Neuschnee

14. Januar 2017, 4 Kommentare
Themen: Wetter

Zwischen einem kräftigen Hoch über dem nahen Atlantik und einer Tiefdruckzone, die sich von Spitzbergen über die Ostsee bis nach Griechenland erstreckte, lag die Alpennordseite heute in einer mässigen bis starken nordwestlichen Höhenströmung und damit im Zustrom von feuchter und recht labil geschichteter Polarluft.

Ansehnliche Neuschneesummen

Diese feuchte Polarluft wurde am Alpennordhang gestaut. Dort wurden heute Morgen denn auch die grössten 24-stündigen Neuschneemengen verzeichnet. Die Messungen - standardmässig wird jeweils um 06 UTC = 07 Uhr MEZ gemessen - zeigten am Alpennordhang zwischen 25 und 45 cm Neuschnee. Am meisten wurde in Planachaux im Chablais sowie im Grindel oberhalb von Grindelwald im Berner Oberland verzeichnet. Dort wurde jeweils 48 cm Neuschnee innerhalb von 24 Stunden gemessen.

Wie in der Grafik oben ersichtlich ist, sind inneralpin die Mengen mit 5 bis 20 cm bereits deutlich geringer. Noch weniger fiel im östlichen Flachland zwischen dem Bodensee und der Region Zürich. Hier wurden "nur" 1 bis 5 cm gemessen. Bei nordwestlicher Anströmung ist dies eigentlich recht typisch, liegt diese Region dann im Lee, das heisst im Schatten des Schwarzwaldes.

Auch am Jurasüdfuss lokal bis knapp 20 cm Neuschnee

Ein etwas anderes, deutlich weisseres Bild präsentierte sich heute Morgen am Jurasüdfuss zwischen dem Neuenburgersee und der Region Solothurn mit 10 bis knapp 20 cm Neuschnee. Vermutlich lappte hier der nordseitige Stau des Juras (Chaumont - Chasseral - Grenchenberg - Weissenstein) knapp über den Kamm zum Jurasüdfuss, sodass in unmittelbarer Kammnähe deutlich mehr Schnee gefallen ist als wenige Kilometer weiter davon entfernt.

Im Norden stark bewölkt, im Süden deutlich freundlicher

Das Wetter von heute auf der Alpennordseite ist realtiv rasch erzählt. Es blieb meist stark bewölkt, Aufhellungen blieben die Ausnahme. Weiterhin spürbar war der mässige Wind aus Sektor West. Er erreichte im Flachland sowie in den Alpentälern Böenspitzen zwischen 40 und 60 km/h, in Neuenburg sogar bis 74 km/h.

Verlierer bzw. Gewinner (das ist eine Frage der Vorlieben und überlasse ich gerne Ihnen) in Sachen Neuschnee ist bei dieser Anströmung natürlich die Alpensüdseite. Mit Ausnahme der zum Alpenkamm nahe gelegenen Gebiete (beispielsweise das Bedrettotal, die obere Leventina oder das Bleniotal), fiel dort praktisch kein Niederschlag.

Nordföhn "sei Dank". Dieser sorgte nämlich im Mittel- und Südtessin für freundliche Verhältnisse mit  rund 5 bis 7 Stunden Sonne und Höchstwerte bis rund 8 Grad.

Wie sieht Schnee eigentlich aus?

Schneefans können also zufrieden sein mit der „Ausbeute“ der letzten 24 Stunden, die einen etwas mehr, die anderen etwas weniger. Diejenigen unter Ihnen, die Schnee eher als eine Plage denn als eine Freude empfinden, müssen sich in den nächsten Tagen noch etwas in Geduld üben. Auf morgen Sonntag fällt nämlich nochmals etwas häufiger Schnee. Dann trocknet es in der kommenden Woche zwar allmählich ab, mit Dauerfrost wird der Schnee aber auch in den tiefen Lagen konserviert.

Wie sieht eigentlich Schnee aus? Die meisten von Ihnen  würden wahrscheinlich ein allseits bekannter sechseckiger Schneestern zeichnen. Sie kennen ihn. Doch sieht Schnee immer so aus? Nein. Schnee bzw. eine Schneeflocke besteht nämlich aus Tausenden von kleinen Eiskristallen, die kleinste Einheit einer Schneeflocke.

Deposition

Schneekristalle entstehen in ausreichend mit Wasserdampf gesättigter kalter Luft (Temperatur unter dem Gefrierpunkt). Der Wasserdampf geht dabei direkt in die feste Phase über, es entstehen feinste Eispartikel. Dieser Vorgang wird Deposition oder auch Resublimation genannt.

Damit aber eine Deposition stattfinden kann, braucht es nebst Frost sogenannte Kristallisationskeime (Aerosole). Das sind zum Beispiel feinste Staubpartikel in der Luft, an welchen der Wasserdampf sozusagen andocken kann.

Grosse Vielzahl an Formen

Wie ein Schneekristall letztlich aussieht, ist von vielen Faktoren abhängig. Zu den wichtigsten zählen sicher Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit. Weiter spielen Wind- und Druckverhältnisse eine entscheidende Rolle bei der Schneekristallbildung, wohl auch die Form des Aerosols.

Da alle Faktoren zusammen bei der Entstehung nie identisch sind, entsteht eine enorme Formenvielfalt der Schneekristalle. Gemeinsam haben sie jedoch ihre Sechseckigkeit. Diese ist durch die Molekularstruktur des Wassers fix vorgegeben.

Kommentare (4)

  1. Thomas Gubler, 15.01.2017, 16:59

    Keine Schneeflocke heute tagsüber bis aktuell 17 Uhr in Schwändi Glarus Süd. Eine gewisse Diskrepanz zur immer noch gültigen Wetterprognose von 10.17: "Heute, Sonntag

    Heute meist stark bewölkt und zeitweise Schneeschauer, am Alpennordhang vor allem gegen Osten hin teils länger anhaltend Schneefall. Im Flachland, gegen die westlichen Voralpen hin und inneralpin zeitweise Aufhellungen."

    Gibt es dazu eine Erklärung, denn das "teils länger anhaltend" am Alpennordrand liess für heute doch nochmals einige cm Schnee erwarten?

  2. Urs Gisler, 14.01.2017, 22:20

    Was versteht man eigentlich meteorologisch unter Inneralpin? Ich vermute, dass nicht das gleiche Gebiet gemeint ist, wie bei der Lawinenkunde.

  3. Patrick Hächler, 14.01.2017, 22:16

    und am Bodensee gab es heute vermutlich einen Niederschlags-Seeeffekt. Vielleicht sieht man das besser am kumulierten Radarniederschlag.

    1. MeteoSchweiz, 16.01.2017, 09:35

      Danke für deinen Input. Tatsächlich lassen die akkumulierten Radar-Niederschlagsmessungen vom Samstag, 16. Januar ein Niederschlagsmaximum am Ufer des oberen Seeteils (Bodensee-Ost) erkennen. Es ist anzunehmen, dass es sich dabei (um einen eher schwach ausgeprägten) "Lake-effect" gehandelt hatte. Die klassischen Zutaten (NW-Strömung und fechtkalte, labil geschichtete Polarluft) waren jedenfalls vorhanden. Bregenz registrierte heute Morgen eine Totalschneehöhe von 25 cm.