Ende der Hitzewelle in Sicht - eine Zwischenbilanz

23. Juli 2015, 12 Kommentare
Themen: Wetter

Die zweite Hitzewelle, die in diesem Jahr die Schweiz erreicht hat, kommt zu einem Ende. Diese Hitzewelle war südlich der Alpen eine der extremsten seit 150 Jahren.

Der Monat Juli war besonders heiss

In den Niederungen der Alpensüdseite haben die Temperaturen, ausser an vier Tagen, die 30 Grad Marke täglich überschritten. Nach einer ersten Hitzewelle, die vor allem auf der Alpennordseite sehr ausgeprägt war, hat sich die zweite Hitzewelle ab dem 14. Juli vor allem auf der Alpensüdseite deutlich bemerkbar gemacht.

Die Maximaltemperatur von 36.8 Grad auf der Alpensüdseite wurde gestern am 22. Juli 2015 in Locarno-Monti gemessen. Dieser Wert ist der dritthöchste der seit dem Messbeginn 1935 dort registriert wurde.

Auffallend in der diesjährigen Hitzewelle sind weniger die Rekordtemperaturen, sondern vor allem die Dauer. In Locarno-Monti wurde mit gestern der zwölfte aufeinanderfolgende Tag mit über 30 Grad gemessen. Eine so lang andauernde Hitzeperiode wurde in den vergangenen 80 Jahrennoch nie aufgezeichnet. In der Stadt Lugano wo MeteoSchweiz seit 1864 gemessen wird, betrug der Mittelwert der Tageshöchsttemperaturen in den sieben Tagen zwischen dem 16. und dem 22. Juli 2015 32.8 Grad. Dies entspricht dem dritthöchsten Mittelwert seit Juli/August 1947 und dem vom August 2003.

Seit Anfang der zweiten Hitzewelle sind die Durchschnittstemperaturen zwischen 4 und 6 Grad höher als der klimatologische Julidurchschnitt. Somit steuert der  Juli 2015 auf einen Temperaturrekord zu, zumindest für die Alpensüdseite. Damit würde dieser Juli auch die Monate August 2003 sowie Juli 1928 übertreffen.

Ende der Warnung für die Hitzewelle

Das Hochdruckgebiet, welches in den vergangenen Tage und Wochen für das Wetter in der Schweiz und auf der Alpensüdseite wetterbestimmend war, schwächt sich weiter ab. Eine aktive Störungszone mit vorgelagerten Gewittern wird den Alpenraum in der Nacht von Freitag auf Samstag überqueren. Dies wird die Luftmasse im Norden nach einer kurzen Erwärmung erneut abkühlen und auch auf der Alpensüdseite werden die Temperaturen sinken. Die Warnung der Stufe 4 für die Hitzewelle wird dementsprechend morgen Freitag aufgehoben.

Nach 2003 erneut ein glühend heisser Sommer

Die hohen Temperaturen führen unweigerlich zu einem Vergleich mit dem Sommer 2003. Der Sommer 2003 war gekennzeichnet durch zwei aussergewöhnliche Hitzephasen sowohl im Juni wie auch im August. Insgesamt wurden während des Sommers 2003 47 Hitzetage in Lugano und 56 Hitzetage in Locarno verzeichnet. (Als Hitzetage werden Tage bezeichnet, an denen die Höchsttemperatur 30 Grad und mehr erreicht.) Im Sommer 2015 wurden bis zum 23. Juli 19 Hitzetage in Lugano und 25 in Locarno registriert. Die Differenz erklärt sich durch den Juni 2015, der zwar warm, aber deutlich kühler als der Juni 2003 war.

Berücksichtigt man die tieferen Temperaturen des Juni 2015, so ist es wahrscheinlich, dass der Sommer 2015 – zumindest statistisch gesehen – nicht wie der Sommer 2003 wird. Dazu wäre es nötig, dass sich die momentane Hitzewelle im August nochmals für ganze 4 Wochen zurückmelden würde. Aus klimatologischer Sicht besteht im Alpenraum kein Zusammenhang zwischen den Monaten. Das soll heissen, dass auf einen heissen Juli auch ein kalter August folgen kann, wie es zum Beispiel 2006 der Fall war. Damals folgte auf einen heissen Juli der kälteste August seit 1928. Die erste Tendenz der Monatsvorhersagen der Wettermodelle für den August deuten Temperaturen über der Norm an, jedoch nicht so extreme wie während der letzten Tage. Folglich dürfte der Sommer 2015 den Sommer 2003 nicht übertreffen, aber ziemlich sicher den zweiten Platz in der Rangliste der wärmsten Sommer einnehmen. Dies nicht nur im Tessin, sondern in der gesamten Schweiz.

Auch wenn insgesamt der Sommer 2015 wohl nicht der wärmste Sommer aller Zeiten wird, so ist die jetzt zu Ende gehende Periode auf der Alpensüdseite als aussergewöhnlich zu betrachten. Sie passt ins Bild der seit mehreren Jahrzehnten auch in der gesamten Schweiz registrierten globalen Erwärmung.

Waldbrandgefahr

Zu erwähnen ist weiterhin, dass Aufgrund der anhaltenden Trockenheit diverse Kantone ein Feuerverbot im Freien erlassen haben. Weitere Informationen finden sich auf www.waldbrandgefahr.ch.

Kommentare (12)

  1. Stefan Keller, 06.09.2015, 22:17

    Gibt es die Möglichkeit, mir den bisherigen Jahresverlauf von St. Moritz (Messtelle) oder des Engadins zu vermitteln?

    1. MeteoSchweiz, 07.09.2015, 16:41

      Von verschiedenen Messstationen des Schweizer Klimanetzwerks (Swiss NBCN) stehen langjährige homogene Monatswertreihen des Temperaturmittels und der Niederschlagssumme zur Verfügung. Die Stationen decken alle grossen Klimaregionen der Schweiz ab. Im Engadin verfügen wir über die Werte von Segl-Maria:
      http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/klima/vergangenheit/homogene-monatsdaten.html
      Wir sind auch daran, die Jahresverlaufsgrafiken bei den Messwerten an Stationen aufzubereiten und auf der Website zur Verfügung zustellen. Es sollte bis Ende September 2015 umgesetzt sein.

  2. Erwin, 26.08.2015, 20:12

    würde mich interessieren, wieviele Tropennächte wir in der Nordschweiz diesen Sommer hatten.

    1. MeteoSchweiz, 27.08.2015, 11:03

      Wir können folgende Anzahl Tropennächte melden:

      St.Gallen: 8
      Zürich-Kloten: 0
      Zürich-Fluntern: 7
      Basel: 9
      Bern: 0
      Genf: 4
      Lugano: 28.

  3. Chris, 26.07.2015, 08:59

    Vom 11.7.-25.7.15 durfte ich die Hitzewelle in Lugano selbst miterleben. Die Tmax waren nicht so aussergewohnlich hoch, jedoch lag die Tmin über den gesamten Zeitraum auf rekordverdächtig hohem Niveau von stets >22 Grad. Gab es da schon höhere Tmin Werte über den gesamten Juli? Ich denke vorallem daraus resultiert schliesslich auch der hohe Mittelwert.

    1. MeteoSchweiz, 27.07.2015, 14:46

      Lugano verzeichnete im Juli 2015 bisher 21 Tropennächte (Tmin 20 Grad oder höher), im August 2003 (Rekord-Hitzesommer) waren es 19 Tropennächte. Die mittlere Minimum-Temperatur aller Tropennächte beträgt im aktuellen Juli in Lugano 22.1 Grad, im August 2003 lag sie bei 21.8 Grad. Im Mittel lieferten die beiden Hitzeperioden also eine etwa gleich warme Tropennacht-Periode.

      Der aktuelle Juli brachte allerdings in Lugano mehr sehr warme Nächte:

      Nächte mit Tmin 23 Grad oder höher: 2015: 4; 2003: 5

      Nächte mit Tmin 22-22.9 Grad: 2015: 9; 2003: 4

      Nächte mit Tmin 21-21.9 Grad: 2015: 5; 2003: 3

      Nächte mit Tmin 20-20.9 Grad: 2015: 3; 2003: 7

  4. Peter, 24.07.2015, 17:15

    Kommentar und Bild (Verlauf der bisher gemessenen ...) stimmen nicht überein. Wo zB sind die schwarzen gestrichelten Linien zu sehen?

    1. MeteoSchweiz, 27.07.2015, 10:27

      Legende ist jetzt richtig platziert. Danke für den Hinweis.

  5. Mike (Basel), 23.07.2015, 21:14

    Mich irritieren die homogenisierten Mittelwerte für Lugano. Die Mitteltemperatur vom August 2003 wird neu mit 24.7 °C angegeben.
    http://www.meteoschweiz.admin.ch/produc ... mo_LUG.txt
    In den Annalen der Meteoschweiz 2003 steht aber noch ein Wert von 25.1 °C drin.
    Was hat sich denn da in der Zwischenzeit geändert, dass der Wert um 0.4 K reduziert werden musste? Bei der Analyse der Stationskoordinaten sieht es so aus, als wurde 2003 noch auf dem Dach des 'Museo Cantonale di storia naturale' gemessen.

    1. MeteoSchweiz, 24.07.2015, 15:18

      Grund für die Homogenisierung der Periode 5.2002-12.2003 (Reduktion der Werte um ca. 0.4 °C) war ein fehlerhaftes Messinstrument, welches, bestätigt durch Vergleichsmessungen in der genannten Periode, ca. 0.4 °C zu hohe Messwerte lieferte.

  6. Thomas, 23.07.2015, 20:42

    Zur Abbildung: Müsste es nicht eher heissen "es ist zu 98% wahrscheinich, dass der Temperaturverlauf innerhalb der gestrichelten Linien bleibt und dies der zweitwärmste Somer seit 150 Jahren wird". Im Fall, dass die rote Linie eintrifft, wäre es doch zu 100% sicher..?

    Zudem erstreckt sich die Vorhersage doch nicht über drei Wochen, sondern über etwas mehr als 5 Wochen (bis Ende August).

    1. MeteoSchweiz, 24.07.2015, 15:20

      Die korrekte Bildlegende ist: Verlauf der bisher gemessenen und vorhergesagten Sommertemperaturen (Juni bis August) 2015 in rot (immer als Mittel über die Tage ab Monatsbeginn) im Vergleich mit dem Verlauf in der Normperiode 1981‒2010 (grau). Die Temperatur liegt den ganzen Sommer deutlich über der Erwartung aus der Normperiode und das erwartete Sommermittel 2015 (Ende der roten Linie) deutet auf das zweitwärmste Sommermittel seit 1864 hin. Die schwarzen Linien zeigen die Unsicherheit der Prognose. So liegen 95% der Vorhersagen innerhalb der schwarzen gestrichelten Linien. Die meisten Vorhersagen halten also den zweitwärmsten Sommer (hinter dem Sommer 2003) für wahrscheinlich.