Der wärmste Monat aller Zeiten - die Übersicht

4. August 2015, 15 Kommentare
Themen: Klima

Der Hitze-Juli ist Geschichte, die Daten sind komplett vorhanden – Zeit für eine Übersicht zum Rekordgeschehen: Wo genau brachte der Juli die höchsten Monatstemperaturen aller Zeiten? MeteoSchweiz präsentiert in der nachfolgenden Tabelle die umfassende Antwort.

Der Juli 2015 schlug im Engadin, auf der Alpensüdseite, im Wallis und in der Westschweiz verbreitet alle bisherigen Monatsrekorde. Lokal lieferte er hier eine um 1 Grad oder nahezu 1 Grad höhere Monatstemperatur gegenüber dem bisherigen Höchstwert. An einzelnen Messstandorten wurde der bisherige Monatsrekord hingegen nur knapp überboten oder sogar nur egalisiert. In der übrigen Schweiz erreichte der Juli 2015 nur punktuell Rekordwerte.

Die höchsten bisherigen Monatstemperaturen stammen in der Schweiz überwiegend vom Juli 2006 und vom August 2003. Ganz vereinzelt treten noch der Juni 2003 und der Juli 1983 als Rekordhalter auf.

Kommentare (15)

  1. Mike (Basel), 08.08.2015, 12:55

    Ich habe mal die hier angegebenen Rekorde auf der rechten Seite (Rekorde bisher) mit den abgedruckten Werten in den jeweiligen Jahrbüchern verglichen. Da gibt es doch zum Teil grössere Unterschiede.
    Comprovasco: 22.3 °C vs. 22.5 °C (Annalen 2003)
    Lugano: 25.0 °C (1928) vs. 25.1 °C (Annalen 2003)
    Aigle: 21.9 °C vs. 22.2 °C (Annalen 2003)
    Bern/Zollikofen : 21.8 °C vs. 22.1 °C (Annalen 2006)
    Nyon/Changins: 23.6 °C vs. 23.8 °C (Annalen 2003)
    Interlaken : 21.7 °C vs. 20.9 °C (Annalen 2003)
    Sehr frustrierend, wenn man sich diese teuren Jahrbücher gekauft hat und ein paar Jahre später, die Daten ihre Gültigkeit verloren haben. Müsste man jetzt alle wieder neu kaufen, um auf dem neuesten Stand zu sein.

    1. MeteoSchweiz, 10.08.2015, 13:19

      Die Messbedingungen, unter welchen meteorologische Daten erhoben werden, können sich im Lauf der Zeit verändern. Nur wenn der Einfluss solcher Veränderungen aus den Daten entfernt wird, lassen sich Aussagen zur vergangenen, langjährigen Klimaentwicklung machen. Dies wird mittels Homogenisierung der Daten erreicht. So hat zum Beispiel die Messstation Bern seit dem Hitzesommer 2003 ein grosse Verschiebung erfahren (früher Bern-Liebefeld, heute Bern-Zollikofen). Die Homogenisierung erfolgt immer auf den aktuellen Standort. Mit der Homogenisierung ergibt sich also eine Änderung der früheren Werte, entsprechende so, dass sie mit den Bedingungen am heutigen Messstandort vergleichbar sind.

      http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/klima/vergangenheit/homogene-monatsdaten/homogenisierung.html

      Im Hinblick zum Beispiel auf solche Stationsverschiebungen wäre es also unwissenschaftlich, die früheren Messwerte als Referenz zu verwenden. Der Nutzer von meteorologischen/klimatologischen Daten muss sich also mit dieser Problematik auseinander setzen und darf insbesondere keinesfalls davon ausgehen, dass einmal gedruckte Werte eine immerwährende Referenz darstellen.

    2. Mike (Basel), 10.08.2015, 18:32

      Was Homogenisierungen sind, ist mir klar. Dass diese Reduktionen auf monatliche Mittelwerte angewendet werden auch. Homogenisierte Mittelwerte variieren in einem bestimmten Gebiet eher schwach. Bei der Variabilität von Extremwerten sieht es aber ganz anders aus. Die können auch in einem kleinem Gebiet (Mikroklima) stark unterschiedlich sein. Warum MeteoSchweiz dann aber Extremwerte statistisch ableitet, ist mir ein Rätsel.
      In den Annalen der MeteoSchweiz 2003 steht bspw. der Rekordwert von 37.0 °C für Bern-Liebefeld drin. Im Blog vom 07.07.2015 wurde aber nun verkündet, dass in Bern der bisherige Rekord aus dem August 2003 von 36.7 Grad um 0.1 Grad überschritten wurde. Woher kann man heute mit Gewissheit sagen, dass in Bern-Liebefeld damals statt 37.0 °C neu nun 36.7 °C gemessen worden wären. Parallelmessungen gab es ja glaube ich nicht. Wurde der Wert statistisch abgeleitet oder war da auch das Messgerät nicht in Ordnung.

    3. MeteoSchweiz, 11.08.2015, 16:23

      Guten Tag Mike (Basel): Besten Dank für Ihre ausführlichen Bemerkungen/Fragen. Ein Klimatologe von MeteoSchweiz wird sich direkt per E-Mail/Telefon bei Ihnen melden und das Vorgehen sowie die Daten mit Ihnen erläutern.

  2. Rainer, 07.08.2015, 16:23

    Den Kommentaren ist jedenfalls deutlich anzumerken, dass die Hitze einigen Mitmenschen zu schaffen macht ;-). Ein halbes Grad hin oder her oder die Länge der Messperiode spielen dabei jedenfalls keine Rolle.

  3. MaVaLa, 05.08.2015, 16:57

    Es fehlen 10 Grad, oder?

    1. MeteoSchweiz, 08.08.2015, 10:14

      Der Monat Juli zeigt in Locarno-Monti eine langjährige Durchschnittstemperatur von 21.9 Grad (Normperiode 1981-2010). Der Juli 2015 brachte hier einen Monatsdurchschnitt von 25.8 Grad. Dabei gab es im Juli 2015 in Locarno-Monti 350 Stunden mit einem Stundendurchschnitt von über 25.8 Grad und 387 Stunden mit einem Stundendurchschnitt von unter 25.8 Grad. 7 Stunden zeigten im Durchschnitt genau 25.8 Grad. Somit bewegte sich die Temperatur im Juli 2015 rund die Hälfte der Zeit unter dem Monats-Durchschnitt von 25.8 Grad, und ebenfalls rund die Hälfte der Zeit über dem Monats-Durchschnitt von 25.8 Grad. Der höchste Tagesdurchschnitt (Temperatur gemittelt über 24 Stunden) erreichte 28.7 Grad, der tiefste 21.8 Grad.

      Stundendurchschnitte von über 30 Grad gab es in in Locarno-Monti im Juli 2015 während 122 Stunden, das heisst nur in 16 Prozent aller Juli-Stunden. Die im Juli 2015 oft erwähnten Temperatur-Werte über 30 Grad gehören in die Kategorie der Tagesmaximum-Temperaturen.

  4. Markus A. Brotschi, 05.08.2015, 16:20

    Sorry, liebe Meteoschweiz: Die Begründung weiter unten ist sowas von schwach. Der Titel ist GANZ KLAR FALSCH formuliert! Oder gibts die Erde erst seit 150 Jahren?

    Aber offenbar kann man bei Meteoschweiz nicht zugeben, dass man einen Fehler gemacht hat und korrigieren tut man den schon gar nicht. Lächerlich, dieses "Blick"-Niveau!

    Für einen Staatsbetrieb, der mit UNSEREN Steurgeldern finanziert wird ist das unter jedem Niveau.

    1. S. Luder, 06.08.2015, 11:07

      ...aber Ihre "Staatsbetrieb / UNSERE Steuergelder"-Nummer ist natürlich höchst akademisch! Entweder "Blick-Niveau" schreien oder selbst mit selbigen argumentieren, aber bitte nicht beides innerhalb von zwei Sätzen.

      Nur so als Denkanstoss ;)

    2. MeteoSchweiz, 08.08.2015, 10:13

      Nein, der Titel ist nicht falsch. Der Ausdruck " . . . aller Zeiten" wird, wie auch im Englischen, im übertragenen Sinn für "beispiellos" oder "bisher unerreicht" (z.B. im Zusammenhang mit Rekorden) verwendet.
      http://www.duden.de/suchen/englisch/aller%2520Zeiten

      Um die Sprache etwas abwechslungsreicher zu gestalten, und im Hinblick darauf, dass MeteoSchweiz bei solchen Vergleichen seit jeher Messwerte ausschliesslich im Rahmen der verfügbaren MESSperiode beurteilt, und angesichts der Tatsache, dass der Juli 2015 in den genannten Regionen lokal nun wirklich beachtliche Rekorde erreichte, vermag der Ausdruck die spezielle Situation sehr treffend zu umschreiben.

  5. Oli, 05.08.2015, 13:03

    Und was isch mit de nord-, nord-ost-schwiz????

    1. MeteoSchweiz, 06.08.2015, 08:41

      Am Messstandort Zürich-Fluntern und St. Gallen war es der viertwärmste Monat seit Messbeginn 1864:

      Zürich-Fluntern:
      1 08.2003 22.7
      2 07.2006 22.5
      3 06.2003 22.3
      4 07.2015 22.2

      St. Gallen:
      1 08.2003 21.4
      2 07.2006 21.1
      3 06.2003 20.9
      4 07.2015 20.6

      Am Messstandort Schaffhausen war es der fünftwärmste Monat seit Verfügbarkeit homogener Monatsmittel-Temperaturen (ab 1959):

      1 07.2006 23.1
      2 08.2003 22.8
      3 06.2003 22.4
      4 07.1983 22.4
      5 07.2015 22.3

  6. Markus, 05.08.2015, 09:53

    Kommt doch bitte wieder auf den Boden. Den wärmsten Juli seit Messbeginn, ok.. aber aller Zeiten??
    Gerade das müsstet Ihr besser wissen!

    Die Menschheit gibt's nicht erst seit 150 Jahren, die Erde schon gar nicht!

    1. Max, 05.08.2015, 11:06

      ... und Juli auch nicht.

    2. MeteoSchweiz, 05.08.2015, 12:09

      Über der Tabelle mit den Rekordwerten steht in grosser Schrift "Hier war der Juli 2015 der heisseste Monat seit Messbeginn". Zu jedem Rekordwert wird in der Tabelle zudem die verfügbare Messperiode angegeben. Damit ist eine vollständige Transparenz bezüglich der Länge der diskutierten Messperiode vorhanden.