Unten grau, oben blau

14. November 2016
Themen: Wetter

Dank Hochdruckgebiet Siegfried bot sich heute oberhalb von rund 1500 Metern ein Anblick der Extraklasse: Umgeben von einer frisch eingeschneiten Bergwelt hatte man heute bei purem Sonnenschein einen Ausblick auf ein „Bilderbuch-Nebelmeer“. Trotz hochdruckbestimmtem Wetter sorgte jedoch der Jetstream in den höheren Atmosphärenschichten für turbulente Verhältnisse.

Zunehmend hochdruckbestimmt

Das Wetter am heutigen Tag stand ganz im Zeichen von zunehmendem Hochdruckeinfluss: Ein Warmlufthoch über dem nahen Atlantik und ein Kaltlufthoch über Osteuropa schlossen sich heute über dem Alpenraum zu einer Hochdruckbrücke zusammen. Mit einer schwachen Bisenströmung wurde kühlere Luft zur Alpennordseite geführt. Im Zusammenhang mit einem Höhenrücken (ausgeprägtes Hoch in der Höhe), der allmählich vom Atlantik zum Alpenraum vorgestossen ist, war gleichzeitig auch die Strömung in der Höhe zunehmend antizyklonal geprägt. Damit verbunden war ein markantes Absinken und Abtrocknen der Atmosphäre (vergleiche Abbildung 1). Einzig in den unteren Schichten blieb die Restfeuchtigkeit zurück und unterhalb der Absinkinversion bildete sich eine kompakte Hochnebelschicht, welche die gesamte Alpennordseite sowie auch die angrenzenden Alpentäler flutete.

Verbreitet Hochnebel

Die Obergrenze des Nebelmeers lag über der gesamten  Alpennordseite bei rund 1300 bis 1500 Metern. Mit der tageszeitlichen Erwärmung und der entsprechenden "Sogwirkung" der Alpen stieg die Obergrenze jedoch besonders in den Alpentälern teils bis gegen 1800 Meter an (vergleiche Abbildung 3).

Unterhalb des Hochnebels machten die Temperaturen heute keine allzu grossen Sprünge und bewegten sich in einem Bereich von 1 bis 3 Grad. In der Westschweiz, auf der Alpensüdseite sowie in den Alpentälern lagerte hingegen noch etwas wärmere Luft, so dass hier das Thermometer auf 3 bis 4, im Wallis und auf der Alpensüdseite sogar auf 6 bis 10 Grad hoch kletterte.

Dynamisch in der Höhe

Im Grenzbereich zwischen dem sich aus Westen aufwölbenden und nach Südosten vorstossenden Rücken und dem nach Südosten abziehenden Höhentief etablierte sich auf Tropopausenniveau (in ca. 10 km Höhe) ein kräftiger Strahlstrom (Jetstream), in dessen Zentrum Windgeschwindigkeiten von über 125 kt (230 km/h) vorherrschend waren (vergleiche Abbildung 4, rechts). Wie kommt es dazu, dass trotz Hochdruckwetter in den unteren Schichten, in der Höhe solch dynamische Verhältnisse vorzufinden sind? Verantwortlich für die kräftigen Winde in der oberen Troposphäre sind die momentan über Mitteleuropa vorzufindenden sehr grossen Temperaturunterschiede (vergleiche Abbildung 4, links).

Weil der Luftdruck in kälterer Luft mit der Höhe schneller abnimmt als in wärmerer Luft, resultiert daraus in den höheren Atmosphärenschichten ein stetig zunehmender Druckunterschied, welcher schlussendlich für die starke Windzunahme mit der Höhe verantwortlich ist. Gerade für die Fliegerei bergen solche markanten Windzunahmen ein Risiko, da es unter gewissen Umständen in ihrer Umgebung zu unerwarteten Turbulenzen kommen kann. Deshalb ist es gerade für die Verkehrsfliegerei wichtig, diese Starkwindzonen wenn möglich zu kennen, so dass es für die Passagiere zu keinen „schüttelnden“ Überraschungen kommt. Hierfür werden in Europa von verschiedenen Zentren Gefahrenkarten („Significant Weather Charts“) produziert, welche die Piloten vor solchen unerwarteten Turbulenzregionen (auch bekannt als "Clear Air Turbulence") warnen sollen (verlgeiche das dargestellte Beispiel in Abbildung 5).

Kommentare (0)