Nochmals heiss und in der Westschweiz Sturm

13. August 2015, 2 Kommentare
Themen: Wetter

Mit viel Sonnenschein stiegen die Temperaturen beidseits der Alpen nochmals deutlich über die 30 Grad-Marke. Kräftige Gewitter über Frankreich und der Westschweiz liessen gegen Abend im westlichen und zentralen Mittelland einen stürmischen Südwestwind aufkommen, welcher Böenspitzen von fast 100 km/h erreichte.

In Nord- und Mittelbünden dank etwas Föhn nochmals sehr heiss

Vielleicht zum letzten Mal in diesem Jahr stiegen die Temperaturen in den Niederungen der ganzen Schweiz auf deutlich über 30 Grad. Am heissesten war es dabei in den Tälern von Nord- und Mittelbünden. Dies dank etwas Föhn. In Chur zeigte das Thermometer maximal 34.5 Grad an. In Ilanz auf knapp 700 Metern konnten sogar 35.4 Grad gemessen werden. Somit war es im 150 Meter höher gelegenen Ilanz 0.9 Grad wärmer als in Chur. Dies ist speziell für Föhnverhältnisse ungewöhnlich, erwärmt sich doch der Fallwind aus Süden normalerweise bei Abstieg um 100 Meter um 1 Grad. Somit müsste Chur 1.5 Grad wärmer sein als Ilanz. Gewöhnlich ist dies bei einer Föhnlage auch der Fall, meistens ist der Unterschied sogar noch grösser. Auch die nahe gelegenen Standorte um Ilanz, nämlich Disentis, Vals und Andeer, wiesen heute, wenn man die Lufttemperatur trockenadiabatisch auf 700 Meter hinunterrechnet, tiefere Werte auf. So mass man in Disentis (1200 Meter über Meer) maximal 27.6 Grad, dies würde auf 700 Metern 32.6 Grad ergeben. In Vals (1240 Meter über Meer) wurde ein Höchstwert von 26.7 Grad festgestellt, dies ergäbe für Ilanz 32.1 Grad. Andeer (987 Meter über Meer) erreichte ein Temperaturmaximum von 30.3 Grad, in 700 Metern Höhe könnte man also mit 33.2 Grad rechnen. Somit zeigt also Ilanz auf seine Höhe bezogen rund 2 Grad höhere Temperaturen als die nähere Umgebung. Es könnte für einmal sein, dass sich das Becken um Ilanz stärker aufheizte. Gründe könnten schwächere Winde und stärker ausgetrocknete Böden sein, was die Temperaturen in 2 Metern Messhöhe stärker ansteigen liessen als in der Umgebung.

Am Abend stürmischer Südwestwind im zentralen und westlichen Mittelland

Die zugeführte, sehr warme, aber in der westlichen Landeshälfte auch feuchte Luft liess über Frankreich und im Genferseegebiet heftige Gewitter entstehen. Durch die kräftige Abkühlung, welche in diesen Gebieten stattfand, stieg der Luftdruck in tieferen Lagen stark an. Damit bildete sich ein starkes Druckgefälle vom Genferseegebiet zum zentralen Mittelland. So betrug der Druckunterschied zwischen Genf und Neuchâtel zeitweise mehr als 8 hPa. Solche grossen Druckunterschiede kommen selten vor. So ist bei einem starken Bisensturm der Druck in Neuchâtel etwa 5 hPa höher als in Genf, wobei dann im westlichen Mittelland Böen von 90 bis 100 km/h aus Nordost auftreten können. Bei einem heftigen Weststurm, zum Bsp. Lothar, war der Druck in Genf 10 hPa höher als in Neuchâtel. Die maximalen Böenspitzen, welche der Südwestwind damals erreichte, lagen bei 120 bis 130 km/h. Gemäss diesen Angaben hätte man im westlichen Mittelland heute mit Böenspitzen von 110 bis 120 km/h aus Südwest rechnen müssen. Da aber der Druckunterschied bei Gewittern nur in Bodennähe gross ist, waren die Windspitzen nicht so hoch. Immerhin blies der Südwestwind in Böen in Neuchatel mit knapp 100 km/h, aber auch in Genf, in Granges bei Fribourg und in St. Prex und Grenchen wurden 90 km/h überschritten.

Kommentare (2)

  1. Thomas, 14.08.2015, 12:21

    Speziell war auch die Situation über Zürich.
    Bis ca. 19:00 war es heiss, klar und fast windstill. Urplötzlich haben sich Wolken gebildet, es kam starker Westwind (am Mythenquai max. 20 m/s, mit weissen Schaumkronen auf dem Zürisee) und es fing lokal an zu regnen. Im Niederschlagsradar war zu sehen, wie sich der Regen direkt über dem Seebecken und der Stadt gebildet hat und niedergegangen ist.
    Sonderbarerweise ist die Regenzelle dann aber nach Norden weggegzogen.
    Warum nach Norden und nicht nach Osten?

    1. MeteoSchweiz, 16.08.2015, 12:08

      Schauer und Gewitterzellen verlagern sich in der Regel mit der Höhenwindrichtung. Dies war auch aktuell so, denn in der Höhe herrschte südliche bis südwestliche Winde vor. Damit wanderten die Zellen von dem Ort, wo sie sich bilden, mit der Höhenwindrichtung, in diesem Fall also nach Norden. Der Grund, weshalb in den Niederungen stürmischer Westwind herrschte, ist in den Gewittern über der Westschweiz und Frankreich zu suchen. Die Gewitter sorgten in diesem Gebiet für eine starke Abkühlung. Kalte Luft hat eine höhere Dichte als warme Luft, sinkt ab und beginnt sich quasi in tieferen Luftschichten (in diesem Fall über der Westschweiz) anzusammeln. Gleichzeitig muss in höheren Luftschichten über der Westschweiz die Luft zusammenströmen und die abgesackte Luft ersetzen. Als Gesamtresultat ist die gesamte Luftsäule über der Westschweiz schwerer als über der Ostschweiz. Der Luftdruck am Boden ist nun nichts anders als Gewicht der gesamten Luftsäule über einem Ort. In der Ostschweiz hingegen änderte sich der Luftdruck kaum. Damit entstand in den Niederungen ein starkes Druckgefälle von West nach Ost, was in den Niederungen den starken Westwind auslöste.