Trüber Juni mit Unwettern

29. Juni 2016
Themen: Klima

Der Juni zeigte sich überwiegend trüb und regnerisch. Sommerliche Hitze gab es nur an wenigen Tagen in der zweiten Monatshälfte. Die erste Monatshälfte brachte Gewitter mit kräftigen Niederschlägen und lokalen Überschwemmungen. Zur Monatsmitte löste feuchte Mittelmeerluft in der Süd- und Ostschweiz Starkniederschläge aus. Überschwemmungen und Geröllmassen verursachten lokal grössere Schäden. Im letzten Monatsdrittel zogen heftige Gewitterregen in der östlichen Landeshälfte erneut Unwetterschäden nach sich. An einzelnen Messstandorten war es einer der nassesten Junimonate seit Messbeginn. Trotz oft trüber Witterung stieg die Junitemperatur im landesweiten Mittel 0.2 Grad über die Norm 1981–2010.

Anhaltende Gewitterlage

Vom 1. bis zum 8. Juni lag feuchte Warmluft mit häufiger Schauer und Gewitteraktivität über Mitteleuropa. Ziemlich sonnig war es nur am 6., während an den übrigen Tagen vorüberziehende Schauer und Gewitter die Sonnenscheindauer meist stark einschränkten. Besonders intensiv war die Gewitteraktivität am 8. Juni. Von der Innerschweiz über das Zürichseegebiet bis in die Region Schaffhausen fielen innerhalb weniger Stunden 30 bis über 70 mm Regen. Lokal gab es 30 bis 50 mm innerhalb von 2 Stunden. Das viele Wasser verursachte grössere Überflutungen, unpassierbare Strassen und zahlreiche Feuerwehreinsätze.

Wechselhaft aus Westen

Ab dem 9. Juni zogen vom Atlantik her mehrere Schauerzonen über die Schweiz. Die Verdrängung der feuchtwarmen Luft ging mit kräftigen Niederschlägen und einzelnen Gewittern einher. Entlang der zentralen und östlichen Voralpen fielen am 9. lokal bis 80 mm Regen, was erneut zu zahlreichen Überflutungen führte. Verbreitet grössere Niederschlagsmengen gab es auch am 11. und am 13. Juni. Bei sonnigen Verhältnissen weitgehend niederschlagsfrei blieb der 10. Juni sowie auf der Alpensüdseite auch der 12. Juni.

Unwetter in der Süd- und Ostschweiz

Vom 16. bis am 18. Juni strömte aus Süden sehr feuchte Mittelmeerluft zur Schweiz. Innerhalb von 48 Stunden fielen in weiten Teilen der Schweiz grössere Niederschlagsmengen. Besonders betroffen waren das Tessin, Nord- und Mittelbünden, das Oberengadin, das Glarnerland und das St. Galler Rheintal. Vom Maggia- und Verzascatal bis zur oberen Leventina gab es verbreitet 130 bis 170 mm, nach Radarabschätzungen lokal sogar um 200 mm. Von der Surselva über das Valser- bis ins Safiental lagen die Mengen bei 80 bis 110 mm, lokal bei 120 mm. Im übrigen Mittelbünden, in Nordbünden, im Urner Oberland, im Glarnerland sowie im Rheintal erreichten die Mengen 50 bis 90 mm. Niederschläge dieser Grössenordnung sind etwa alle 2 bis 8 Jahre zu erwarten. Weiterführende Informationen zur klimatologischen Einordnung und Bilanz dieses Ereignisses finden Sie hier.

Die durch die bisherige Juniwitterung bereits nassen Böden reagierten auf die Starkniederschläge mit Hangrutschen und Überschwemmungen. Der Walensee und insbesondere der Bodensee traten über die Ufer und der Rhein führte Hochwasser.

Vergrösserte Ansicht: Hochwasser in Ermatingen am Bodensee, 23. Juni 2016. Foto: Daniel Gerstgrasser.
Hochwasser in Ermatingen am Bodensee, 23. Juni 2016. Foto: Daniel Gerstgrasser.

Mit der Niederschlagsabkühlung sank die Schneefallgrenze auf 1000 bis 1400 m. Die Tagesmitteltemperatur lag vom 16. bis am 19. verbreitet 3 bis 4 Grad, in Berglagen auch 4 bis 5 Grad unter der Norm 1981–2010.

Endlich etwas Sommer

Vom 22. bis am 24. Juni zog ein Hochdruckgebiet aus Westen über den Alpenraum. Mit viel Sonne stieg die Tageshöchsttemperatur beidseits der Alpen auf 30 bis 32 Grad, im Wallis auf knapp 34 Grad. Am 22. und 23. erreichte die Sonnenscheindauer verbreitet die maximal möglichen Werte.

Erneut heftige Gewitterregen

Mit der Zufuhr von schwülheisser Luft aus Südwesten entwickelten sich am 24. bereits am Vormittag Gewitter, darunter ein besonders Kräftiges in der Innerschweiz. Am Nachmittag und Abend entluden sich die heftigsten Gewitter entlang des zentralen und östlichen Alpennordhangs, in Nord- und Mittelbünden sowie in der Region von Zürich bis zum Bodensee. An mehreren Orten kam es zu Schäden durch Überflutungen und angeschwemmte Geröllmassen.

Wieder sommerlich

Der Ausläufer eines Azorenhochs brachte am 27. und 28. den Sommer zurück. Mit verbreitet 8 bis 12 Stunden Sonne stieg die Tageshöchsttemperatur im Norden auf 21 bis 23 Grad, im Wallis auf 27 Grad und im Süden mit Nordwind bis auf 29 Grad.

Sommerlinden und Schwarzer Holunder blühten leicht verspätet

Der intensive Duft der Lindenblüten konnte ab Mitte Juni wahrgenommen werden. Die Sommerlinden blühten in den tieferen Höhenlagen bis etwa 700 m ü. M., meist zu einem normalen Zeitpunkt im Vergleich zum Mittel der Periode 1981–2010. Die Mehrheit der Beobachtungen wiesen eine Abweichung von 0 bis +7 Tage vom Durchschnitt auf. Der Schwarze Holunder blühte Ende Mai und vor allem in der ersten Monatshälfte Juni. Während die Termine im Mai meist normal waren, wurden im Juni neben normalen Terminen vermehrt auch späte beobachtet. Im Mittel fand die Holunderblüte im Juni 0 bis 7 Tage später statt als im Durchschnitt der Jahre 1981-2010.  In den Bergen oberhalb von rund 1000 m ü. M. blühten die Margeriten und die Fichten trieben ihre Nadeln aus. Mitte Juni war der Nadelaustrieb der Fichten rund 7 Tage verspätet, während er im Oberengadin am 27. Juni sogar 13 Tage später beobachtet wurde. Die Blüte der Margeriten in den Bergen fand normal bis sehr spät statt, mit einem Rückstand von rund einer Woche auf das Mittel. Günstige Termine für die Heuernte gab es nur wenige im Juni: die meisten Meldungen betrafen den 22. und 23. Juni, je nach Höhenlage zu einem normalen oder sehr späten Zeitpunkt.

Der definitive Bericht zum Juni 2016 ist ab dem 10. Juli 2016 in der Rubrik Klimaberichte verfügbar.

Kommentare (0)