort Güttingen ein sehr seltenes Ereignis dar. Alle erreichten Extremwerte, von der 10-Minutensumme über die Stunden- und die 3-Stundensumme bis hin zur Tagessumme, sind gemäss den vorliegenden extremwertstatistischen Analysen nur alle 50 bis 100 Jahre zu erwarten.

Anhaltend kühl und regnerisch, in den Bergen Schnee

Vom 15. bis zum 23. Juni war die Witterung vorwiegend tiefdruckbestimmt und die Tagesmittel-Temperaturen blieben mehrheitlich unter der Norm 1981–2010. Mit dem Durchzug einer Kaltfront aus Nordwesten sank die Schneefallgrenze am 18. gegen 2500 m hinunter, in der anhaltenden feuchtkühlen Nordwestströmung am 20. Juni im Osten sogar unter 2000 m. Die Tagesmittel-Temperaturen lagen am 20. und 21. auf der Alpennordseite verbreitet 3 bis 4.5 Grad, vereinzelt auch 5 bis 6 Grad unter der Norm. Die Tagesmaximum-Temperaturen erreichten im Osten nur noch 17 bis 19 Grad, im Westen mit mehr Sonne 21 bis 24 Grad. Auf der Alpensüdseite hingegen gab es mit Nordwind und deutlich mehr Sonne bis 26 Grad.

Eine weitere Kaltfront aus Nordwesten liess die Tagesmittel-Temperaturen am 23. Juni im Norden abermals 2.5 bis 4.5 Grad unter die Norm sinken. Die Tagesmaximum-Temperaturen blieben dabei im Norden meist unter 20 Grad, während auf der Alpensüdseite, wiederum mit Nordwind, sommerliche  27 bis 28 Grad gemessen wurden.

Wieder sonnig und warm

Ab dem 24. Juni kehrten mit zunehmendem Hochdruckeinfluss die sonnigen Verhältnisse zurück. Gegen Monatsende erreichten die Tagesmaximum-Temperaturen auf der Alpennordseite 25 bis 29 Grad, im Wallis und auf der Alpensüdseite 30 Grad.

Der Juni ist der Monat der Lindenblüte

Während der sehr warmen ersten Monatshälfte begann die Blüte der Sommerlinden mit einem Vorsprung von rund 10 Tagen auf das Mittel von 1981-2010. Bis zum aktuellen Zeitpunkt wurden blühende Sommerlinden bis gegen 900 m ü. M. beobachtet. Die etwas später blühenden Winterlinden begannen ab der zweiten Monatshälfte zu blühen. In Höhenlagen zwischen 600 und 1200 m blühte der Schwarze Holunder, rund eine Woche früher als im Mittel.

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