Niederschlagsereignis mit Unwetterpotential

15. Juni 2016, 4 Kommentare
Themen: Wetter

Der Mai war zu nass, der Juni bisher auch, und nun auch noch dies: Eine aktive Störungszone wird in der Nacht auf Donnerstag die Schweiz erfassen und insbesondere auf der Alpensüdseite und in den zentralen und östlichen Landesteilen intensive Niederschläge verursachen. Dadurch wird sich die Hochwassergefahr erneut verschärfen.

Eine dynamische Entwicklung mit langsam ziehender Störungszone

In den letzten Wochen war der nasse Wettercharakter im Alpenraum oft geprägt durch instabile und feuchte Luftmassen in schwachen Strömungssituationen. Die starken Niederschläge waren oftmals von Gewittern begleitet und traten manchmal auch relativ grossflächig auf.

Nun ist die Situation etwas anders, deutlich dynamischer:
Ein umfangreiches Tief über den Britischen Inseln dehnt sich über die Biskaya bis nach Nordspanien aus. Dadurch dreht die Strömung auf Südwest – und darin eingelagert – bildet sich eine markante Luftmassengrenze zu einer aktiven Front aus. Zunächst wird auf die Nacht zum Donnerstag zunehmend feuchtere Luft vom Mittelmeerraum zur Schweiz geführt und sorgt vor allem auf der Alpensüdseite für gewittrige Niederschläge.

Gegen Donnerstagmorgen erreicht  die Front den Westen der Schweiz. Mit der nachfolgend langsamen Verlagerung der Front nach Osten dreht die Strömung im Tagesverlauf immer mehr auf Süd. Gegen Abend folgt in der Höhenströmung eingelagert ein Teiltief, welches für zusätzliche Hebung der Luftmassen sorgt und dadurch den Niederschlagsprozess noch weiter verstärkt. Mit der starken südlichen Höhenströmung werden die Niederschläge über die Alpen weit nordwärts verfrachtet.
Die intensivste Phase dieses Niederschlagsereignisses wird also am Abend und in der Nacht auf Freitag stattfinden.

Grosse Niederschlagsmengen im Süden und in den Alpen

Die Niederschlagssummen, die mit diesem markanten Ereignis erwartet werden sind recht beachtlich:
Im Sopraceneri und bis zur Simplonregion 90 bis 180 mm, lokal im oberen Maggiatal sogar mit mehr als 200 mm. Von der Gotthardregion bis zur Surselva 80 bis 120 mm, vom Berner Oberland über die Zentralschweiz bis zum östlichen Voralpenraum sowie vom Mattertal bis ins Goms ist mit Summen von 50 bis 80 mm zu rechnen. Die Schneefallgrenze liegt je nach Niederschlagsintensität im Norden zwischen 2000 bis 2700 Metern, im Süden zwischen 2600 und 3000 Metern.
Entsprechend wurden mit bestmöglicher Beurteilung aller Modelle diverse Niederschlagswarnungen ausgegeben um darauf hinzuweisen, dass das Unwetterpotential erheblich bis gross ist.

Vergleichbare frühere Wetterlage

Diese Südwestlage mit langsam ziehender Front wie sie weiter oben im Blog beschrieben wurde, ist nicht typisch für diese Jahreszeit. Häufiger kommen solche niederschlagsreichen Wetterlagen in den Herbstmonaten September bis November vor. Dies deshalb, weil sich um diese Jahreszeit die ersten Kaltluftausbrüche wieder weiter nach Süden ausdehnen und zusammen mit dem noch recht warmen Mittelmeer markante Luftmassengrenzen ausgebildet werden.

Es gab aber auch schon früher ähnliche Wetterlagen im Juni wie dies jetzt der Fall ist. Als Beispiele seine hier die Ereignisse Mitte Juni 1987 und 1991 erwähnt.

Die Wetterlage vom 15.-17.06.1991  sieht der aktuellen Wetterlage in vieler Hinsicht ähnlich. Nebst der gleichen Jahreszeit (welche wegen der Meerestemperaturen vor allem eine Rolle spielt) war auch die Anströmung praktisch identisch. Auch hier dreht die Strömung während der intensivsten Phase auf Süd, womit die Frontverlagerung verlangsamt wurde und mit einem kleinen randlichen Höhentief zusätzliche Hebung die Niederschläge verstärkten.
Entsprechend grosse Regenmengen wurden damals gemessen und die Verteilung der Niederschläge ähnelt sehr der aktuell vorhergesagten.

Weitere Informationen betreffend der Unwetterwarnlage sind zu finden unter:
http://www.naturgefahren.ch/

Weitere Informationen betreffend Hochwassersituation finden Sie beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) unter:
http://www.hydrodaten.admin.ch/

Kommentare (4)

  1. Wolfgang Schatz, 16.06.2016, 15:11

    Ich bin gespannt, wie man die positiven Seiten der Niederschläge denjenigen vermitteln kann, denen in der kommenden Nacht die Keller voll laufen oder schon vollgelaufen sind.

  2. Jürg Leupp, 15.06.2016, 17:27

    Guten Tag: Wäre es denn denkbar, an dieser Stelle die positiven Seiten der Niederschläge zu erwähnen? Ich entsinne mich, vor noch nicht allzu langer Zeit Klagen über viel zu niedrige Grundwasserspiegel, leere Stauseen, austrocknende Bäche und vertrocknende Wälder gehört zu haben. Kalifornische Verhältnisse sind ja auch nicht gerade erstrebenswert. Danke und Grüsse.

    1. Andreas Felix, 16.06.2016, 09:29

      Meteo-Schweiz hat sicher die Aufgabe uns vor Unwetter zu warnen, sie machen das auch gut, Kompliment.
      Ich bin aber auch der Meinung, dass zu den (fast) ausschlisslichen negativen Medienmeldungen (generell), auch die positieven Aspekte in Relation gestellt werden müssten. Wir kennen doch alle die Aussage: wer negativ denkt, zieht Negatives an und umgekehrt, wer positiv denkt zieht Positives an. Eine Weisheit, die nicht nur ein leerer Spruch ist. Ein relativätsbewussterer Journalismus wär generell erstrebenswert. Trotzdem herzlichen Dank an Meteo Schweiz für die wertvollen Hinweise, weiter so

  3. Tobias Gysi, 15.06.2016, 16:00

    Super. Es waere sicher noch spannend gewesen zu sehen, was eure neuen Modelle wie COSMO-E und COSMO-1 zu diesem Ereigniss gesagt haben.