Ankunft einer Kaltfront

23. April 2016, 5 Kommentare
Themen: Wetter

Das Wetter auf der Alpennordseite stand heute im Zeichen einer Kaltfront. Sie markierte die Stirnseite einer kalten Luftmasse polaren Ursprungs.

Grosswetterlage

Die Schweiz lag heute im Einflussbereich einer Tiefdruckrinne, die sich von Skandinavien bis nach Italien erstreckte. In der Höhe drehten die schwachen bis mässigen Winde tagsüber von West auf Nordwest und frischten auf. Damit wurde die Alpennordseite in der zweiten Tageshälfte zunehmend von einer Kaltfront erfasst, die sich vom Jura her am Abend zu den Alpen verlagerte. Die Front markierte die Ankunft von Kaltluft polaren Ursprungs, welche uns in den nächsten Tagen noch weiter beschäftigen wird.

Höchstwerte am Mittag

Somit wurden am heutigen Samstag die Temperaturhöchstwerte bereits um die Mittagszeit erreicht. Im Mittelland wurden Maximalwerte von rund 13 Grad gemessen, dem Hochrhein entlang wurde es mit knapp 15 Grad am wärmsten. Und dies alles ohne Sonne, denn die Luft war bereits vor Ankunft der Frontalzone schon reichlich angefeuchtet. Nur eine Handvoll Wetterstationen auf der Alpennordseite hatten ein paar wenige Minuten Sonne registriert.

Regen und Wind

Nachdem es am Vormittag nördlich der Alpen nur gebietsweise wenig Regen gab, sorgte die Störung ab der Mittagszeit verbreiteter für teils kräftige Schauer. Bis Redaktionsschluss um ca. 18 Uhr gab es im Flachland bereits verbreitet 5 bis 10 mm Regen.

Eine weitere Begleiterscheinung war auffrischender Wind aus Nordwest. Auf den Juragipfeln gab es bis am Abend bereits Böenspitzen bis 96 km/h, und am Jurasüdfuss frischte der Joran auf mit Spitzen bis gegen 50 km/h. Am Abend könnten teils noch kräftigere Windspitzen gemessen werden. Mit dem grössten Druckanstieg sind dann auch in einigen vorderen Alpentälern kurzfristig kräftige Böen möglich.

Im Süden etwas freundlicher

Insgesamt etwas freundlicher zeigte sich das Wetter auf der Alpensüdseite. Nach anfänglich dichter Bewölkung und einigen Schauern mit Schwerpunkt im Mittel- und Südtessin sowie in der ersten Tageshälfte lockerte die Bewölkung am Nachmittag langsam etwas auf und Schauer wurden zunehmend seltener.

Grund dafür ist der Aufbau eines Nordüberdrucks (Druckanstieg auf der Alpennordseite, welcher in Verbindung mit der Kaltfront bzw. der heranfliessenden Kaltluft steht) sowie die Winddrehung in höheren Schichten auf nordwestliche bis nördliche Richtung. Dies sorgte im Süden ab dem Nachmittag für eine beginnende Entlastung, welche am Abend und in der Nacht seine Fortsetzung findet.

Kommentare (5)

  1. Martina, 23.04.2016, 21:54

    Wie berechnet man eine Rückwärts-Trajektorie? Gibt es irgendwelche Marker in der Luftmasse?
    Und wie immer ein herzliches Dankeschön, dass ihr euer Wissen so interessant weitergebt.

    1. Andi, 24.04.2016, 16:31

      Hab ich mich auch gerade gefragt. Wäre interessant zu wissen!

    2. MeteoSchweiz, 25.04.2016, 08:30

      Rückwärtstrajektorien werden ebenfalls mit Hilfe von Wettermodellen berechnet, zudem werden auch Analysen von vergangenen, älteren Modellläufen verwendet. Vereinfacht gesagt, markiert man ein Luftpaket an einem bestimmten Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt, z.B. morgen Mittag in Zürich. Will man nun wissen, wo denn dieses Luftpaket z.B. vor drei Tagen war, verfolgt man es mit Hilfe vom Modellwind, indem man nicht in die Zukunft, sondern eben in der Zeit rückwärts rechnet.

  2. Balthasar Wicki, 23.04.2016, 20:24

    Gibt es das in diesem Blogpost publizierte HRV-Satellitenbild mit Fronten/Blitzen und Bodendruck irgendwo regelmässig zum Download? Ich finde das ein super produkt, das sehr anschaulich ist.

    1. MeteoSchweiz, 25.04.2016, 08:36

      Bodendruck und Front wurden in unserem Bericht manuell zugefügt, da es frei zugänglichen Satellitenbilder mit aktuellem Bodendruck sowie Fronten überlagert nicht gibt.
      Frei zugängliche, qualitativ hochaufgelöste Satellitenbilder inkl. Blitzaktivität sind beispielsweise unter folgender Internetseite zu finden:

      http://de.sat24.com/de