Zweitwärmster Sommer seit Messbeginn

19. August 2015, 10 Kommentare
Themen: Klima

Der Schweizer Sommer 2015 ist auf bestem Weg als Zweitwärmster in die 152-jährige Mess-Geschichte einzugehen. Unter Einbezug der aktuellen Prognosen bis zum Sommerende ist im Mittel über die ganze Schweiz ein Wärmeüberschuss von 2.5 Grad im Vergleich zur Norm 1981–2010 zu erwarten. Damit liegt der Sommer 2015 mehr als ein Grad über allen bisherigen Rekordsommern, mit Ausnahme des legendären Hitzesommers 2003. Dieser lag nochmals rund ein Grad über dem Sommer 2015.

Die Sommerhitze 2015 belegt in allen Regionen der Schweiz Rang zwei seit dem Messbeginn 1864. Die erwarteten Wärmeüberschüsse liegen überall zwischen zwei und drei Grad über der Norm 1981–2010.

Die Sommerhitze im langjährigen Vergleich

Gemäss Empfehlung der Welt-Meteorologie-Organisation (WMO; World Meteorological Organization) ist bei der Darstellung der langjährigen Klimaentwicklung die Normperiode 1961–1990 zu verwenden. In der nachfolgenden Übersicht zur Entwicklung der Sommertemperatur seit Messbeginn 1864 wird diese Empfehlung entsprechend umgesetzt.

Kommentare (10)

  1. zingg urs, 20.08.2015, 13:49

    Weshalb nehmen die Meteorologen ausgerechnet die Jahre 1961-1990 als Referenzperiode? Würde man z.B. die Zeit von 1940 -1990 (1940 - ça 1955 längere Warmzeit) oder von 1970 - 2000 nehmen, sähen die heutigen durchschnittlichen Temperaturwerte im Sommer weniger dramatisch aus.

    1. MeteoSchweiz, 21.08.2015, 08:59

      Gemäss einer seit 1935 bestehenden Definition der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) werden zur Bestimmung von klimatologischen Mittelwerten weltweit die gleichen 30-jährigen Perioden verwendet, die Standardperioden 1901-1930, 1931-1960 und 1961-1990. Die internationale Koordination ist wichtig, um die klimatologischen Aussagen der verschiedenen Wetterdienste über die Landesgrenzen hinweg miteinander vergleichen zu können. Die Mittelwerte dieser 30-jährigen Perioden werden Normwerte oder Klima-Normwerte genannt.

      Angesichts der fortschreitenden Klimaänderung der letzten Jahrzehnte hat die WMO im Herbst 2011 vorgeschlagen, zusätzlich zu den Standardperioden weitere Normwerte bereitzustellen, deren Periode alle zehn Jahre angepasst wird (zum Beispiel 1971-2000, 1981-2010). Damit sollen Normwerte bereitstehen, die das aktuelle Klima angemessen beschreiben und als Erwartungswerte eingesetzt werden können. Die Standardperiode 1961-1990 wird beibehalten, um den Anker für die Beobachtung der langjährigen Klimaentwicklung nicht zu verändern. Seit dem 1. Januar 2013 setzt MeteoSchweiz diese Empfehlung um.

      http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/klima/vergangenheit/klimanormwerte.html

  2. Hans Oerlemans, 20.08.2015, 09:53

    Auch Felix Keller (Glaziologe) sagte "auf bestem Wege".
    Die Gletscher haben es schwer....
    https://vimeo.com/134289790

  3. Harald Kappeler, 20.08.2015, 08:28

    Eine frappante Abweichung ab genau 1980. Lässt sich das irgendwie erklären?

    1. MeteoSchweiz, 20.08.2015, 11:46

      Die auffallende schnelle Änderung in den 1980er Jahren hin zu einem deutlich höheren Temperaturniveau findet sich speziell ausgeprägt im Winter (Mitteltemperatur Dezember-Februar), im Frühling (Mitteltemperatur März-Mai) und im Sommer (Mitteltemperatur Juni-August). Im Winter und im Frühling erfolgte der Sprung Ende der 1980er Jahre, im Herbst zu Beginn der 1980er Jahre. Im Herbst ist er aber weit weniger stark ausgeprägt als in den übrigen Jahreszeiten.

      Der Temperatursprung wurde bisher nur für den Winter speziell untersucht. Dabei zeigte sich, dass die schnelle Erwärmung Ende der 1980er Jahre durch einen schnellen Wechsel der winterlichen Wetterlagenmuster verursacht wurde. Innerhalb kurzer Zeit wurden hochdruckbestimmte Wetterlagen mit Warmluftzufuhr viel häufiger, während die Anzahl tiefdruckbestimmter Wetterlagen mit Kaltluftzufuhr weniger häufig auftraten. In den letzten Jahren ging die Anzahl der winterlichen Warmluftwetterlagen wieder zurück, und die Anzahl Kaltluftwetterlagen stieg wieder an, entsprechend sind die Winter im Mittel wieder kälter geworden. Die Studie ist nachzulesen unter:

      http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/service-und-publikationen/publikationen.subpage.html/de/data/publications/2015/4/milde-und-kalte-bergwinter.html

      Die eigentliche Ursache für die beobachteten klimatischen Schwankungen, nämlich weshalb die Atmosphäre ihr grossräumiges Wetterlagenmuster bzw. ihr Strömungsregime über Europa hin und wieder stark umstellt, ist aber damit noch nicht geklärt.

      Es ist zu vermuten, dass der Temperatursprung in den anderen Jahreszeiten ebenfalls mit der Änderung der Wetterlagenmuster korreliert. Erste Sichtungen der Daten weisen darauf hin. Umfassendere Studien liegen aber noch nicht vor.

    2. Harald Kappeler, 21.08.2015, 08:29

      Vielen herzlichen Dank für die ausführliche Antwort. Eure Webseite interessiert mich immer sehr.

  4. mario wolf, 19.08.2015, 12:55

    Es ist erst der 19.8. Aber warum nicht auch etwas wahrsagen

    1. peter der wolf, 19.08.2015, 15:34

      Der meteologische Sommer dauert bis zum 31. August, demnach hat dieser Bericht kaum etwas mit Wahrsagen zu tun.

    2. Bernd Graber, 19.08.2015, 19:24

      Für Mario Wolf:
      Lesen ist von Vorteil: "ist auf bestem Weg..." heisst es da, was nichts mit "wahrsagen" zu tun hat.
      Aber warum nicht auch irgendetwas kommentieren...

    3. Petrus im Himmel, 22.08.2015, 16:20

      Auch ich finde, dass man mit einer Aussage warten sollte, bis der Sommer wirklich vorbei ist (also frühestens am 1.9.). Dann kann man nämlich auch genaue Angaben über den Temperaturdurchschnitt usw. machen.