"Egon" ante portas

12. Januar 2017, 1 Kommentar
Themen: Wetter

Westlich der Bretagne entwickelte sich heute Sturmtief "Egon". Seine Entstehungsgeschichte zeigt u.a. dieser Blog. Wie Sie sich vor Sturmtiefs schützen können werden wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, am Ende dieses Beitrages vorstellen.

In Graubünden und im Tessin noch etwas Sonne, sonst bedeckt

Der Alpenraum lag heute zwischen einem Tief über dem Nordmeer und einem Hoch über der Iberischen Halbinsel unter einer starken nordwestlichen Höhenströmung. Sie führte schubweise feuchte und recht milde Luft zur Schweiz.

Während der ersten Tageshälfte profitierten Graubünden und das Tessin noch vom Schutz durch den Alpennordhang: Trotz gelegentlich durchziehenden Wolkenfeldern konnten noch bis 4 Stunden Sonnenschein verzeichnet werden. Die Nase sprichwörtlich "vorne in der Sonne" hatten unsere Messstationen auf dem Piz Martegnas bzw. dem Piz Corvatsch mit knapp 5 Stunden Sonne. Ins Südtessin floss aber unterhalb von rund 1800 Metern feuchte Luft von der Poebene zurück.

Warmluftadvektion und noch recht hohe Tropopause

Vergrösserte Ansicht: Mittagssondierung von Payerne.
Mittagssondierung von Payerne.
MeteoSchweiz

Der Blick auf die Mittagssondierung in Payerne zeigte mit der zunehmender Höhe von Südwest über West auf Nordwest drehenden und stetig zunehmenden Wind. Ein klarer Fall von Warmluftadvektion.

Die Tropopause lag um die Mittagszeit in rund 11000 Metern Höhe. Merken wir uns diesen Wert, denn morgen wird die Tropopause in der eingeflossenen Polarluft nur noch auf rund 6500 Metern liegen.

"Heissester Tag des Jahres"

Vergrösserte Ansicht: Bis 17 Uhr Lokalzeit erreichte Tageshöchsttemperatur an ausgewählten SwissMetNet Stationen.
Bis 17 Uhr Lokalzeit erreichte Tageshöchsttemperatur an ausgewählten SwissMetNet Stationen.
MeteoSchweiz

Kommen wir zurück zum Wetter von heute: Die Höchstwerte am Nachmittag lagen im Norden meist zwischen 4 und 7, im Süden um 3 Grad.

Wenn wir uns beispielsweise die 7.1 Grad in Basel-Binningen, die 6.7 Grad in Genf oder die 5.5 Grad in Zürich exemplarisch herauspicken, dann lässt sich damit hervorragend eine reisserische Schlagzeile produzieren: „Der heisseste Tage des Jahres“. Nun ja, das Jahr 2017 ist gerade mal knapp 12 Tage alt und nach der Kältephase ist dies nun wahrlich kein Kunststück.

"Egon" nimmt Fahrt auf

Weitaus spannender als das Schweizer Wetter war heute die beginnende Entwicklung eines Sturmtiefs über dem nahen Ostatlantik. Sturmtief „Egon“ machte sich zunächst als flache Welle in der langgestreckten Frontalzone bemerkbar. Der kleine „Egon“ geriet in der Folge auf die Vorderseite eines vom Nordmeer Richtung Britischer Inseln vorstossenden Troges, zusätzlich lag „Klein Egon“ um die Mittagszeit in einer sehr entwicklungsgünstigen Position unter dem rechten Eingang des Jets. Vor der Bretagne verstärkte sich „Egon“ weiter und zog bis Redaktionsschluss zum Ärmelkanal.

Die oberste Grafik dieses Blogbeitrages zeigt die Position von "Egon" und der zugehörigen Fronten um 12 UTC (dies entspricht 13 Uhr Lokalzeit).

 

Das RGB Luftmassenkomposit zeigt sehr schön die Tiefdruckentwicklung  (Zyklogenese) von "Egon" westlich der Bretagne. Die rötlichen Farben südlich von Irland illustrieren eindrücklich die absinkende trockene Luft aus der Stratosphäre. Hinter "Egon's" Kaltfront fliesst aus Norden labile Polarluft nach Süden und bildet das typische Popkornmuster.

Wie schütze ich mich vor einem Sturmtief?

Vergrösserte Ansicht: Haben unsere zwei Prognostikerinnen etwa Angst vor „Egon“ und graben sich ein? Bild: SLF
Haben unsere zwei Prognostikerinnen etwa Angst vor „Egon“ und graben sich ein? Bild: SLF

Aber nein, sie absolvieren bei den Kollegen des SLF eine Doppeltour um deren Arbeit näher kennenzulernen. Nach einem Schneeprofil wird hier ein Rutschblock gegraben.

Kommentare (1)

  1. Alex, 13.01.2017, 10:16

    Hoi SMA Team,

    die "Hitze" wurde in der Nacht im Rheintal sogar noch unerträglicher. Der Wind, um 21:00 Uhr noch aus Nord, drehte bis auf Süd um 22:00 Uhr.
    Dementsprechend gab es einen Temperatursprung, von 7°C, bis auf 11°C, eine Stunde später. Die Feuchte ging ebenfalls auf Werte um die 40 % zurück.
    Der Föhn hat sich zu Wort gemeldet.

    Grüsse