Fast-Rekord-Föhn

11. Mai 2016
Themen: Wetter

Heute wurde beinahe eine Rekordmarke geknackt, aber eben nur fast. Mehr dazu, und wieso die Luft heute auch auf der Alpennordseite trüb war, erfahren Sie im heutigen Blog.

Grau und Nass im Süden

Gegenüber den letzten Tagen hat sich an der Wetterlage nicht viel geändert. Wir lagen heute nach wie vor auf der auf der sogenannten Vorderseite eine Troges in einer südwestlichen Höhenströmung. Diese brachte schubweise Feuchtigkeit zur Schweiz, vor allem zur Alpensüdseite. In der Folge fiel besonders im Südtessin Niederschlag. Dieser Niederschlag war zwar nicht sehr stark, jedoch kontinuierlich, und so akkumulierten sich über 30 bis 40 mm Niederschlag. In Stabio wurde bis Redaktionsschluss bereits über 57 mm registriert.

Tagesgang des Föhns

Der Föhn, der bereits in den letzten Tagen an dieser Stelle jeweils erwähnt wurde, machte heute Vormittag eine Pause. Durch die nächtliche Abkühlung stieg der Luftdruck auf der Alpennordseite etwas an, und der Föhn konnte vorübergehend beispielsweise Altdorf nicht mehr erreichen. Erst mit der tageszeitlichen Erwärmung und dem damit verbundenen Druckfall konnte er in den frühen Nachmittagsstunden wieder bis zum Urnersee vorstossen. Und obwohl die Föhnstunden des Nachmittags nicht mehr zur gleichen Föhnperiode der letzten Tage dazu gezählt werden können, war sie aussergewöhnlich lange.

Der Föhn auf Rekordjagd

Der Föhn hat in diesem Frühling einen besonders langen Atem. Bereits anfangs April 2016 wehte er am Messstandort Altdorf 65 Stunden oder fast drei Tage ohne Unterbruch. Es war eine der längsten Föhnperioden in Altdorf seit Beginn der kontinuierlichen Messungen im Jahr 1981. Das war aber nur ein Trainings-Lauf. In den vergangenen Tagen steigerte der Föhn seine Ausdauer bis in Rekordnähe.  Vom 5. Mai Vormittags bis zum 11. Mai 2016 in den frühen Morgenstunden legte er eine knapp 136-stündige Periode hin, das sind mehr als fünfeinhalb Tage. Er zeigte dazwischen allerdings einen kurzen Schwächeanfall von 2 Stunden und 20 Minuten.

Vergrösserte Ansicht: Vergleich der langen Föhnperioden in Altdorf
Vergleich der langen Föhnperioden in Altdorf
Grafik: S. Bader

Die längste ununterbrochene Föhnperiode dauerte in Altdorf 138 Stunden und 20 Minuten. Sie setzte am 23. April 1993 vormittags ein und endete am 29. April 1993 in den frühen Morgenstunden, verlief also phasengleich mit dem aktuellen Fall. Die drittlängste Föhnperiode mit 104 Stunden zeichnete die Messstation Altdorf im November 1984 auf. Auch damals musste der Föhn eine kurze Verschnaufpause einschalten. Alle übrigen Föhnperioden mit mindestens 60 Stunden Dauer zeigten keinen Unterbruch.

Saharastaub

Vergrösserte Ansicht: Der Blick von Wädenswil Richtung Osten (links) zeigt die Trübung und Rotfärbung  durch den Saharastaub, und auch der Säntis (rechts) ist nicht mehr so klar zu erkennen.
Der Blick von Wädenswil Richtung Osten (links) zeigt die Trübung und Rotfärbung durch den Saharastaub, und auch der Säntis (rechts) ist nicht mehr so klar zu erkennen.
Bilder: D. Gerstgrasser

Mit der südlichen Anströmung gelangte etwas Saharastaub zur Alpennordseite. Einerseits hatte das eine Trübung und leichte Rotfärbung der Luft zur Folge. Andererseits konnte sich Konvektion in grosser Höhe auf rund 11 km entwickeln. Saharastaub emittiert mehr langwellige Strahlung als die umliegende Luft und kühlt deshalb stärker aus. Damit wird die Schichtung in dieser Höhe labil, wodurch Konvektion entstehen kann. Auf dem Satellitenbild von heute Morgen konnte deshalb die dafür typisch strukturierte Cirrusbewölkung beobachtet werden.

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