Immer noch Föhn

24. November 2016
Themen: Wetter

Auch heute war das Wetter geprägt vom Föhn. Dieser geht nun allmählich zu Ende. Zeit für ein Fazit: die aktuelle Föhnperiode erreicht einen Podestplatz. Zudem wagen wir den Blick in die Höhe, wo die Föhnströmung ebenfalls Auswirkungen hatte.

Zweitlängste Föhnperiode

Seit Sonntag in den frühen Morgenstunden weht der Föhn in den typischen Föhngebieten. Beispielsweise in Altdorf seit nun mehr als 106 Stunden. Heute erreichte er in Altdorf erneut fast 100 km/h. Erst im Laufe der Nacht erwarten wir, dass der Föhn zu Ende geht, womit die zweit- resp. drittlängste Föhnperiode seit 1981 endet (vergleiche auch den Blog von gestern).  Den Rekordwert von 138.3 h vom April 1993 werden wir aber wohl nicht mehr knacken.

Und wie bereits gestern wehte auch heute wieder der Guggiföhn im Berner Oberland. Die Messstation auf dem Lauberhorn, eine dem Guggiföhn ausgesetzte Station, registrierte bis zu 146 km/h, das Jungfraujoch meldete ein Maximum von 94 km/h.

Zeitraffer der Föhnmauer im Jungfraugebiet im Berner Oberland, aufgenommen von R. Rickli

Milde Nacht auch in St. Gallen

Nicht nur in den typischen Föhntlälern, sondern bis nach St. Gallen wehte der Föhn heute Nacht. Dies bescherte diesen Regionen eine für den November ausgesprochen milde Nacht. In St. Gallen wurde das vierthöchste Nachtminima am heutigen Messstandort auf 776 m.ü.M.  gemessen, welcher seit 1981 in Betrieb ist.

Kaltluftsee im Mittelland

Vergrösserte Ansicht: Nach dem Sonnenaufgang war der Kaltluftsee von der Albis Hochwacht aus zu sehen.
Nach dem Sonnenaufgang war der Kaltluftsee von der Albis Hochwacht aus zu sehen.
Bild: D. Gerstgrasser

Im Mittelland ausserhalb der Regionen, welche vom Föhn beeinflusst wurden, war ein seichter Kaltluftsee vorhanden. So sanken die Temperaturen in der Nacht in tiefen Lagen bis gegen den Gefrierpunkt. Die Nachtminima der Stationen im Kaltluftsee lagen zwischen 0 und 2 Grad. Die Mächtigkeit dieser untersten Schicht war sehr gering, aber aufgrund der in dieser Schicht vorhandenen Feuchtigkeit konnte sich teilweise Nebel bilden.

Auswirkungen auch in der Höhe

Die Überstömung der Alpen aus Süden war heute nicht nur in den Föhntälern zu beobachten. Auch in der Höhe wurde diese Strömung „sichtbar“, dies in Form von hoher, sogenannter Leebewölkung.

Vergrösserte Ansicht: Satellitenbilder von heute Vormittag, 08:30 UTC: Die Leebewölkung ist sehr hoch und hat entsprechend eine kalte Oberfläche, auch im Vergleich zur übrigen Bewölkung. Deshalb ist sie insbesondere auf den eingefärbten Satellitenbildern gut zu erkennen.
Satellitenbilder von heute Vormittag, 08:30 UTC: Die Leebewölkung ist sehr hoch und hat entsprechend eine kalte Oberfläche, auch im Vergleich zur übrigen Bewölkung. Deshalb ist sie insbesondere auf den eingefärbten Satellitenbildern gut zu erkennen.

Weht der Wind über die Alpen, entstehen Wellen, ähnlich wie wenn ein Bach über ein Hindernis fliesst. Je nach Stabilität der Luftschicht können sich diese Wellen nicht nur horizontal, also stromabwärts ausbreiten, sondern auch vertikal gegen oben. Dieses Propagieren gegen oben wird begünstigt, wenn die Luft stabil geschichtet ist, und die Windgeschwindigkeit in der Höhe eher tief ist. Aufgrund der heutigen Situation mit dem Tief über Spanien und einer antizyklonalen, hochdruckbestimmten Strömung über Südosteuropa lagen besonders die östlichen Landesteile heute in einer indifferenten und divergenten Strömung, wo diese Voraussetzungen gegeben waren.

Wie bereits erwähnt werden diese Wellen sichtbar, wenn sich  an der Tropopause Cirren, also Eiskristallwolken in grosser Höhe bilden. Diese haben eine scharfe Grenze an der dem Wind zugewandten Seite, also jener nahe beim Hindernis. Die windabgewandte Seite hingegen ist nicht klar definiert und eher „faserig“. So war das auch heute Vormittag auf dem Satellitenbild zu erkennen.  Einerseits war die Folge dieser Bewölkung eine Einschränkung der Sonnenscheindauer auf der Alpennordseite. Relevant ist dieses Phänomen aber insbesondere auch für die Aviatik, denn hier sind auch in grösserer Höhe Turbulenzen zu erwarten.

Kehrseite des Föhns

Vergrösserte Ansicht: Niederschlagsmenge akkumuliert über 120 Stunden zwischen Sonntag und heute Vormittag.
Niederschlagsmenge akkumuliert über 120 Stunden zwischen Sonntag und heute Vormittag.
Quelle: MeteoSchweiz und Partner

Die Kehrseite des auf der Alpennordseite andauernden Föhns sind die staubedingten Niederschläge auf der Alpensüdseite. So fielen währen der letzten 5 Tage innerhalb von 120 Stunden teilweise grössere Niederschlagsmengen. Am stärksten betroffen war das Tessin mit vielerorts über 100, lokal auch über 200 mm Niederschlag. Die grösste Niederschlagsakkumulation registrierte mit 314 mm die Station Camedo im Centovalli.

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