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Wäschchuchiwätter

29. Mai 2016
Themen: Wetter

Der heutige Wettercharakter kann mit Wäschchuchiwätter kurz und prägnant zusammengefasst werden, denn Sonnenschein war Mangelware. Reichlich vorhanden war dafür Niederschlag. Warum sich manchmal Prognostiker wie im Schleudergang vorkommen erfahren Sie in diesem Blog.

Nachschlag zum gestrigen Blog

Gestern Abend bzw. in der vergangenen Nacht konzentrierte sich die Gewitteraktivität auf die Westschweiz bzw. das zentrale Mittelland. Im Osten verhinderte Föhn die Gewitterbildung.

Wie so oft bei Gewitterlagen war die Niederschlagsverteilung höchst unterschiedlich: In einem schmalen Streifen vom Chablais über Bern bis Burgdorf fielen 30 bis 50, stellenweise gemäss Radardaten sogar bis 80 Liter Regen.

Die 68.9 Liter Regen in 24 Stunden in Aigle sind ein neuer Rekord an dieser Station. Allerdings müssen wir an dieser Stelle bei all der Freude ab Rekorden eine gewisse Vorsicht walten lassen: An der Station Aigle wird erst seit 1981 gemessen. Vergleichen wir den neuen Rekord von Aigle mit benachbarten Stationen mit deutlich längeren Messreihen, dann fallen besagte 68.9 Liter gegenüber 113 Liter in Montreux (datiert aus dem Jahre 1922) bzw. knapp 97 Liter in Bex (gemessen im Jahr 1910) recht unspektakulär aus.

Und was lernen wir daraus? Nicht jeder gemessene Rekord ist für eine Region auch wirklich rekordverdächtig. Oder andersherum: Am einfachsten generieren wir Rekorde, indem wir an einem neuen Ort eine Messstation aufstellen. Ersten Messwert ablesen und schon haben wir die ersten Rekorde, denn so warm/kalt/windig ... war es noch nie an diesem Ort seit Messbeginn :-)

Tagsüber Hauptgewitteraktivität ausserhalb der Schweiz

Vergrösserte Ansicht: Wetterlage um 12 UTC (14 MESZ) basierend auf der COSMO-7 Analyse: Das Zentrum des Tiefs liegt über Bayern (weisse Isobaren), der Schwerpunkt des Höhentiefs liegt über Frankreich (schwarz: Isohypsen der 500 hPa Geopotentialfläche). 
Die östlichen Alpen liegen unter dem linken Ausgang des Jets (semitransparente Isoflächen) im Bereich der stärksten Hebung, folglich haben sich dort bereits Gewitterzellen gebildet (farblich markiert mit x und o sind die registrierten Blitze).
Wetterlage um 12 UTC (14 MESZ) basierend auf der COSMO-7 Analyse: Das Zentrum des Tiefs liegt über Bayern (weisse Isobaren), der Schwerpunkt des Höhentiefs liegt über Frankreich (schwarz: Isohypsen der 500 hPa Geopotentialfläche). Die östlichen Alpen liegen unter dem linken Ausgang des Jets (semitransparente Isoflächen) im Bereich der stärksten Hebung, folglich haben sich dort bereits Gewitterzellen gebildet (farblich markiert mit x und o sind die registrierten Blitze).

Das Wetter des heutigen Tages wurde massgeblich von einem von Höhentief über Frankreich beeinflusst. An seiner Ostflanke schaufelte es aus Süden sehr feuchte und labile Luft in den Alpenraum, wo vor allem auf der Alpensüdseite konvektiv durchsetzte Niederschläge einsetzten. Aber auch in den Alpen bzw. im Norden fiel wiederholt Niederschlag.

Das grosse Feuchteangebot in der Atmosphäre illustrieren eindrücklich die aus Radiosondenaufstiegen abgeleiteten Werte des niederschlagbaren Wassers, die in weiten Teilen Mitteleuropas knapp um 30 Liter lagen.

Sonnenschein war heute Mangelware: nur dem Jura entlang bis zum Bodensee wurden 30 bis 60 Minuten Sonnenschein gemessen. Für einmal müssen wir sagen: Glücklicherweise gab es so wenig Sonnenschein. Denn mehr Besonnung hätte sich heute wieder als Auslöser von neuen Gewittern betätigt, wie anschaulich am Nachmittag die sich über Süddeutschland entwickelnden Gewitterzellen zeigten.

Schleudergang für die Prognostiker

Vergrösserte Ansicht: Vergleich der vorhergesagten 12-stündigen Niederschlagsmenge bis Montagmorgen für verschiedene Modelle bzw. verschiedene Modellläufe.
Vergleich der vorhergesagten 12-stündigen Niederschlagsmenge bis Montagmorgen für verschiedene Modelle bzw. verschiedene Modellläufe.

Die aktuelle Wetterlage ist überraschungsträchtig. Obige Abbildung zeigt anschaulich, welch Probleme die Wettermodelle mit der schlussendlich bis Montagmorgen zu erwartenden Niederschlagsmenge aufweisen. Nicht nur variiert der Niederschlagsschwerpunkt von Modell zu Modell sondern auch von Modelllauf zu Modelllauf.

Bei der Durchsicht verschiedenster Modelle und verschiedenster Modellläufe fühlt man sich im Prognosedienst dann teils wie im Schleudergang. In solchen Lagen gilt es für die Prognostiker klaren Kopf zu bewahren und die Kunden auf die Unsicherheiten aufmerksam zu machen.

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