Trockenster Dezember im Mittelland seit Messbeginn

29. Dezember 2016, 4 Kommentare
Themen: Klima

Das Mittelland der Schweiz erlebt den trockensten Dezember seit Messbeginn 1864. Vom Genfersee bis zum Bodensee fielen im Durchschnitt nur gerade 2.0 mm Niederschlag. In der westlichen Hälfte der Mittellandes gab es gebietsweise gar keinen Dezemberniederschlag.

Schweizerkarte mit Niederschlagssumme 1. bis 28. Dezember 2016 in mm

Im langjährigen Durchschnitt (Norm 1981–2010) erhält das Mittelland eine Dezembermenge von knapp 90 mm. Dezember mit weniger als 10 Prozent der Norm sind extrem selten. Während der 153-jährigen Messperiode waren neben dem aktuellen Dezember nur die beiden Dezember 1963 mit 4.8 mm und 1864 mit 6.0 mm derart trocken.

Mit seinen nur 2.0 mm Niederschlag erklimmt der Dezember 2016 das Podest der drei trockensten Monate überhaupt im Mitteland der Schweiz. Weniger Niederschlag brachten hier nur der September 1865 mit 1.7 mm und der April 1893 mit 1.1 mm.

Für die Niederschlagsanalyse sind im Mittelland der Schweiz 11 Messreihen mit homogenen Niederschlags-Daten bis 1864 zurück verfügbar. Die Daten machen deutlich, dass sich im Mittelland trotz des aktuell extrem trockenen Dezembers in den letzten Jahrzehnten keine Austrocknung des Dezembers abzeichnet. Von der Normperiode 1961–1990 zur Normperiode 1981–2010 hat sich die Niederschlagssumme im Dezember von durchschnittlich 78 mm auf durchschnittlich 87 mm erhöht.

Kommentare (4)

  1. Holger Brenneisen, 30.12.2016, 14:18

    Guten Tag
    Mit Interesse lese ich Ihren Blog. Ich schätze die fundierte Information.
    Eins jedoch wundert mich: weshalb schliessen Sie sich dem törichten Sprachgebrauch an und sprechen von "Rekord-XY" (konkret heute: Trockenheit)?
    Rekorde werden ja gemeinhin positiv konnotiert.
    Die klimatischen Veränderungen der letzten Jahre, die, wie vorausgesagt war, zu häufigeren Extremereignissen führen, werden durch diesen Sprachgebrauch verharmlost, ja eigentlich ins Gegenteil verkehrt.
    Zweifellos wird der Klimawandel noch viele "Rekorde" brechen. Rekordüberflutungen, -dürren, Stürme, welche Rekordzahlen an Opfern fordern werden.
    Ich finde es dennoch unpassend und ein wenig zynisch (wobei ich Ihnen keineswegs absichtlichen Zynismus unterstellen möchte), dass in diesem Zusammenhang der Begriff "Rekord" so unbedacht verwendet wird.
    Freundliche Grüsse
    Holger Brenneisen

    1. MeteoSchweiz, 04.01.2017, 13:55

      Der Begriff "Rekord" ist nicht zwingend positiv belegt. Oft wird bei der Verwendung der negative Aspekt gleich eingebaut: Rekord-Dürre, Rekord-Unwetter, Rekord-Schäden. Damit wird dem negativen Aspekt sogar ein besonderes Gewicht gegeben. Im Blog-Beitrag "Trockenster Dezember im Mittelland seit Messbeginn" wird der Begriff "Rekord" nicht verwendet.

  2. Johan Montal, 30.12.2016, 10:16

    Nicht auszumalen, wenn diese Trockenheitperiode einfach so andauerte. So hoffe ich, mit wohl auch euch Meteorologen, dass sich bald einmal ein Tiefdruckgebiet unserer erbarme. Ihr heutiger Wetterbericht lässt für die nächsten Tagen einiges weniges an Besserung erwarten. Bloss, was habe ich für nächsten Freitag unter ihrer Voraussage: „Am Freitag voraussichtlich aus Westen Wetterverschlechterung“ zu erwarten? Doch nicht etwa so ‚schlechtes’ wie Regen oder gar Schnee. Einmal mehr kritisiere ich die unüberlegte Qualifizierung des Wetters in Gut oder Schlecht, denn das vermeintlich Gute ist nicht immer so gut wie das als schlecht deklarierte.

    1. Ivo Schwizer, 01.01.2017, 18:40

      Gerne schliesse ich mich den Gedanken von Johan Montal an. Im Spätsommer haben wir im Mittelland gerne über mehrere Wochen wenig oder gar keinen Niederschlag. Wenn sich dann auf das Wochenende hin ein paar Regengüsse ankündigen, dann machen die Meterologen auf SF1 lange Gesichter bezüglich Freizeitaktivitäten. Dabei freut sich die Natur und viele Berufsgruppen auf den sehnlichst erwarteten Regen. Eigentlich sollte der Begriff Wetterverschlechterung gestrichen werden, da subjektiv gesehen eine Verschlechterung total positiv ist.