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Frischluftzufuhr

25. Dezember 2016
Themen: Wetter

Ein wenig Neuschnee und viel Wind in den Bergen, rekordverdächtige Temperaturen in den Tessiner Tälern - die Wetterinteressierten wurden vom Christkind reichlich beschenkt. Wir packen aus.

Blick vom Hasliberg zum Brienzersee. Im Tal liegt nur noch eine seichte Inversion, in den Schattenlagen liegt noch etwas Reif. Foto: E. Müller

Vergrösserte Ansicht: Hitliste mit den Neuschneehöhen, gemessen heute Morgen um 7h.
Hitliste mit den Neuschneehöhen, gemessen heute Morgen um 7h.
Daten: SLF, MeteoSchweiz

Die Schweiz lag heute im Randbereich von einem Sturmtief mit Zentrum südlich von Island. Dabei wurden die Alpennordseite und die Alpen randlich von einer Warmfront erfasst.

Bereits in der Nacht ist da und dort wenig Regen oder Schnee gefallen. Tagsüber war es dann - mit Ausnahme der Ostschweiz und Teilen von Graubünden - meist trocken. Die Schneefallgrenze lag zwischen 1000 und 1500 Metern, tagsüber ist sie auf etwa 2000 Meter gestiegen. Am Morgen wurden vor allem aus Graubünden ein paar wenige Zentimeter Neuschnee gemeldet. Den "Tagesrekord" staubte das Weissfluhjoch mit ganzen 6cm frischem Pulverschnee ab.

In den Bergen teils stürmisch

Der Neuschnee wurde aber vom starken, teils sogar stürmischen nordwestlichen Höhenwind verblasen. Am stärksten war der Wind am Vormittag und am Alpenhauptkamm, sowie auf den exponierten Alpen- und Voralpengipfeln. Hier wurden Böenspitzen von 90 bis 120 km/h gemessen. Auf der Alpensüdseite griff der Wind als Nordföhn in die oberen Täler hinunter, dies führte zu sehr hohen Dezembertemperaturen. Dazu jedoch später.

Gute Luftqualität

Vergrösserte Ansicht: Feinstaubwerte PM10 (Stundenmittelwerte) der letzten sieben Tage  in Zürich. Mit dem vorübergehend nachlassenden Hochdruckeinfluss wurde die bodennahe Inversion in den vergangenen Tagen geschwächt und schliesslich vollständig ausgeräumt. Dies wirkte sich positiv auf die Luftqualität aus.
Feinstaubwerte PM10 (Stundenmittelwerte) der letzten sieben Tage in Zürich. Mit dem vorübergehend nachlassenden Hochdruckeinfluss wurde die bodennahe Inversion in den vergangenen Tagen geschwächt und schliesslich vollständig ausgeräumt. Dies wirkte sich positiv auf die Luftqualität aus.
Quelle: www.ostluft.ch

Die eingangs erwähnte Warmfront brachte den Alpen und der Alpennordseite ausgedehnte hohe und mittelhohe Bewölkung. Am Genfersee wurden immerhin drei bis vier Sonnenstunden aufgezeichnet, nach Osten hin nahmen die Werte auf null bis zwei Stunden ab.

Trotzdem erreichten die Temperaturen verbreitet Werte von 7 bis 10 Grad - die Inversion der letzten Tage wurde also ausgeräumt, was sich positiv auf die Luftqualität auswirkte. Wie üblich bei nordwestlicher Anströmung wurde im Mittel- und Südtessin mit bis zu sechs Stunden am meisten Sonne gemessen.

Lokal über 20 Grad im Tessin

Vergrösserte Ansicht: Verlauf ausgewählter Parameter an der Wetterstation Cevio. Oben: Wind (Richtung, Geschwindigkeit, Böenspitzen); Mitte: Temperatur (rot), Taupunkt (blau) und relative Luftfeuchtigkeit (grün); Unten: Sonnenscheindauer
Verlauf ausgewählter Parameter an der Wetterstation Cevio. Oben: Wind (Richtung, Geschwindigkeit, Böenspitzen); Mitte: Temperatur (rot), Taupunkt (blau) und relative Luftfeuchtigkeit (grün); Unten: Sonnenscheindauer

Dementsprechend war es im Tessin auch am wärmsten - lokal wurde gar die 20-Grad-Marke geknackt. Im Winter existiert der Begriff "warm" in der Terminologie von MeteoSchweiz eigentlich nicht. Korrekterweise müsste man die heutige Temperatur somit als "ungewöhnlich mild" beschreiben.

Warm passt besser, findet der Blogger - in der Hoffnung, dass sein Chef diese Zeilen nicht lese... 20.9 Grad waren es nämlich heute in Cevio (417m) im Maggiatal dank Nordföhn und Sonnenschein.

Nahe am Dezemberrekord

Vergrösserte Ansicht: Rekordwertstatistik mit den höchsten Dezembertemperaturen an der Station Comprovasco.
Rekordwertstatistik mit den höchsten Dezembertemperaturen an der Station Comprovasco.

In Cevio wird die Temperatur erst seit rund drei Jahren aufgezeichnet, somit existiert keine Rekordwertstatistik zur Einordnung von diesem Ereignis. Deshalb schauen wir uns die 30 km weiter nordwestlich gelegene Station Comprovasco (575m) im Bleniotal an. Hier wurden 19.6 Grad gemessen - dies bedeutet zusammen mit dem 2. Dezember 2016 die zweithöchste Dezembertemperatur seit Messbeginn im Jahr 1976. Der Rekordwert stammt mit 20.5 Grad vom 21. Dezember 1987.

"Europarekord"

Vergrösserte Ansicht: Temperaturverteilung von heute Mittag um 12 UTC.
Temperaturverteilung von heute Mittag um 12 UTC.

Der Blick auf die Mittagstemperaturen in Europa und dem nördlichen Afrika zeigt Erstaunliches: Die Werte aus dem Tessin wurden selbst im Mittelmeerraum kaum erreicht. Erst in der Umgebung von Casablanca in Marokko wurden wir fündig - mit einer Temperatur von 21.0 Grad...

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