West-Ost-Gradient führt zu Gewittern

30. April 2016, 1 Kommentar
Themen: Wetter

Im Westen zog heute früh Bewölkung auf, im Osten hingegen schien auch am Nachmittag noch häufig die Sonne. Die Folgen dieser inhomogenen Wetterverteilung zeigten sich ab dem späten Nachmittag.

Tiefdruckentwicklung über Frankreich

Vergrösserte Ansicht: Satellitenbild von heute 14 Uhr MESZ im sichtbaren Kanal: Die Tiefdruckentwicklung über Frankreich sowie die in der Folge „verformte“ Front zeigte sich gut auf dem Satellitenbild.
Satellitenbild von heute 14 Uhr MESZ im sichtbaren Kanal: Die Tiefdruckentwicklung über Frankreich sowie die in der Folge „verformte“ Front zeigte sich gut auf dem Satellitenbild.

Die Schweiz lag heute auf der Vorderseite eines Troges, also einer Zone mit in der Höhe tiefem Druck. Dieser Trog dehnte sich von der Nordsee her Richtung Südfrankreich aus, und spaltete sich schliesslich über Südfrankreich von der grossräumigen Strömung ab. Damit einher ging eine Tiefdruckentwicklung am Boden über Frankreich. In der Folge wurde die Kaltfront, welche sich von Dänemark über Deutschland bis nach Frankreich und Spanien erstreckte, verlangsamt. Sie erreicht wohl erst in den Abendstunden die Westschweiz.

West-Ost-Unterschiede

Vergrösserte Ansicht: Ein Blick am Vormittag in den Himmel über der Albiskette zeigten lediglich einige Cirrus fibratus.
Ein Blick am Vormittag in den Himmel über der Albiskette zeigten lediglich einige Cirrus fibratus.
Bild: D. Gerstgrasser

 So nahm die Bewölkung im Westen bereits im Laufe des Vormittags zu, in Genf wurden nur gerade 2.4 Stunden Sonnenschein registriert. Anders sah dies weiter Richtung Osten aus, am Bodensee schien auch am Nachmittag noch grösstenteils die Sonne, wenn auch hier die Cirrusbewölkung allmählich zunahm. Entsprechend dieser Verteilung des Sonnenscheins entstand ein Temperaturgradient zwischen der West- und der Ostschweiz von 3 bis 5 Grad.

Vergrösserte Ansicht: Temperatur an den Messstationen um 17:30 Uhr MESZ: Während in Zürich noch 16 bis 17 Grad gemessen wurden, war westlich des Hallwilersees die Temperatur bereits unter 10 Grad gesunken.
Temperatur an den Messstationen um 17:30 Uhr MESZ: Während in Zürich noch 16 bis 17 Grad gemessen wurden, war westlich des Hallwilersees die Temperatur bereits unter 10 Grad gesunken.

Zusammen mit dem im Westen einsetzenden Niederschlag verstärkte sich der Temperaturgradient  in den späteren Nachmittagsstunden noch etwas, und es entwickelte sich ein Druckunterschied von 6 bis 7 hPa. Mit dem sich von West nach Ost fortsetzenden Druckanstieg drehte der Wind von Nordost auf Südwest, und frischte zusätzlich auf. Die Böenspitzen erreichten kurzzeitig Werte von 55 bis 70 km/h. Lokal wurden knapp 80 km/h gemssen, so am Flughafen Kloten, in Wädenswil sowie in Steckborn am Untersee (Bodensee).

Vergrösserte Ansicht: Weisse Linien: Luftdruck auf Meereshöhe reduziert. Kreuze in grün, gelb, orange und rot: Blitze, nach Zeitpunkt des Eintretens eingefärbt. Zahlen und Windfiedern: Böenspitzen und Mittelwind der letzten 10 Minuten. 17.30 Uhr MESZ: östlich des Zürichsees liegt der Druck noch unter 1011 hPa und die Winde wehten schwach aus Nordost. Westlich des Zürichsees drehten die Winde bereits auf Südwest und erreichten zu diesem Zeitpunkt Böenspitzen von bis zu 32 kt. Zudem steigt der Druck markant an, in der Region Bern betrug er bereits über 1015 hPa.
Weisse Linien: Luftdruck auf Meereshöhe reduziert. Kreuze in grün, gelb, orange und rot: Blitze, nach Zeitpunkt des Eintretens eingefärbt. Zahlen und Windfiedern: Böenspitzen und Mittelwind der letzten 10 Minuten. 17.30 Uhr MESZ: östlich des Zürichsees liegt der Druck noch unter 1011 hPa und die Winde wehten schwach aus Nordost. Westlich des Zürichsees drehten die Winde bereits auf Südwest und erreichten zu diesem Zeitpunkt Böenspitzen von bis zu 32 kt. Zudem steigt der Druck markant an, in der Region Bern betrug er bereits über 1015 hPa.

Dies führte zu einer Konvergenz, welche sich zusammen mit der Druckwellen von West nach Ost über die Alpennordseite verlagerte. Folglich wurde die Luft zum Aufsteigen gezwungen. Da diese vor der Front labil geschichtet war, konnte sich in der Region um den Sempachersee ein erstes Gewitter entwickeln, welches in der Folge weiter Richtung Nordosten über Kloten und den Flughafen zog. Bis Redaktionsschluss entwickelten sich auch über der Albiskette weitere Gewitter, und die Böenspitzen verstärkten sich in der Ostschweiz nochmals etwas.

Kommentare (1)

  1. Matthias Köhn, 01.05.2016, 09:35

    Besten Dank für die interessante Erklärung