Regenwarnlage - klimatologische Einschätzung

16. Juni 2016
Themen: Wetter

Bis am Freitagmorgen werden auf der Alpensüdseite sowie in den zentralen und östlichen Voralpen und Alpen intensive Niederschläge erwartet. Der vorliegende Blog beschreibt die Wetter- und Warnsituation am Donnerstagmittag und zeigt einen Vergleich zu einem früheren ähnlichen Ereignis sowie eine klimatologische Einordnung der Warnvorhersage.

Wetterwarnlage

Am 15.06. 2016 haben wir über das bevorstehende Niederschlagsereignis mit Unwetterpotential berichtet (siehe gestriger Blog). Nun, einen Tag später ist das Ereignis im Gange und die Kaltfront hat die Westschweiz erfasst. Dadurch hat dort verbreitet Niederschlag eingesetzt. Aber auch im Süden ist der Niederschlag zunehmend flächiger aufgetreten. Teils mit eingelagerten Gewittern wurden in den ersten 12 Stunden des Warnereignisses (also bis Donnerstagmittag) im oberen Tessin zwischen 60 und 100 mm registriert (Abb. 1).

 

Der weitere Verlauf der Wetterlage bleibt im Wesentlichen unverändert. Die letzten Berechnungen der Wettermodelle zeigten - abgesehen von wenigen Ausnahmen - ein relativ einheitliches Bild dessen, was man gestern für die Warnsituation eingeschätzt hat. Kleinere Erweiterungen der Warnungen waren nötig, wie im Norden oder im Raum Savognin-Oberengadin-Puschlav. Dies zeigt, dass die Warnlage am Vortag gut eingeschätzt wurde. Für die Behörden ist es wichtig möglichst präzise Warnungen auszugeben.

Die Kaltfront, die am Donnerstagmittag über der Westschweiz lag, wird sich langsam ostwärts verlagern. Die intensivste Phase wird in den späten Abendstunden und in der Nacht auf Freitag stattfinden, dabei werden vor allem auch die alpenkammnahen Gebiete grössere Niederschlagsmengen erhalten. Die Schneefallgrenze kann durch Effekte der Niederschlagsabkühlung beispielsweise in der Surselva oder im Valsertal auf 1200 bis 1500 Meter oder lokal auch tiefer absinken. Am Freitagmorgen zieht Kaltfront ostwärts ab und Niederschläge lassen nach.

Weitere Informationen betreffend der Unwetterwarnlage sind zu finden unter:

www.naturgefahren.ch

Weitere Informationen betreffend Hochwassersituation finden Sie beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) unter:

http://www.hydrodaten.admin.ch/

Klimatologische Einschätzung der erwarteten 24h-Niederschläge

Bis Freitagvormittag werden im Tessin, Simplongebiet sowie den zentralen und östlichen Alpen und Voralpen sehr grosse Niederschlagsmengen erwartet. In den von den Niederschlägen am stärksten betroffenen Gebieten vom Sopraceneri bis zum oberen Maggiatal werden 24 Stundensummen in der Grössenordnung von 100 bis 180 mm (l/m2), lokal auch über 200 mm vorhergesagt. Niederschläge dieser Grössenordnung sind relativ selten. Mit Hilfe der Daten aus Vergangenheit und Extremwert statistischen Betrachtungen können die bis Freitagmorgen erwarteten Niederschlagssummen bezüglich ihrer Auftretenshäufigkeit eingeordnet werden. Wie in der der Tabelle 1 ersichtlich wird im Gebiet xx ein Ereignis erwartet wie es etwa alle xx bis yy Jahre zu erwarten ist.

 

Analogiefall im Juni 1991

Sucht man nach vergleichbaren Wetterlagen in der Vergangenheit so findet man im Juni 1991 einen Analogiefall. Auch damals führten Südwestliche Höhenwinde feuchte Warmluft über die nördlich der Alpen einfliessende Kaltluft und es traten grosse Niederschlagsmengen auf. Im Rheintal, im Bündner Oberland, im Nordtessin und im Gotthardgebiet gab es zum Teil mehr als 100 mm Niederschlag. In den angrenzenden Gebieten bis ins östliche Mittelland gab es bis 70 mm Niederschlag, lokal auch mehr. Interessant war damals auch die Schneefallgrenze. Sie sank im Vorderrheintal bis auf 600 m.ü.M. ab. Abb. 1 zeigt die Niederschlagsverteilung vom 16. bis 17. Juni 1991. Tabelle 2 zeigt die 24 Stundensummen von einigen Stationen aus dem Fall vom Juni 1991 im Vergleich zu den vorhergesagten Menge bis Freitagmorgen (17.06.2016). In der Tabelle 3 sind die Juni Rekorde sowie die absoluten Rekorde derselben Stationen aufgeführt.

 

 

 

 

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