Frostige Nacht

28. April 2016, 4 Kommentare
Themen: Wetter

Das Hauptaugenmerk des heutigen Blogbeitrages zielt auf den starken Bodenfrost vergangener Nacht ab. Was wettertechnisch sonst noch alles geschehen ist, lesen Sie ebenfalls in den folgenden Zeilen.

Frost - Feind der Landwirte und Hobbygärtner (und anderer)

Die vergangene Nacht war für die Landwirtschaft eine schwierige. Die lange Zeit im Voraus angekündigte Nacht mit Frost ist eingetreten. "Dank" der zuvor eingeflossenen Polarluft und meist wolkenlosen Verhältnissen sank die Lufttemperatur in 2 Metern Höhe über dem Boden (die in der Meteorologie übliche Höhe der Temperaturmessung) verbreitet unter den Gefrierpunkt.

Im Flachland der Alpennordseite wurde es in Aadorf/Tänikon mit -3.9 Grad am kältesten, gefolgt von Zürich-Kloten (-3.3 Grad) und Hallau (-3.1 Grad). Noch kälter wurde es im Oberwallis in Visp mit -4.2 Grad. In Zürich-Kloten sowie in Chur war es übrigens erst einmal kälter nach einem 25. April (in Chur am 4. Mai 1979, am Flughafen Zürich-Kloten am 01.05.1962; homogenisierte Daten ab 1959). Zugegeben, dies ist eine etwas gesuchte Statistik. Aber sie zeigt, dass solch frostige Nächte Ende April eher selten sind.

Noch tiefer sank die Bodentemperatur, üblicherweise gemessen in 5 Zentimetern über dem Boden. Dort lag sie verbreitet zwischen etwa -2 und -8 Grad. Nichts für die jungen und empfindlichen Pflanzenaustriebe! Sie sind bei Frost in ernster Gefahr und drohen abzusterben.

Methoden, um Frostschäden zu verhindern

Genau das hat man in der vergangenen Nacht in einigen Regionen natürlich versucht zu verhindern. Im privaten Hausgarten ist dies relativ einfach, in dem man die Pflanzen entweder gut abdeckt oder über Nacht in Innenräume nimmt. Für ganze Acker, Obstplantagen oder Reben sind dies natürlich keine Alternativen. Hier gibt es andere Möglichkeiten, die Pflanzen zu schützen.

Zum Beispiel werden in Reben sogenannte Frostkerzen (Kübel gefüllt mit einer Wachsmasse) in grosser Anzahl aufgestellt und angezündet. Die Wärme des Feuers soll die Pflanzen vor drohendem Frost schützen.

Eine andere Methode, die beispielsweise in den USA oder auch in Neuseeland angewandt wird, ist das Überfliegen des zu schützdenden Kulturlandes mit einem Helikopter. Der Abwind der Rotorblätter soll dabei etwas wärmere Luft nach unten drücken.

Oder man sprüht die Pflanzen mit Wasser ein. Bei Frost bildet sich dann ein dünner Eispanzer um die Triebe/Pflanze, der die Pflanze vor Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt schützen soll.

Dass in der vergangenen Nacht beispielsweise in der Bündner Herrschaft oder auch im Unterwallis die Methode mit den Frostkerzen angewandt wurde, sah man einerseits auf Webcambildern (siehe Bild oben), andererseits aber auch in Messungen der Feinstaubbelastung (siehe Grafik unten). Die Rauchentwicklung der vielen Frostkerzen ist deutlich zu erkennen.

Hochdruckbrücke

Tagsüber stieg die Lufttemperatur mit der kräftigen Sonne auf rund 10 bis 13 Grad. Gegenüber gestern hat sich die Atmosphäre bereits etwas stabilisiert, Grund dafür ist eine schwache Hochdruckbrücke, die sich zwischen einem Atlantikhoch und einem Hoch in Richtung Schwarzem Meer aufgebaut hat.

In etwa 3300 bis 3500 Metern Höhe hat sich besonders gegen Westen und Südwesten zu eine Inversion ausgebildet, an welcher die tagsüber entstandenen Quellwolken nicht mehr weiter aufsteigen konnten und sich teilweise etwas ausgebreitet haben.

Am Nordrand der Schweiz war diese Inversion ebenfalls vorhanden, aber noch schwächer ausgeprägt. Zudem lag man hier noch näher an der Höhenkaltluft dran, deren Schwerpunkt sich heute über Norddeutschland und Polen befand. Zwei Gründe, warum es gegen Norden und Nordosten hin heute mehr Quellwolken (und sogar vereinzelt kurze Schauer gab) als beispielsweise in der Romandie oder in den Alpen.

In Graubünden anfangs noch mehr Bewölkung

Ein anderes Phänomen gab es besonders in Graubünden in den Morgenstunden zu beobachten. Und zwar haben sich gegen Ende der Nacht verbreitet Wolkenfelder gebildet. Entsprechend war es bis etwa Mitte Vormittag in dieser Region meist bewölkt. Vermutlich haben in der Nacht mit Durchschwenken eines Teiltroges leichte Hebungsprozesse eingesetzt. Dabei wurde die im Gegensatz zur Alpennordseite noch etwas feuchtere Luft in Graubünden angehoben, was schliesslich zu Wolkenbildung geführt hat.

Kommentare (4)

  1. Peter Sager, 28.04.2016, 22:45

    Liebe Metrologen und Metrologinnen
    Wann beginnt ihr uns waren Wein einzuschenken und endlich über das katastrophale Wetter zu informieren. Wir gehen einer neuen Eiszeit entgegen und diese kommt sehr schnell.

    1. MeteoSchweiz, 29.04.2016, 08:00

      Besten Dank für Ihren Hinweis. Leider können wir dies nicht bestätigen, denn die Faktenlage aufgrund der Daten des Schweizer Messnetzes sieht anders aus.
      Auch auf globaler Ebene bestätigt die langjährige Arbeit von tausenden Forschern aus aller Welt unter dem Internationalen Gremium des Klimawandels (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC, Link: https://www.ipcc.ch/) die eindeutige Erwärmung des Klimasystems. Die Resultate daraus werden durch die Unterschrift aller 195 teilnehmenden Länder international anerkannt.
      Die deutsche Zusammenfassung findet sich hier: http://proclimweb.scnat.ch/portal/ressources/3275.pdf
      vgl. Blogartikel Ausnahmefall Schweiz – auch bei der Klimaerwärmung?: http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/aktuell/meteoschweiz-blog.subpage.html/de/data/blogs/2016/4/ausnahmefall-schweiz-auch-bei-der-klimaerwaermung.html

    2. Johan Montal, 29.04.2016, 09:01

      Vielleicht hat Peter Sager ja recht. Auf jeden Fall habe ich meinen Tiefkühlschrank ausser Betrieb genommen, und wenn es mit dem katastrophalen (!) Wetter so weiter geht, entledige ich mich auch des Kühlschrankes. Eis werden wir ja wohl bald genügend haben, ich bin erstaunt, wie schnell die Gletscher in unsern Bergen zunehmen, und auch weltweit.

      Wirklich: Peter Sager hat so recht mit der sehr schnell kommenden Eiszeit!

    3. Gerhard Feuerstein, 29.04.2016, 13:12

      Lieber Herr Sager,
      wir alle neigen dazu, Ereignisse, die uns selbst betreffen, überzubewerten. Während wir (und als Hobby-Gemüsegärtner weiß ich davon ein Lied zu singen) nach einer 12-tägigen naßkalten Periode Ende April bereits die nächste Eiszeit assoziieren, belegen Satellitendaten das genaue Gegenteil. Im heurigen Winter wurden in der Arktis alle bisherigen Wärmerekorde mit großen Abstand gebrochen hat. Das arktische Meereis befindet sich derzeit auf rekordverdächtigem Niedrigststand. Und gleichzeitig vergessen wir, dass eine alte Bauernregel die Gärtner schon seit Jahrhunderten ermahnt, empfindliche Planzen nicht vor den Eisheiligen auszupflanzen. Ich behaupte einmal feucht fröhlich, dass wir in den letzten Tagen/Wochen - durchaus dem Klimawandel entsprechend - vorgezogene, dafür besonders heftige Eisheilige erlebt haben.